Stand: 04.07.2017 14:13 Uhr  | Archiv

G20 – öffentlich martialische Ouvertüre

von Anna Orth, Caroline Schmidt

Nur noch wenige Tage bis zum Gipfel der G20, der die Weltmedien dominieren wird wie kaum ein Ereignis in Deutschland in diesem Jahr. Das nutzen alle, um ihre Botschaften unterzubringen. Die Gipfelgegner wollen auf die Ungerechtigkeit der Welt hinweisen, die Linksradikalen auf die aus ihrer Sicht unmenschlichen Zustände in Deutschland, und die Polizei auf ihre eigene Stärke.

Proteste auf dem Hamburger Rathausmarkt

G20 - öffentlich martialische Ouvertüre

ZAPP -

Der Protest gegen den G20-Gipfel in Hamburger folgt einer Medienstrategie. Wie gehen die Gegner vor? ZAPP hat Kampagnenmacher und Gipfelgegner begleitet.

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Autonome auf dem Weg nach Hamburg

ZAPP hat in den Tagen vor dem Gipfel Kampagnenmacher und Gipfelgegner begleitet, wie sie ihre Medienstrategien weiterentwickeln, schärfen - aber sich auch immer wieder mit der zunehmenden Gewalt in der Stadt auseinandersetzen müssen.

Tatsächlich geht es in den Medien seit Monaten darum, wie viele gewaltbereite Autonome kommen, die sich mit Schlachtliedern wie dem Youtube-Hit "Welcome to hell" auf den Gipfel einstimmen. Und es geht auch darum, wie raffiniert sich die Polizei dagegen rüstet. Es gleicht ein wenig einem Theaterspiel, in dem die Rollen schon lange verteilt sind. Gut gegen Böse, Polizei gegen Krawalltouristen, Rechtsstaat gegen Kleinkriminelle.

Radikale Linke redet seit Wochen mit den Medien

Ein Teil der Linksradikalen um die Interventionistische Linke hat deshalb eine raffinierte Medienstrategie gewählt. Sie reden - ungewöhnlich für Radikale - seit Wochen mit der Presse, machen klar, dass sie ein sehr breites Bündnis mit diversen Gruppen eingegangen seine, von der Partei Die Linke bis hin zu Attac.

Seit Wochen machen sie ebenso darauf aufmerksam, dass sie zwar den Gipfel stören wollten, aber sie mit all diesen Gruppen die Absprache getroffen hätten, dass von ihnen keine Gewalt ausging. Solange, ja solange, die Polizei sie nicht angreift.

Provokation nach friedlicher Demonstration

Nun ist der Gipfel da. Und in den ersten Tagen scheint diese Medienstrategie aufzugehen. Die erste Großdemonstration ist am 2. Juli in Hamburg. Alles ist zunächst friedlich. Plötzlich aber bestimmt die Polizei das Geschehen. Sie beginnt Zelte wegzuschaffen, mit denen Demonstranten nach acht Stunden genehmigter Demonstration auch noch gegen die Räumung ihrer Camps protestieren wollen. Eine erwartbare Provokation, auf die die Polizei überraschend heftig reagiert. Die einen zerren demonstrativ, die anderen schreien demonstrativ. Ein Polizeigewerktschafter wird am nächsten Tag sagen, die angewandte Strategie heiße "Deeskalation durch - Stärke".

"Auch so funktioniert Politik"

Ein gefährliches Theater, inszeniert für die Medien. "Ich kann das nachvollziehen, dass dann alle genervt sind, und das als reines Ritual begreifen", sagt Thomas Eberhardt-Köster von Attac, "aber es ist letztlich auch eine Form, in der Politik funktioniert. Politik ist halt auch ein Kampf um Symbole, ein Kampf um Deutungen, ein Kampf darum, wer welche Inhalte setzt".

Wie schnell eine solche Inszenierung eskaliert, zeigt sich am selben Abend auf der Insel Entenwerder am Rande Hamburgs, wo die Polizei ein Camp von Gipfelgegners gewaltsam räumt. Die Hamburger reagieren auf die Eskalation zunehmend entsetzt. Sie haben Angst, vor dem, was kommen wird.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.07.2017 | 23:20 Uhr