ZAPP-spezial

Wiedervereinigte Medienrepublik - was eint, was trennt?

Mittwoch, 04. Oktober 2017, 23:20 bis 23:50 Uhr
Freitag, 06. Oktober 2017, 01:30 bis 02:00 Uhr

Constantin Schreiber

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Ein Zeitungsstand in Chemnitz zwei Tage nach der Bundestagswahl. Die Schlagzeilen der ausliegenden Zeitungen aus allen Winkeln der Republik sind eindeutig: "Ein ganzes Bundesland wählt rechts", steht da. Die Rede ist von der "späten Rache der Ossis". Die Wählergruppe wird als "ostdeutsch, männlich, unzufrieden" beschrieben. Pauschalisierungen, die bei vielen Chemnitzern auf Ablehnung stoßen. Der Chefredakteur der Chemnitzer "Freien Presse", Torsten Kleditzsch, attestiert vielen Kollegen aus dem Westen "Helikopterjournalismus" und erklärt im Interview mit ZAPP die Folgen dieser Arbeitsweise: "Im Grunde haben drei Themen interessiert: Stasi, Doping und Nazis", sagt er. "Es wurde ganz lange damit umgegangen, dass man wie ein Helikopter hier eingeflogen ist, seine Meinung mitgebracht hat und dafür dann nur die Belege gesucht hat. Da war nie alles falsch in der Berichterstattung, aber es war meistens überspitzt und schon gar nicht umfänglich."

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04:46

Nur "rechts"? Medien-Klischees über den Osten

04.10.2017 23:20 Uhr

Nach der Wahl fangen viele Medien wieder an, den Osten pauschal in die rechte Ecke zu stellen. Trotz Wiedervereinigung sind Ossis und Wessis medial immer noch ein Thema. Video (04:46 min)

Aufmerksamkeit gewachsen

Inzwischen  beobachtet Kleditzsch allerdings eine Besserung, besonders nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht. "Als ich Ende 2015 bei Kollegen in Stuttgart war und erzählte, welche Stimmung hier (im Osten) herrscht, wie sich auch Reporter von uns auf Demonstrationen teilweise verteidigen mussten, da haben sie mich noch mit großen Augen angeguckt. Das hat sich dann alles geändert nach der Silvesternacht in Köln, da wurden die Aufmerksamkeit und auch die Betroffenheit im Westen größer. Bis dahin waren das alles so Geschichten aus der ostdeutschen Provinz, die man zur Unterhaltung gern mal aufgenommen, aber dann doch nicht wirklich ernst genommen hat."

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06:05

Programm für alle - Zuschauerbindung beim MDR

04.10.2017 23:20 Uhr

Der MDR gibt sich bewusst eine eigene Programmfarbe, die sich auch in Sachen Politikberichterstattung von anderen Anstalten abhebt. Damit ist der Sender enorm erfolgreich. Video (06:05 min)

MDR: Spitzenreiter unter den dritten Programmen

Die Bürger ernst nehmen, das gehört auch beim Mitteldeutschen Rundfunk zum Markenkern. Ein Programm für alle - vom Schlager bis hin zum Datenjournalismus und das ergänzend zum Ersten - will der MDR bieten. Und damit ist er sehr erfolgreich: Das Regionalprogramm ist unter den Dritten Programmen regelmäßig Spitzenreiter. Prägend: die ostdeutsche Perspektive. "Wenn was los ist, wenn was passiert, kulturell auch im Bereich Unterhaltung, Entertainment, dann bilden wir das auch ab und versuchen dabei zu sein. Aber immer in dem Blick zu zeigen, was das Land bewegt - weil wir halt auch die einzigen Anbieter sind. Es gibt kein zweites Mitteldeutsches Fernsehen. Wenn wir es nicht machen, dann macht‘s halt keiner", sagt Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi zu ZAPP.

MDR-Programmdirktor im Gespräch
09:49

Jacobi: "Wir haben hier eine spezielle Vorgeschichte mit Medien"

04.10.2017 23:20 Uhr

Zwischen Schlager, DDR-Geschichte und AfD-Berichterstattung: Nicht zuletzt die ostdeutsche Perspektive macht den MDR erfolgreich, erklärt Wolf-Dieter Jacobi, Programmdirektor des Senders. Video (09:49 min)

Klare Strategie bei politischer Berichterstattung

Bei der politischen Berichterstattung hat der MDR eine klare Strategie: "Man muss den Leuten auch selbst die Chance geben, selbst zu beurteilen und zu bewerten und sich selbst eine Meinung zu bilden. Was die Leute überhaupt nicht mögen hier ist, wenn man ihnen die Meinung gleich mitgibt." Praktisch heißt das: Die Journalisten des MDR verzichten im Gegensatz zu vielen Kollegen in den neuen Ländern darauf, die AfD konsequent als "rechtspopulistische" Partei einzuordnen. Außerdem lässt der Sender, gerade etwa am Wahlabend, lange umstrittene Wahlsieger wie Björn Höcke, Andre Poggenburg und Frauke Petry praktisch ungefiltert reden.

Erfahrung mit gesteuerten Medien

Sowohl die "Freie Presse" in Chemnitz als auch der MDR erreichen nicht alle Menschen. 2015 wurde die Lokalredaktion der "Freien Presse" in Glauchau mit Ziegelsteinen attackiert. Reporter und Teams des MDR gehen bis heute nur noch mit Begleitschutz zu Versammlungen von Pegida und anderen Veranstaltungen, wo sie mit verbalen und sogar tätlichen Angriffen rechnen müssen. Sie werden als Vertreter des etablierten Systems wahrgenommen, denen irgendjemand "von oben" die Feder führt. Kein Wunder: Viele Menschen im Verbreitungs- und Sendegebiet haben jahrzehntelang erleben müssen, dass "ihre" Medien tatsächlich vom Machtapparat gesteuert wurde, dass die "Aktuelle Kamera" und auch DDR-Zeitungen die Entwicklungen vor der eigenen Haustür beschönigten.

Medien stehen in der Mitverantwortung

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12:01

Im Gespräch: Sergej Lochthofen

04.10.2017 23:20 Uhr

"Nicht jeder AfD-Aufreger gehört auf die Titelseite": Sergej Lochthofen, früherer Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen", sieht auch die Medien in der Mitverantwortung. Video (12:01 min)

So oder so: Der Publizist und frühere Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen", Sergej Lochthofen, sieht beim Erfolg von Pegida und AfD auch die Medien in der Mitverantwortung. Die Journalisten hätten beide Phänomene viel zu hysterisch begleitet. Jetzt sei es an der Zeit, genau zu überlegen, wann man welche Ereignisse in der Berichterstattung aufnimmt und an welcher Position man darüber berichtet. Nicht jeder AfD-Aufreger gehöre auf die Titelseite, rät Lochthofen.

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Medien-Coup: Der "Neues Deutschland"-Fake

04.10.2017 23:20 Uhr

1988 sorgte eine Zeitung in der DDR für Lacher. Aus dem Westen wurde ein gefälschtes "Neues Deutschland" ins Land geschmuggelt, in der Ungeheuerliches stand. Die SED war nicht begeistert. mehr

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Propagandablatt "DDR-Revue" - die Imagepflege der DDR

11.11.2009 23:00 Uhr

Mit tollen Fotos, Reportagen über glückliche Kinder und in Hochglanz-Druck von Spanien bis Schweden erhältlich: die "DDR-Revue" sollte das Bild der DDR im Ausland positiv beeinflussen. mehr

20 Jahre Mauerfall - Geteilte Medienwelt in Ost und West

08.11.2009 23:35 Uhr

Früher sahen Ost und West gemeinsam fern - West-TV. Heute ist Medien-Deutschland geteilt: Der Osten mag es heimatverbunden und liest am liebsten "Superillu". Viel lieber als "Spiegel", "Stern", "Focus" oder "Bunte" zusammen. mehr

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