Stand: 13.06.2018 15:27 Uhr

Wer bestimmt die Politik: Fox News oder Trump?

von Aimen Abdulaziz-Said
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Agenda Setting 2018: "Fox and Friends" setzen ein Thema, Trump reagiert per Twitter darauf, weltweit berichten Medien darüber.

Während auf allen Kanälen weltweit der Gipfel von Singapur analysiert und die Ergebnisse kritisiert wurden, konnte sich der amerikanische Präsident einer Sache sicher sein: der bedingungslosen Zustimmung des privaten Nachrichtensenders Fox News und insbesondere der Morningshow "Fox and Friends". Als der Moderator seine Gäste fragt, wie das Treffen zwischen Trump und dem koreanischen Diktator Kim Jong Un auf einer Skala von ein bis zehn zu bewerten sei, antworten die Experten ohne zu zögern: "Das Treffen war eine zehn."

Ausschnitt eines Fernsehrbeitrages von Fox News mit auf dem Bildern: Donald Trump

Wer bestimmt die Politik: Fox News oder Trump?

ZAPP -

Donald Trump ist ein Twitter-, aber auch ein Fernsehpräsident. Sein Haussender: Fox News. Die Moderatoren wissen, dass der Präsident zuschaut - und setzen so oft die Themen des Tages.

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"Frühstücksfernsehen auf Speed"

"Fox and Friends" ist ein Mix aus Nachrichten, Verschwörungstheorien und bunten Geschichten. In den USA ist die Sendung mehr als umstritten: Die "Huffington Post" bezeichnete "Fox and Friends" einmal als "Frühstücksfernsehen auf Speed", "ein News-Trip im ständigen Wechsel zwischen aggressiver Heiterkeit und exaltierter Empörung". Die "Washington Post" bezeichnete die Sendung vor ein paar Jahren als "dümmste Nachrichtensendung im US-Fernsehen". Aber seit Trump US-Präsident ist, zählt "Fox and Friends" zu den wichtigsten Playern im politischen Washington und im Mediengeschäft weltweit.

Verspottet, aber mächtig: "Fox and Friends" sind die Trump-Flüsterer

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Manchmal sprechen die drei Morningshow-Moderatoren von "Fox and Friends" auch direkt mit dem Präsidenten und schalten ihn in die Sendung.

Donald Trump verbringt seine Morgenstunden vor dem Fernseher, die meiste Zeit davon, so zeigen seine Tweets und bestätigen Mitarbeiter, mit der Morningshow "Fox and Friends". Zwischen 6 und 9 Uhr versendet er die meisten Tweets - oftmals mit direkter Nennung der Sendung. Alleine 113 Mal seit Beginn seiner Präsidentschaft (Stand: Anfang Mai). Es gibt keine Sendung, über die Trump häufiger twittert. Das Problem: Der Präsident holt sich nicht nur einen Teil seiner Informationen über die Sendung, sie hat offensichtlich auch Einfluss auf sein Handeln. 

"Fox and Friends" sendet, Trump reagiert

Im März sollte Trump ein von den Republikanern eingebrachtes Gesetz zur Ausgabenregulierung der Regierung unterzeichnen. Bei "Fox and Friends" wurde kritisiert, dass in dem Gesetz kein Geld für das zentrale Wahlversprechen, den Mauerbau zu Mexiko, vorgesehen sei. Nur kurze Zeit später twitterte der Präsident sein Veto aus dem Weißen Haus und versetzte Washington damit in Aufruhr.

Nur durch gutes Zureden seiner Berater unterzeichnete er das Gesetzt dann letztendlich doch.

Der Präsident wird oft direkt angesprochen

Die Macher von "Fox and Friends" haben inzwischen erkannt, welche Möglichkeiten sie mit diesem prominenten Zuschauer haben. Politische Beobachter sehen mit großer Sorge, dass die drei Moderatoren oder geladene  Gäste dem Präsidenten Ratschläge erteilen oder ihn direkt ansprechen. Was "Fox and Friends" morgens sendet und von Trump per Twitter übernommen und verschickt wird, bestimmt dann die Agenda des Tages in Washington - und manchmal gar der Welt.

Eine Morningshow setzt die Themen des Tages

"Damit macht er die Agenda von 'Fox and Friends' zu seiner Agenda. Und dann aber auch zur Agenda anderer Medien, weil die anderen Medien ja auch darüber berichten, worüber Trump sich äußert. Und damit wird im Grunde die ganze öffentliche Agenda verzerrt und zwar verzerrt im Sinne von 'Fox and Friends', die morgens eben auch einen sehr guten Sendeplatz haben", erklärt Politikberater Johannes Hillje. Für viele Journalisten gehört der morgendliche TV-Konsum von "Fox and Friends" inzwischen zur Routine. Man müsse versuchen zu verstehen, was in Trumps Kopf los ist, auch wenn das bedeute, jeden Morgen "Fox and Friends" gucken zu müssen, wie es ein Medienjournalist der "Washington Post" formuliert.

Wie Journalisten Agenda-Setting von Trump und Fox brechen können

Aber auch die Themensetzung muss in den Fokus rücken. Johannes Hillje:  "Andere Medien müssen sich die Frage stellen: Wie können wir diese Übermacht von 'Fox and Friends' auf die Tages-Agenda, wie können wir die durchbrechen? Eine ganz wichtige Sache für andere Medien ist, dass sie, wenn Trump über Thema A spricht, sich immer fragen, was ist das Thema B, über das Trump nicht spricht. Um diese Themen dann auf die Nachrichten-Agenda in die Medienöffentlichkeit zu holen und sie zu diskutieren. Das ist eine ganz zentrale Frage für andere Medien, dass sie die Themen behandeln, die Trump, die 'Fox News' nicht behandeln."

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 13.06.2018 | 23:20 Uhr