Stand: 18.03.2020 23:20 Uhr

Verschwörungstheorien ums Coronavirus

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Mittlerweile ist "eine Parallelwelt oder Bubble" aus "Alternativen Medien" entstanden, so Sozialpsychologin Lamberty. Dort werden den Menschen die krudesten Theorien serviert.

Die Ausbreitung des Coronavirus ist auch in den "alternativen Medien" das Topthema. Hier geht es allerdings weniger um eine sachliche Berichterstattung, sondern viel mehr um die Frage, welche geheimen Mächte dahinter stünden und wer davon profitiere. Sämtliche Verschwörungstheorien verbreiten sich im Netz ähnlich rasant wie das Virus selbst.

Verschwörungstheorien ums Coronavirus

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Über das Coronavirus herrscht viel Unsicherheit - das nutzen Verschwörungstheoretiker und streuen die wildesten Gerüchte.

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"Wir werden belogen!" typische Behauptung von Verschwörungstheorien

Die Sozialpsychologin Pia Lamberty, welche sich bereits seit Jahren mit Verschwörungstheorien beschäftigt, findet das nicht verwunderlich: "Bei jeder Epidemie oder jedem größeren Krankheitsausbruch gab es Verschwörungserzählungen, die sich relativ ähnlich sind." Im Kern gehe es dabei immer um angeblich geheime Drahtzieher: "Wir werden unterdrückt! Wir werden belogen." Das ist auch das Narrativ in zahlreichen Coronavirus-Verschwörungstheorien: Das Virus stamme aus einem Labor in Wuhan und sei mit Absicht gezüchtet worden. Dahinter stecke ein Plan mächtiger Eliten.

Unterschiede bei den Drahtziehern und Absichten

Soweit der Konsens bei den Verschwörungstheoretikern - allerdings: Verursacher der aktuellen Pandemie und deren Absichten unterscheiden sich. Mal sind es die Pharmaindustrie oder Unternehmer wie Bill Gates, die mit dem bereits entwickelten Gegenmittel Geld an der Epidemie verdienen wollen. Oder das Virus sei eine Biowaffe und diene dazu, die Menschheit im Kampf gegen die Überbevölkerung zu reduzieren oder zu unterdrücken.

Entstehung und Aufbau von Verschwörungstheorien

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"Wir werden belogen!" Verschwörungstheoretiker sehen sich als Wahrheitsfinder, misstrauen der Regierung, Medien, Institutionen, so Pia Lamberty. Auch in Zeiten der Coronakrise.

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Antisemitismus ein Klassiker in Verschwörungstheorien

Wie schnell Verschwörungserzählungen antisemitisch aufgeladen werden, sieht man an den wiederkehrenden angeblichen Drahtziehern, die auch im Falle der Corona-Verschwörungen ausgemacht werden. So wird beim rechtsalternativen YouTube-Kanal "Kla.TV" der jüdisch-stämmige Investor George Soros als einer der Verantwortlichen identifiziert. Kein Zufall, wie Lamberty sagt, denn "Antisemitismus und Verschwörungstheorien hängen ganz oft zusammen".

Krisenzeiten sind Hochzeiten für wirre Theorien

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Man nehme ein paar Fakten, reiße sie aus dem Zusammenhang, stelle eine wilde These über geheime Mächte auf, untermaure sie mit einem Pseudoexperten - fertig ist die Verschwörungstheorie.

In Krisenzeiten, wie wir sie derzeit mit der Ausbreitung des Coronavirus haben, steigt die Bereitschaft, alternativen Wahrheiten Glauben zu schenken. Die Menschen seien verunsichert und auf der Suche nach Informationen jenseits der vermeintlich manipulierenden "Mainstreampresse". Mittlerweile ist "eine Parallelwelt oder Bubble entstanden, wo Menschen sich vor allem bei Medien informieren, die ihre eigene Meinung widerspiegeln und weniger über die Öffentlich-Rechtlichen oder größere Nachrichtenportale", so die Sozialpsychologin.

Unterdrückte "Experten" zur Untermauerung kruder Thesen

Das Perfide: Alternative Medien versuchen ihre Theorien mit vermeintlichen Experten aus Wissenschaft und Medizin zu untermauern, so dass sie auf den ersten Blick glaubhaft und plausibel erscheinen können. "Es ist ein gängiges Muster, in Verschwörungsvideos, dass sich gerne auf unterdrückte Experten bezogen wird", erklärt Pia Lamberty. So kann es sein, dass "dann der Virologe oder Epidemiologe, der seit Jahren forscht, weniger glaubhaft ist, als ein Bio-Evolutionsbiologe, der eigentlich kaum Forschungsexpertise hat", aber in den alternativen Medien auftaucht.

So existieren derzeit viele Videos von Ärzten und Wissenschaftlern, welche die Auffassung vertreten, dass das Coronavirus Panikmache und nicht schlimmer als die Grippe sei und zur Bestätigung irreführende Zahlen nutzen. Diese "Experten" vertreten beispielsweise auch die Auffassung, dass Handlungsempfehlungen der Bundesregierung zur Eindämmung des Virus wie z.B. Zuhause zu bleiben, Sozialkontakte zu vermeiden und sich die Hände gründlich zu waschen, Humbug wären.

Desinformation kann Menschenleben kosten

Diese Desinformationen sei höchstgefährlich, sagt Pia Pia Lamberty. "Zum einen ist es so, dass Menschen falsche Informationen bekommen. Darüber hinaus führt es dazu, dass sie offiziellen Stellen immer weniger Vertrauen schenken und demnach auch Maßnahmen nicht folgen, womit sie nicht nur sich selber gefährden, sondern andere auch. Und umso größer die Gruppe ist, die eben nur noch die Verschwörungsseiten folgt, umso weniger wahrscheinlich ist es auch, dass das Virus eingedämmt wird."

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ZAPP | 18.03.2020 | 23:20 Uhr