Stand: 27.11.2018 13:59 Uhr

Unter Rebellen - eine Kriegsfotografin im Jemen

von Katja Deiß

Die Abaya, das traditionelle islamische Überkleid, gibt ihr Schutz. So reist Véronique de Viguerie in den zerstörten Jemen. Als westliche Fotografin unerkannt passiert sie militärische Checkpoints, sogar die Kriegsfront. Um solche Bilder zu machen. "Der Krieg im Jemen, da haben wir auch unsere schmutzige Hände im Spiel. Unser Gewissen wäre leichter, wir würden besser schlafen, wenn wir nichts darüber wüssten", erzählt die Fotojournalistin. "Denn Bescheid zu wissen, dass wir daran beteiligt sind, gibt ein Schuldgefühl. Aber es ist unsere Pflicht, es auszusprechen."

Aufnahme im Jemen von Véronique de Viguerie, Fotojournalistin  Foto: Véronique de Viguerie

Unter Rebellen - eine Kriegsfotografin im Jemen

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Véronique de Viguerie macht das Leid sichtbar. Seit mehr als zehn Jahren reist die Fotojournalistin in Kriegs- und Kriesengebiete. Nach Somalia, Afghanistan und jetzt in den Jemen.

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Bilder aus dem Jemen machen die Katastrophe sichtbar

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Véronique de Viguerie macht das Leid sichtbar: Opfer eine Splitterbombe im Jemen. Laut UN-Konventionen sind sie absolut verboten.

Zusammen mit einer Reporterin fährt Véronique de Viguerie auf eigene Faust in den Nordwesten des Jemen. Sie schaffen es, dem saudi-arabischen Geheimdienst zu entkommen, der Journalisten daran hindert, in das von den Huthi-Rebellen besetzte Gebiet zu fahren. Denn niemand soll der Welt zeigen können, was die Saudis hier anrichten, auch mit Waffen aus Frankreich und Deutschland: unbeschreibliche Zerstörung und Leid. "Wir haben die zivilen Opfer gesehen, unter anderem kleine Jungen, die gerade im Krankenhaus angekommen waren, sie waren Opfer einer Splitterbombe. Das ist etwas, das laut UN-Konvention absolut verboten ist. Wir haben auch sehr sehr viele Kinder gesehen, die an starker Unterernährung leiden", so die französische Fotografin. Laut UN herrscht im Jemen die "schwerste humanitäre Krise weltweit". Es gibt kaum medizinische Versorgung und extreme Hungersnot. Diese Bilder machen die Katastrophe sichtbar.

Kindersoldaten an die Front

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Die Huthi-Rebellen im Jemen setzen Kindersoldaten ein.

Veronique de Viguerie berichtet, dass Benzin extrem teuer ist, und es vor allem dadurch viele erst zu spät oder gar nicht ins Krankenhaus schaffen. Die Huthi-Rebellen, die ihre Jugendlichen mit Waffen und Patriotismus ködern, waren der Fotografin gegenüber zunächst aufgeschlossen. "Mit den Huthis ist es am Anfang sehr gut gelaufen, ein paar Tage lang. Aber dann ist uns bewusst geworden, dass sie uns instrumentalisieren wollten und wir nur ihre Propaganda machen sollten", sagt die Französin. Denn die Huthi-Rebellen wollen wiederum der Welt verheimlichen, dass sie Kindersoldaten einsetzen. "Die Huthis mobilisieren Kindersoldaten, um sie an die Front zu schicken. Sie haben große menschliche Verluste, die sie ausgleichen müssen. Die Huthis verlangen von den Familien, viel in diesem Krieg."

Mutter und Kriegsfotografin

Véronique de Vigurie, selbst Mutter zweier Mädchen, konnte erst Wochen später aus dem Jemen entkommen und nach Paris zurückkehren. Der Familienalltag helfe ihr, wieder im normalen Leben anzukommen. Die Wunden in ihrer Seele - für die beiden Töchter dürften sie keine Rolle spielen. Sie ist stolz darauf, Mutter zu sein und Kriegsfotografin.

Seit über zehn Jahren macht sie diesen Job. Sie ist eine der wenigen Journalistinnen, die bei den Taliban war. Drei Jahre fotografiert sie in Afghanistan. Und reist zu den Piraten in Somalia. Die Gefahr, der sie sich aussetzt, ist immer präsent. "Man hat Angst und es gibt Stressmomente. Man fragt sich, ob man es richtig macht, ob man sich nicht dummerweise in den Rachen des Wolfes wirft. Aber wir sind jedes Mal gut vorbereitet. Man schließt so weit wie möglich alles aus, das schief gehen könnte."

De Vigueries Bilder machen das Leid sichtbar

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Will den Menschen die Augen öffnen: Fotojournalistin Véronique de Viguerie.

Gerade ist sie aus einem Flüchtlingslager der Rohingya zurückgekommen. Vor gut einem Jahr wurden sie von Militärs aus ihrer Heimat vertrieben. De Vigurie hat viele Rohingya-Frauen getroffen, die vergewaltigt wurden. Jetzt sind diese Babys geboren. Von der Gemeinschaft stigmatisiert schämen sich ihre Mütter, dass sie ihre Kinder lieben. Auch hier macht De Viguerie das Leid sichtbar: "Es ist unsere Pflicht den Menschen die Augen zu öffnen. Auch für Dinge, die nicht angenehm anzusehen sind, die einem Schuldgefühle machen. Schon alleine nicht mehr sagen zu können, wir wussten es nicht, das ist schon ein Sieg."

Veronique de Viguerie wird weitermachen. Zu den Orten reisen, an die keiner reist, um den Menschen in Kriegs- und Krisengebieten ein Gesicht zu geben

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 28.11.2018 | 23:20 Uhr