Stand: 13.04.2020 16:25 Uhr

USA: Das Virus und die große Trump-Show

von Nils Altland

Die Vereinigten Staaten sind am stärksten vom Coronavirus betroffen, die Infektionszahlen übertreffen mittlerweile alle anderen Länder der Welt. In der Hauptstadt Washington D.C. gelten Ausgangsbeschränkungen ähnlich wie in Deutschland, das Haus dürfen die Washingtonians nur für wichtige Besorgungen oder zum Sport verlassen.

USA: Das Virus und die große Trump-Show

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Die USA sind mittlerweile das am stärksten von Covid-19 betroffene Land. Präsident Trump reagiert wie immer: mit großspuriger Rhetorik und der Diffamierung seiner Gegner.

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Journalistische Berichterstattung unter diesen Bedingungen ist schwierig: Die ARD-Korrespondentin Claudia Buckenmaier reist normalerweise im ganzen Land umher, um Reportagen für den Weltspiegel zu drehen. Doch derzeit ist ihr Radius eingeschränkt, sie kann nur noch in der Hauptstadt und der näheren Umgebung recherchieren. So kann Buckenmaier kaum hintergründige Berichte von der politischen Stimmung im Land liefern, denn: "Washington D.C. ist eine Blase. Ich finde es wichtig, dass man Reaktionen von den Menschen aus der Mitte des Landes bekommt, aus den verschiedenen Bundesstaaten, in denen es verschiedene Mentalitäten gibt, verschiedene Überzeugungen. Das ist etwas, was wir so in der Breite momentan nicht bekommen. Und das finde ich ein großes Manko."

Hohe Einschaltquoten für Trumps Pressekonferenzen

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Mann der großen Gesten: Das Küssen der Fahne steht derzeit selbst in den USA nicht hoch im Kurs.

Gerade jetzt wären solche Analysen gefragt, denn die USA sind nicht nur tief in der Coronakrise, sondern auch mitten im Wahlkampf. In Krisenzeiten wie diesen schlägt die Stunde der Exekutive. Seit Mitte März hält Präsident Donald Trump tägliche Pressekonferenzen ab. Für ihn ungewöhnlich, denn Trump hatte zu Beginn seiner Amtszeit die bis dahin üblichen täglichen Pressekonferenzen im Weißen Haus abgeschafft. Stattdessen hatte er wichtige Entscheidungen in den vergangenen drei Jahren stets über Twitter verkündet, meistens an seinem Pressestab vorbei.

Zunächst wurden die Corona-Pressekonferenzen von allen Nachrichtensendern live gesendet. Doch inzwischen unterbrechen z.B. MSNBC oder CNN die Live-Übertragungen aus dem Weißen Haus. Denn deren Informationsgehalt ist bescheiden: Trump widerspricht dort regelmäßig seinem eigenen Expertenstab und verbreitet falsche Informationen. So behauptete er etwa im März, das Malaria-Medikament Chloroquin wäre ein "Game Changer" im Kampf gegen Covid-19 - entgegen der Einschätzung seines obersten Virologen Anthony Fauci.

Dabei deuten die hohen Einschaltquoten der Pressekonferenzen darauf hin, dass es in der Bevölkerung ein großes Bedürfnis nach verlässlichen Informationen über das Virus gibt. CNN hat daher Faktenchecks eingeführt, um die Behauptungen des Präsidenten - zum Teil noch während der laufenden Pressekonferenz - zu überprüfen.

Das Virus als Erfindung der Demokraten

Die Korrespondentin Claudia Buckenmaier kritisiert, der Präsident missbrauche die viele Sendezeit für Wahlkampfzwecke: "Er holt aus gegen die Medien, er holt aus gegen einzelne Journalisten. Er holt aus gegen seine politischen Gegner, nennt zum Beispiel den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, 'Sleepy Joe' und macht sich über ihn lustig. Das sind Dinge, die er bei seinen normalen Wahlkampfveranstaltungen früher auch immer gemacht hat."

Denn aufgrund der Pandemie fallen alle Wahlkampf-Veranstaltungen derzeit aus. Noch im Februar behauptete Trump bei einer solchen Veranstaltung in South Carolina vor seinen johlenden Anhängern, das Coronavirus sei bloß eine Erfindung der Demokraten. Diese würden die angeblich harmlose Krankheit instrumentalisieren, um ihn politisch anzugreifen. Nun ist er selbst es, der das Virus politisch und medial instrumentalisiert.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.04.2020 | 23:20 Uhr