Stand: 13.05.2020 20:15 Uhr

Sparkurs in der ARD: NDR geht ans Programm

von Daniel Bouhs, Tim Kukral

Corona könnte die öffentlich-rechtlichen Sender gleich doppelt treffen. Zum einen müssen neben privaten Sendern auch sie zumindest teilweise damit rechnen, dass ihnen Einnahmen in größerem Stil wegbrechen - Werbeumsätze, mit zunehmender Arbeitslosigkeit und Firmenpleiten aber auch Rundfunkbeiträge. Zum anderen könnte aber ausgerechnet jetzt auch noch die geplante Erhöhung des Rundfunkbeitrags gestoppt werden. Jedenfalls berichtet "Bild" vom "Aufstand gegen den Gebühren-Hammer" in Teilen der Union. Jetzt, wo die Bevölkerung leide, sei eine Erhöhung unangemessen. Die "FAZ" meldet gar, in mehreren Landtagen seien inzwischen Unionsfraktionen dagegen, den Beitrag von derzeit 17,50 Euro im Monat auf 18,36 Euro zu erhöhen.

Sparkurs in der ARD: NDR geht ans Programm

ZAPP -

300 Millionen Euro will der NDR sparen. Betroffen sind Technik, Verwaltung - und das Programm. Die Kürzungen treffen auch viele journalistische Angebote - zum Beispiel ZAPP.

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Trügerische Sicherheit?

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Glaubt nicht an einen Stopp der Erhöhung des Rundfunkbeitrags: Tom Buhrow, Vorsitzender der ARD und WDR-Intendant.

"Ich gehe nicht davon aus, dass es dazu kommt", sagt wiederum zu einem möglichen Stopp der Erhöhung der Vorsitzende der ARD, WDR-Intendant Tom Buhrow, gegenüber ZAPP. "Jeder Abgeordnete kann sich ja davon überzeugen, welche Leistungen wir im Augenblick für die Gesellschaft bringen." Buhrow berichtet von Extras im Ersten, in den Dritten und im Radio. Die erste Beitragserhöhung nach elf Jahren werde die Politik da doch nicht in den Wind schlagen. "Ich kann es mir nicht vorstellen." Mit einem Plan B wartet er nicht auf. "Ich denke im Augenblick gar nicht über Alternativen nach." Wähnt er sich zu sicher?

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich bei der jüngsten Abstimmung im Kreis der Ministerpräsidenten und Ministerpräsidenten zur avisierten Erhöhung des Rundfunkbeitrags als einziger enthalten. Seine Botschaft: Die Sender müssten noch stärker beweisen, dass sie sparen könnten und wollten, nicht zuletzt beim Personal.

Haseloff wollte ZAPP kein Interview geben. Nachdem die Finanzkommission KEF ihren gut 400 Seiten starken Prüfbericht über ARD, ZDF und Deutschlandradio vorgelegt und darin die Erhöhung des Beitrags vorgeschlagen hat, mahnte Haseloff allerdings unter anderem: "Wer den Bericht von vorn bis hinten liest, kann eben nicht bloß die Seite herausnehmen, wo eine Gebührenerhöhung vorgegeben ist." Die Intendantinnen und Intendanten seien zudem gut beraten, "die Signale dahingehend ernst zu nehmen, dass wir ja nicht als Ministerpräsidenten die Entscheidungen zu fällen haben, sondern die Landtage".

Der ARD-Vorsitzende Buhrow will unterdessen kein neues Sparpapier ankündigen. "Das ist ein ständiger Weg", sagt er stattdessen gegenüber ZAPP. "Das wird ab jetzt nie mehr aufhören mit den Reformen und dem Gucken, wo kann man noch wirtschaftlicher sein."

Massives Sparpaket beim NDR

Gerade hat der NDR ein 300 Millionen Euro schweres Sparpaket angekündigt: In der Produktion sollen in den kommenden vier Jahren "flächendeckend Standards gesenkt und auf Investitionen in Technik verzichtet" werden. 200 Stellen sollen wegfallen - innerhalb von acht Jahren. Einige Sendungen werden eingestellt, darunter das Büchermagazin im NDR-Fernsehen, die Reihe "Inselreportagen", einige Comedy- und Showformate. Auch bei ZAPP wird ab 2021 gespart: Die Redaktion soll ihren Schwerpunkt "zunehmend" ins Digitale verlagern, wird aber im Fernsehen präsent bleiben.

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"Zusätzliches zu fordern, wäre aus meiner Sicht falsch", so NDR Intendant Joachim Knuth.

NDR Intendant Joachim Knuth will so auffangen, was selbst bei einer Erhöhung des Rundfunkbeitrags fehlen werde, da etwa Kostensteigerungen nicht gänzlich ausgeglichen würden und der NDR von besonderen Effekten in dem komplexen KEF-Verfahren getroffen würde. Der NDR hat außerdem bereits eine Prognose zu den Folgen von Corona mit eingepreist. Theoretisch könnte der Sender diese unerwarteten Ertragsausfälle bei der KEF nachmelden. Knuth sagt jedoch gegenüber ZAPP, man müsse an die gesellschaftliche Legitimation denken, gerade in Zeiten, wo Corona die Bevölkerung treffe. "Deshalb ist es so, wie wir es jetzt machen, vernünftig. Zusätzliches zu fordern, wäre aus meiner Sicht falsch."

ARD-weite Sparmaßnahmen wegen Corona

Der NDR streicht auch Geld für das Gemeinschaftsprogramm der ARD, das Erste: Er wird weniger "Tatorte" liefern und weniger in die Töpfe der Degeto (Spielfilme und Serien) und für Sportrechte einzahlen. Nach einem Treffen der Intendantinnen und Intendanten der neun ARD-Anstalten sagte Vorsitzender Buhrow, man wolle "alles tun, damit das Erste nicht geschwächt wird". Es sei aber "natürlich so, dass jeder Sender jetzt mit dem umgehen muss, was an weniger Einnahmen da ist". Buhrow rechnet mit ARD-weiten Sparmaßnahmen wegen Corona. Die Öffentlich-Rechtlichen haben damit gleich an mehreren Fronten plötzlich eine recht ungewisse Zukunft vor sich - und das, obwohl ihre Angebote wie die vieler Medien in der Krise vom Publikum so intensiv genutzt werden wie selten zuvor.

Anmerkung der Redaktion: Was sich konkret bei ZAPP ändert, wird die Redaktion hier berichten, wenn das Konzept steht. Noch arbeiten wir daran.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 13.05.2020 | 23:40 Uhr