Stand: 23.11.2018 11:58 Uhr

So können ARD/ZDF Journalistinnen fördern

von Daniel Bouhs

"Auf den ersten Blick könnten die Voraussetzungen nicht besser sein. Von unten drängen in die Häuser vor allem: Journalistinnen. Der Verein ProQuote hat das in seiner Studie zum Geschlechterverhältnis im Rundfunk mit ausgewiesen. So bilden der BR, HR, NDR, SWR und das ZDF grob zu zwei Drittel Journalistinnen aus. Beim Deutschlandradio, dem MDR, SR und WDR sind etwa genauso viele Frauen und Männer im journalistischen Volontariat. Eigentlich müsste es also "nur" noch eine Frage der Zeit sein, bis sich das Geschlechterverhältnis auch in den Top-Etagen ausgleicht. Doch die Praxis zeigt: Die Verantwortlichen müssen sich ins Zeug legen.

Lupe fokussiert eine rote Frauenfigur neben schwarzen Strichmännchen. © Fotolia.com Foto: yanlev

Von wegen gerecht - Männer und Frauen im Rundfunk

ZAPP -

Wie steht es um Gleichstellung in deutschen Medienhäusern? "ProQuote" hat untersucht, wie viele Frauen beim öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk in Führungspositionen sind. Uns ist ein Fehler unterlaufen: In der Grafik (ab 0:30) wird der durchschnittliche Anteil männlicher Volontäre im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit 31 Prozent angegeben. Tatsächlich liegt er bei 41 Prozent.

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Flexibilität scheitert oft an den begleitenden Partnern

Beispiel: die Leitung der Auslandsstudios, prestigeträchtige und programmprägende Jobs. Nachdem ProQuote ZDF-Chefredakteur Peter Frey einst mit einem Negativ-Preis ausgezeichnet hat, verdoppelte er die Zahl der Studios, die von Journalistinnen geführt werden - von damals drei auf nun sechs Standorte. "Aufstieg bei uns und Übernahme von Verantwortung hat immer auch etwas mit Mobilität und Flexibilität zu tun", mahnte Frey bei der Vorstellung des ProQuote-Berichts. Genau hier hake es aber bisweilen beim gezielten Versuch, Frauen für Führungsjobs zu gewinnen.

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Frauen als Auslandskorrespondentinnen zu gewinnen, scheitere oft an den begleitenden Partnern, so ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

"Das gehört zu meiner Erfahrung in diesem Jahr auch dazu und 'I hate to say it', dass ich immer wieder auch in die Situation komme, dass Frauen, denen ich bestimmte Führungspositionen anbiete, sagen 'Es geht nicht, mein Mann zieht nicht mit, die Kinder sind in der 12. Klasse und so weiter", berichtete Frey. Letztlich hänge das aber offensichtlich gar nicht an den Journalistinnen - im Gegenteil: "Ganz offensichtlich ist es so, dass begleitende Partner weniger bereit sind, Zugeständnisse zu machen, als begleitende Partnerinnen." Zuletzt habe er etwa versucht, an die Spitze des Studios in Rio de Janeiro eine Journalistin zu stellen - vergeblich.

Reporter-Job und Kinder-Betreuung teilen

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In Singapur teilen sich ein Reporter-Pärchen Reporter-Job und Kinder-Betreuung - für Birgit Wentzien, Chefredakteurin Deutschlandfunk, ein Vorbild.

Birgit Wentzien ist Chefredakteurin des Deutschlandfunks, das wiederum zum Deutschlandradio gehört. Im ProQuote-Ranking der "Frauenmachtanteile" im Rundfunk ist das Deutschlandradio mit 24 Prozent das Kellerkind. Ihr Sender wolle das ändern, das gehe aber nicht mit Führungsjob von der Stange. "Wenn diejenigen, die wir fördern wollen, auch leben wollen - Familie gründen, Partnerschaft pflegen -, dann müssen wir auch auf deren Bedürfnisse achten", sagte Wentzien gegenüber ZAPP. "Wir werden hoffentlich nicht nur gedanklich groß in 'Führen in Teilzeit' investieren."

Ein Vorbild für sie ist der Korrespondenten-Standort Singapur. Das Studio dort haben ARD und Deutschlandradio unter dem Federführer NDR erstmals mit einem Reporter-Pärchen besetzt, das sich Reporter-Job und Kinder-Betreuung teilt. Das Modell funktioniere – allen anfänglichen Bedenken zum Trotz. "Wir müssen da kreativer sein", fordert Wentzien. "Auch eine Quote für Parität kann wichtig sein. Es geht aber auch darum, sie mit dem wirklichen Leben derer zu verbinden, die wir fördern wollen."

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Die Korrespondenten in Singapur

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Die NDR Korrespondenten Lena Bodewein und Holger Senzel sind mit Sohn Johnny die erste ARD-Journalisten-Familie im Ausland. Hier erzählen sie über ihr Leben in Singapur. mehr

Frauen genauso wie Männer in Führungspositionen

Neue Arbeitsmodelle haben auch den RBB bei der Gleichstellung nach vorne katapultiert, der im "Frauenmachtindex" von ProQuote auf 51 Prozent kommt. "Uns haben unterschiedliche Maßnahmen wie der Ausbau von Eltern-Kind-Zimmern geholfen, vor allem aber auch 'Job-Sharing'", sagte RBB-Personalchefin Sylvie Deléglise gegenüber ZAPP. "Man muss sich besser organisieren, damit Frauen genauso wie Männer Führungspositionen übernehmen können." Individuelle Lösungen seien dabei oft der Schlüssel: "Wenn uns jemand sagt, ich würde gerne Führung übernehmen, ich kann aber nur 75 Prozent der Arbeitszeit leisten, dann ist das für ein Haus schwierig, aber wenn man das wirklich will, dann funktioniert es."

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Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland?

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"ProQuote" hat eine Studie zur Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen erstellt. Download (3 MB)

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21.11.2018 23:20 Uhr

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.11.2018 | 23:20 Uhr