Stand: 04.12.2019 14:45 Uhr

Safa al-Ahmad - Saudische Journalistin im Exil

von Kian Badrnejad
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Kann nicht mehr in ihre Heimat: die saudische Journalistin Safa al-Ahmad.

Sie hat für ihre Arbeit einen hohen Preis bezahlt. Seit die saudische Journalistin Safa al-Ahmad in einem Dokumentarfilm für die BBC über den Aufstand in Saudi-Arabiens Ostprovinz berichtete, kann sie ihr Heimatland nicht mehr betreten. Denn was sie getan hat - recherchieren, Interviews führen, kurz: als Journalistin arbeiten - ist für die Regierung ihrer Heimat offenbar ein Verbrechen.

 

Podcast aus dem Exil

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Safa al-Ahmad hat über die Proteste in Saudi-Arabien berichtet und kann seitdem nicht mehr in ihre Heimat. Einer ihrer Gesprächspartner wurde ermordet. Sie berichtet trotzdem weiter - aus dem Exil.

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Einer ihrer Gesprächspartner wurde hingerichtet

Die Tragweite wird ihr klar, als sie mit ihrem Drehmaterial für die britische BBC in einem Schnittraum in London sitzt. Wie Einschläge kommen die Ereignisse näher: Einer ihrer Gesprächspartner wird hingerichtet. Ein wesentlicher Protagonist bittet sie unter großer Angst, ihn aus dem beinahe fertigen Film wieder herauszuschneiden. "Er sagte mir: Sie haben die Gesetze geändert, alles, was ich gemacht habe, gilt jetzt als Terrorismus", erinnert sich al-Ahmad. Sie muss ihren Film umschneiden.

Ihre Dokumentation über den Aufstand ist die erste BBC-Produktion, die auf Arabisch, Persisch und Englisch veröffentlicht wird. Mit Bildern von Protestmärschen im Glitzerkönigreich Saudi-Arabien; von Polizisten, die auf Demonstranten schießen; von Aktivisten, die sich bewaffnen und zurückschießen. Der Hort der Stabilität am Golf scheint zu wanken - so wie viele andere Regime während des so genannten "arabischen Frühlings". "Wir hatten ihnen nach der Recherche alle Vorwürfe geschickt und um ein Statement gebeten. Aber die Regierung dachte wohl, wenn sie unsere Anfragen für ein Interview ignoriert, dann läuft der Film nicht", erzählt Safa al-Ahmad.

Keine Rückkehr in die Heimat mehr möglich

Umso größer der Zorn des Königshauses, als die BBC den Film doch sendet. Die saudische Botschaft in London schickt eine Liste mit den angeblichen Verbrechen, die Safa al-Ahmad als saudische Bürgerin begangen haben soll. Der Hauptvorwurf: Sie habe sich mit Terroristen getroffen und ihre Informationen nicht an die Sicherheitsbehörden weitergegeben. "Sie verstehen so offensichtlich nicht, was einen Journalisten von einem normalen Bürger unterscheidet", sagt Safa al-Ahmad und muss kurz lachen. Dann wird sie ernst. "Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich wirklich verstanden hatte, dass ich meine Heimat nun nicht mehr betreten kann."

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Weil Frauen noch nicht Auto fahren durften, als Safa Al Ahmad in Saudi-Arabien drehte, musste sie fast die Hälfte ihres Budgets für Fahrer ausgeben.

Schon die Dreharbeiten waren von Absurditäten geprägt. Absurditäten, die ihren Grund in der repressiven Medien- und Gesellschaftspolitik des fundamentalistisch-islamischen Königreichs am Golf haben. Weil Saudi-Arabien keine freie Presse hat, glauben die Aktivisten, die die Proteste anführen, Safa al-Ahmad müsse eine Spionin der Regierung sein. Einmal vergisst ein Interviewpartner, das kleine Ansteckmikrophon abzulegen, das er für das Interview trägt. "Ich konnte hören, wie er sagte: 'Sie ist eine Agentin, aber wir reden trotzdem mit ihr.' So wichtig war ihnen ihr Anliegen", sagt Safa al-Ahmad. Ein anderes Problem lässt die Journalistin im Rückblick lachen. Damals durften Frauen in Saudi-Arabien nicht Auto fahren. "Die Hälfte meines Budgets musste ich für Fahrer ausgeben."

Ein rastloses Leben im Exil

Die Aktivisten sind größtenteils Angehörige der schiitischen Minderheit aus Saudi-Arabiens Ostprovinz. Mehr politische Teilhabe, mehr Freiheit bei der Ausübung ihrer Religion und vor allem die Freilassung politischer Gefangener fordern sie in den Protesten, die al-Ahmad beobachten kann. Als immer wieder Demonstranten erschossen werden, die saudische Polizei ihr bei den Dreharbeiten immer näherkommt, wird al-Ahmad klar, dass sie mit ihrem Material das Land verlassen muss - so schnell wie möglich. Seitdem ist sie im Exil, führt ein rastloses Leben. "Die Leute fragen mich immer: Wo lebst Du? In meinem Koffer, antworte ich dann. Ich kann einfach nicht mehr lange an einem Ort bleiben. Und meine Arbeit als Journalistin liefert mir auch noch die perfekte Ausrede dafür", stellt al-Ahmad bei einem Gespräch in Hamburg fest.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 04.12.2019 | 23:20 Uhr