Stand: 10.09.2019 17:17 Uhr

SWR-Doku: Nähe der Autorin zu Waldorfschulen

von Sebastian Asmus

Hundert Jahre Waldorfschule - in diesem Sinne wurde am 07. September in Stuttgart das hundertjährige Bestehen der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe gefeiert. Die Veranstaltung moderieren sollte Esther Saoub, Nahost-Expertin in der Auslandsredaktion des Südwestrundfunk (SWR). Doch am Abend vor der Veranstaltung sagte sie die Moderation ab. Anlass dafür war eine öffentliche Debatte, bei der die Filmemacherin Saoub und der SWR in die Kritik geraten waren.

Caren Miosga, Moderatorin Tagesthemen, steht vor einer Fotowand. © NDR

SWR-Doku: Eine Autorin und ihre Nähe zu Waldorfschulen

ZAPP -

Zum hundertjährigen Bestehen der Waldorfschulen zeigt der SWR eine Doku. Autorin ist Esther Saoub, selbst auf vielen Ebenen mit der Waldorf-Welt verbunden. Kritische Töne? Fehlanzeige.

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Zu nahe an der Waldorfschul-Welt?

Denn Esther Saoub war die Autorin eines Beitrages in den Tagesthemen, der sich dem 100-jährigen Bestehen der ersten Waldorfschulen in Deutschland widmete. Sie ist auch Autorin der 45-minütigen SWR-Dokumentation "Waldorf global - eine Schule geht um die Welt", die noch in der ARD-Mediathek zu sehen ist. Und: Esther Saoub war selbst Waldorf-Schülerin, ihre Kinder besuchen eine Waldorf-Schule, sie ist Vorstandsmitglied des Schulvereins der "Freien Waldorfschule Uhlandshöhe", sie tritt auf Podien der Waldorfschul-Feierlichkeiten auf und sie sollte eben jene Festveranstaltung vergangenes Wochenende moderieren. Kurzum: Frau Saoub scheint eng mit der Waldorf-Welt verbandelt zu sein. Sollte so jemand Berichte über das Thema für öffentlich-rechtliche Medien gestalten?

"Werbesendung für die Waldorfschulen"

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Ist überrascht, dass Esther Saoub die Doku über Waldorfschulen gemacht hat: Volker Lilienthal, Professor für "Praxis des Qualitätsjournalismus" an der Uni Hamburg.

"Nein", sagt Professor Volker Lilienthal, Inhaber des Lehrstuhl für die "Praxis des Qualitätsjournalismus" an der Universität Hamburg: "Dass Esther Saoub selbst als Autorin auftritt, wundert mich doch sehr. Die Autorin Saoub ist ja im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sozialisiert, sie kennt die professionellen Standards, da hätte sie selbst verzichten müssen." Der Beitrag in den Tagesthemen sei "eine Werbesendung für die Waldorfschulen" gewesen, schrieb der Humanistische Pressedienst (HPD).

Kritik an den Waldorf-Schulen in 45 Minuten Dokumentation? Fehlanzeige. Dabei gäbe es natürlich einiges Kritisches über Rudolf Steiner, den Gründer der Reformpädagogik zu sagen. Seine Aussagen zur Rassenfrage und zum Judentum sind vielfach kritisiert worden. Sicher waren solche Rassenstereotype zu ihrer Zeit weit verbreitet, aber in 45 Minuten Film tauchen sie gar nicht auf. Ein Nebensatz im Film streift diese Kritik am Rande: "Von dessen teils völkischen Positionen haben sich die Waldorf-Schulen 2007 in der Stuttgarter Erklärung ausdrücklich distanziert". Mehr Kritik ist in Saoubs Filmen nicht zu finden.

Reaktionen unterschätzt

Die Filmemacherin Saoub und die Vertreter des SWR standen für ein Interview vor laufender Kamera nicht zur Verfügung. Der SWR erklärte schriftlich: "Die Redaktion hat unterschätzt welche Wellen die private Verbindung der Autorin zu einer Waldorfschule im Zusammenhang mit dem polarisierenden Thema Waldorfpädagogik schlagen kann." Immerhin wolle man die Filmemacherin Saoub nicht mit weiteren Filmen zum Thema Waldorfschulen beauftragen. Die aktuelle Dokumentation bleibt aber bis 2020 in der Mediathek abrufbar.

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ZAPP | 11.09.2019 | 23:20 Uhr