Stand: 22.11.2017 15:55 Uhr

Radio-Revolution: Alle buhlen um "Alexa" & Co.

von Dominik Schottner und Daniel Bouhs
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Die intelligenten Lautsprecher Amazon Echo (Bild) und Google Home revolutionieren das Radiohören - und stellen Radiomacher vor große Herausforderungen.

Die Revolution ist ziemlich unscheinbar und etwa so groß und schwer wie eine Flasche Milch. Und: Man kann mit ihr reden. Die sogenannten Smart-Speaker – vermeintlich intelligente Lautsprecher wie Amazon Echo, Google Home oder der angekündigte Apple HomePod – sind das nächste große Ding im Gadget-Bereich. Sie stehen in Wohn- und Badezimmer, registrieren und reagieren mit eingebauten Mikrofonen auf die Befehle, die man ihnen erteilt.

Alexa.

Radio-Revolution: Alle buhlen um "Alexa" & Co.

ZAPP -

Mit vermeintlich intelligenten Boxen wie Alexa entsteht ein neuer Markt für Audios. Radiomacher tasten sich vor, fühlen sich von den neuen Plattformen aber auch bedroht.

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"Für Radiomacher brechen goldene Zeiten an"

Vor allem Radiomacher sehen darin eine riesige Chance, ihre Hörerschaft zu erweitern und so nicht an Relevanz zu verlieren. Jüngste Untersuchungen geben ihnen Recht: In Großbritannien sollen bis zum kommenden Jahr in knapp 40 Prozent der Haushalte Smart-Speaker stehen, in den USA bis zum Jahr 2022 sogar in 55 Prozent.

"Für Radiomacher brechen jetzt goldene Zeiten an", prophezeit Robert Kindermann, der sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Sender bei der Formatentwicklung berät, im Interview mit ZAPP. Die neuen, smarten Geräte könnten "einigen jetzt so ein bisschen den Arschtritt geben, damit sie sagen: Okay, wie können wir noch mehr Leute mit noch individuelleren Inhalten erreichen?"

Smart-Speaker als neues, interaktives Radio

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Berät Radiomacher bei der Entwicklung neuer Formate: Robert Kindermann.

In Kindermanns Wohnung selbst steht seit einiger Zeit ein Gerät vom Platzhirsch Amazon. Alexa, wie das Gerät wegen der weiblichen Stimme der Software auch genannt wird, sei inzwischen Teil der Familie geworden, sagt Kindermann: Uhrzeit, Wetter, Witze – viele Fragen des Alltags könne das Gerät auf Zuruf klären.

"Es hat aber auch das Radio bei uns ersetzt", sagt Kindermann und demonstriert, wie spielend leicht Radiokonsum auf einmal ist: Während er sich sein Hemd zuknöpft, ruft er in den Raum hinein "Alexa, spiele Radio FFN!" und nur wenige Augenblicke später läuft das Programm des Privatsenders aus Hannover.

Radiomacher suchen den neuen Weg zum Zuhörer

Als einer der ersten privaten Sender in Deutschland ist FFN auf der Alexa-Plattform mit einem eigenen "Skill" präsent. So heißen auf den Audio-Plattformen die Apps, mit denen sich Inhalte abrufen lassen. Auch andere Sender haben erste Skills entwickelt, für das Live-Programm, aber auch für Nachrichten auf Zuruf, etwa in Hamburg von NDR 90,3.

Wie viele Hörer den FFN-Skill heruntergeladen haben, kann Onlinechefin Katrin Wulfert nicht sagen. Dafür weiß sie aber, dass sich die Abrufe des Programms über den Skill seit Juli dieses Jahres "verdoppelt haben". Für sie ein Beleg, dass sich die Entwicklung gelohnt hat. Ein Weg, wie der Privatsender aus dem neuen Ausspielweg Kapital schlagen kann, ist aber noch nicht in Sicht.

Amazon als neue Konkurrenz und Gatekeeper

Amazon stellt allerdings nicht nur das Gerät und die Plattform für den Audio-Markt der Zukunft zur Verfügung, sondern produziert auch eigene Inhalte wie Podcasts und Nachrichten. Amazon sicherte sich zudem Audio-Liverechte an Sportereignissen wie der Fußball-Bundesliga – exklusive Inhalte für den neuen Markt. "Das ist natürlich eine Konkurrenz für uns", sagt Katrin Wulfert. Eine Konkurrenz, von der man zudem nicht genau wisse, ob sie bestimmte Inhalte bevorzuge oder nicht.

Kindermann sieht in Amazon gar "die absoluten Gatekeeper", sagt der Radio-Berater. "Die bestimmen die Spielregeln, wie mit Audios im Netz Geld verdient werden kann." Privatsender-Macherin Wulfert ist dennoch selbstbewusst: Amazon sei "im Moment natürlich eher von uns abhängig als umgekehrt, weil sie wollen natürlich auch Inhalte haben. Und wir sind die Inhalte-Anbieter. "

Radiomacher selbstbewusst: "Wir sind die Radio-Experten"

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Hat die Entwicklung in der Radiolandschaft für den BR im Blick: Jonas Bedford-Strohm.

Auch der Bayerische Rundfunk ist mit eigenen Skills in der neuen Audiowelt zu hören. Für die Entwicklung verantwortlich ist Jonas Bedford-Strohm: "Wir denken das von unserem Auftrag her und der ist, dass wir für die Menschen dort Programm machen, wo sie sind." Wie seine Privatradio-Kollegin sagt auch Bedford-Strohm, dass sich die Radiomacher nicht vor Internetriesen wie Amazon, Google oder Apple verstecken müssen: "Wir haben schon sehr viel Erfahrung mit Audio. Wir sind die Radio-Experten."

Dennoch arbeiten beim BR gerade vor allem Programmierer an dem Alexa-Projekt. Denn die Inhalte gibt es ja schon. Bedford-Strohm will aber nicht ausschließen, dass Redaktionen irgendwann auch exklusive Inhalte für die Smart-Speaker entwickeln. Einen Hinweis, wie das dann klingen könnte, gibt es schon: Wer demnächst über die BR-Skills die Rap-Sendung "Schacht und Wasabi" abruft, wird am Ende auf adäquate Form verabschiedet: "Hau rein!" Die Revolution des Radios spricht also die Sprache seiner Hörer.

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ZAPP | 22.11.2017 | 23:20 Uhr