Stand: 02.10.2018 17:24 Uhr

"Radio Hamburg": Arbeitskampf trotz Einigung

von Inga Mathwig

Auf den ersten Blick scheint die Sache eindeutig: "Einigung bei Radio Hamburg", titelt die Pressemitteilung des Radiosenders vom Montag. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter hätten sich auf eine Betriebsvereinbarung geeinigt. Ihre Unterzeichnung sei "der konsequente letzte Schritt", schreiben die Geschäftsführer Marzel Becker und Patrick Bernstein. Doch das gilt offenbar nur für eine Seite. Denn die Arbeitnehmervertreter pochen weiterhin auf einen Tarifvertrag.

Schon seit Monaten tobt der Arbeitskampf im Sender, im Juli wurde er öffentlich: in einer gemeinsamen Kampagne mit den Gewerkschaften Deutscher Journalistenverband (DJV) und ver.di machten die Redakteurinnen und Redakteure mit einem emotionalen Video auf Missstände im Sender aufmerksam. "Während sich die Gesellschafter Millionengewinne ausschütten, haben wir kaum was davon. Trotz immer mehr Leistung und immer mehr Arbeit, werden wir immer ärmer", heißt es darin. Deswegen forderten sie "einen Tarifvertrag".

Drei Personen sitzen an einem Schreibtisch und schauen in einen Computerbildschirm

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ZAPP -

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Mitarbeiter halten an Forderungen fest

Und an dieser Forderung halten die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter - immerhin gut drei Viertel im Sender - weiter fest. "Wir waren sehr verwundert über den Ton der Pressemitteilung", sagt Nina Wonerow, die als Arbeitnehmervertreterin sowohl im Betriebsrat sitzt, als auch Mitglied der Tarifkommission ist. Die Betriebsvereinbarung sei getroffen worden, da "wir den Kollegen selbstverständlich keine Lohnerhöhung vorenthalten wollen", so Wonerow. Zwar freue sie sich jetzt über die in der Vereinbarung beschlossenen 250 Euro mehr im Monat - "da fehlen mir aber noch einige hundert Euro mehr, bis ich beim Tariflohn bin".

Die nun beschlossene Betriebsvereinbarung garantiert eine einmalige Gehaltserhöhung, eine Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 37,5 Wochenstunden und eine Sonderprämie in Höhe von 1.000 Euro - weil der Sender auch in diesem Jahr wieder zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Sendern der Republik zählte. Mit einem Tarifvertrag gäbe es aber regelmäßige Gehaltsanpassungen. "Und genau darum geht es", meint Wonerow. "Wir wollen nicht ständig um Geld betteln müssen." "Radio Hamburg" sieht das aber offenbar anders. Ein Tarifvertrag sei "nicht mehr zeitgemäß" und "keine Option", sagten die Geschäftsführer im Interview mit ZAPP. Schon 2003 war der Sender aus der Tarifbindung ausgestiegen - wie viele andere private Hörfunksender auch.

Geschäftsführung geht gegen Kampagne vor

Unbehagen bereitete der Geschäftsführung offenbar auch die große Öffentlichkeit: In der vergangenen Woche versuchte der Sender, die Kampagnen-Webseite "wirsindradio.hamburg", auf der auch das emotionale Video veröffentlich wurde, wegen Markenrechtsverletzungen sperren zu lassen. Leser würden wegen der Verwendung des Namens "Radio Hamburg" verwirrt, argumentierte der Anwalt der Kläger. Die Verteidigung hielt dagegen: Die Klage sei der Versuch, "die Protestaktion zu verhindern". Das Gericht wies den Antrag auf Unterlassung schließlich ab.

Auf der Kampagnen-Webseite läuft nun erneut ein Countdown. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr läuft er ab. Worum es dabei geht, will Wonerow nicht verraten. Doch die Auseinandersetzung geht offensichtlich weiter - trotz "Einigung".

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.09.2018 | 23:20 Uhr