Stand: 04.06.2019 10:36 Uhr

Pressearbeit in China: Ohne Bewacher geht nichts

von Michael Storfner

Ein Mann stellt sich den Panzern in den Weg, unbewaffnet Dieses Fotos vom Platz des Himmlischen Friedens ist fast überall auf der Welt bekannt. Im Frühjahr 1989 demonstrieren Studenten und Studentinnen, Arbeiter, Arbeiterinnen, Menschen mitten in Chinas Hauptstadt für eine politische Öffnung des Landes.

Mutmaßliches Umerziehungslager für Uiguren. Quelle: Uighur Human Rights Project © NDR

Pressearbeit in China: Ohne Bewacher geht nichts

ZAPP -

Seit dem Tiananmen-Massaker vor 30 Jahren wurden Grundrechte sukzessive zurückgefahren. Auch die Pressefreiheit. Manche Themen können ausländische Korrespondenten kaum mehr recherchieren.

3 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Doch der Pekinger Frühling ist ein kurzer Frühling. Am 4. Juni 1989 schlägt die chinesische Regierung den Volksaufstand gewaltsam nieder: Die Volksbefreiungsarmee stürmt den Tiananmen-Platz. Hunderte sterben - die genaue Zahl der Opfer ist bis heute nicht bekannt. Thematisieren will Chinas Führung die Ereignisse kaum. Aber jedes Jahr in den Wochen vor dem 4. Juni verschärfen die Behörden ihre Maßnahmen. Beteiligte, Angehörige und Augenzeugen des Massakers werden bedroht und verfolgt. Mittels intensivierter Überwachung und Hausarrest unterbinden sie Kontakte zu Journalisten – so auch diesmal, zum 30. Jahrestag der Niederschlagung.

Weitere Informationen

"Tank Man": Die Geschichte eines Fotos

Vor 30 Jahren schlug China die Demokratiebewegung mit einem Massaker nieder. Der Wahlhamburger Jeff Widener schoss das weltbekannte Foto des Mannes, der sich den Panzern in den Weg stellte. mehr

Pressefreiheit massiv beschränkt

Bild vergrößern
Durfte bei seiner Recherche zu den mutmaßlichen Umerziehungslager nur Touristen-Motive drehen: Michael Storfner, China-Korrespondent ARD.

Dass auch die Pressefreiheit seither immer weiter eingeschränkt wird, erfährt auch Michael Storfner, China-Korrespondent ARD, zu Beginn dieses Jahres. Er will einen Beitrag zum Polizeistaat im Westen Chinas drehen. In der Provinz Xinjiang, wo die Regierung die muslimische Minderheit der Uiguren systematisch unterdrückt. Bis zu eine Million Uiguren sollen dort in Lagern eingesperrt sein - um auf Linie gebracht zu werden. "Das war der schwierigste Bericht für mich bis jetzt - wir mussten immer damit rechnen, dass die Polizei uns festnimmt und zwingt, die Bilder zu löschen. Und am Abend des Drehtages kam die Polizei dann auch, zehn Aufpasser und vier Autos waren danach immer an uns dran", erzählt Storfner.

Journalisten unter Beobachtung

Das Beispiel Xinjiang mag sogar für China extrem sein. Dennoch - die Arbeit der ausländischen Journalisten hat sich seit Präsident Xis Machtantritt vor sechs Jahren stetig verschlechtert. Das zeigt die aktuelle Umfrage des Clubs der Auslandskorrespondenten. Die Reporter seien "Under Watch" - unter Beobachtung.

Weitere Informationen
04:51
Weltbilder

China: Unterbindung kritischer Berichterstattung

Weltbilder

Ausländische Journalisten werden oft als "ausländische Agenten" gesehen und behandelt wie eine Bedrohung. Es ist schwer in der Diktatur an "echte" Informationen zu kommen. Video (04:51 min)

"Das Tiananmen-Massaker war kein Zufall"

Am 4. Juni 1989 kam es auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking zu einem furchtbaren Massaker, bei dem hunderte Menschen starben. Ein Gespräch mit dem China-Experten Kai Strittmatter. mehr

Zensur: China sperrt Blogs

Putschgerüchte kursierten in Peking. Traditionelle Medien sind voller "Sprachregelungen", chinesische Blogs voller Gerüchte - bis Zensoren die Kommentare blockierten. mehr

Gegen das System - Microblogger in China

Nach dem Kampf um die Wahrheit über ein Zugunglück glauben viele Chinesen den Blogs mehr als den Staatsmedien. Ein Wettlauf um die Deutungshoheit hat begonnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.06.2019 | 23:20 Uhr