Donald Trump, Präsident der USA, verfolgt mit verschränkten Armen eine Kabinettsitzung im Weißen Haus. © picture alliance/Evan Vucci/AP/dpa

Präsidiale Presse - Trumps Mediengefolge

Stand: 21.10.2020 14:27 Uhr

Nach vier Jahren Trump sind die USA tief gespalten, in seine Gegner und seine Unterstützer. Die Medien tragen ihren Teil zu dieser Spaltung bei.

von Nils Altland

In weniger als zwei Wochen - am 3. November 2020 - wählen die USA ihren neuen Präsidenten. Unabhängig vom Ausgang der Wahl steht jetzt schon fest: Nach vier Jahren Trump-Präsidentschaft sind die Vereinigten Staaten tief gespalten, in Trump-Gegner und seine Unterstützer. Diese Polarisierung lässt sich nicht ohne die Rolle der Medien verstehen, die für diese Lager stehen: Liberale Medien wie CNN oder die "New York Times" auf der einen und rechte Medien auf der anderen Seite.

Stichwortgeber des Präsidenten

Das wichtigste Sprachrohr der Trump-Regierung ist Fox News. Dessen Verbindungen zum Weißen Haus sind eng: Die Moderatoren Sean Hannity, Tucker Carlson und Jeanine Pirro arbeiten neben ihrer Tätigkeit für den Sender als Berater des Präsidenten. Das geht so weit, dass einige Mitarbeiter des Weißen Hauses Hannity als "Schatten-Stabschef" beschreiben. Trump soll das Programm täglich bis zu sechs Stunden gucken, immer wieder ruft er spontan im Sender an und geht per Telefon live auf Sendung. Donald Trump beeinflusst nicht nur das Programm - auch umgekehrt ist Fox News Stichwortgeber des Präsidenten. Der Thinktank Media Matters hat jüngst eine Studie über Trumps Twitterverhalten veröffentlicht. Das Ergebnis: Kein anderes Medium hat Trump in seinen Tweets der letzten zwei Jahre so oft zitiert, mit großem Abstand.

Auf Worte folgten Taten

Welche grausamen Folgen diese Verbindung haben kann, zeigt sich am Fall des Attentats im texanischen El Paso: Im November 2018 warnte der Fox News-Moderator Tucker Carlson vor einem Treck lateinamerikanischer Geflüchteter, der sich in Richtung der US-Grenze bewegte und nannten diesen eine "Invasion". Trump übernahm den Begriff schnell in seinen Reden und Tweets. Im August vergangenen Jahres schließlich erschoss ein 21-jähriger Weißer in El Paso 23 Menschen überwiegend lateinamerikanischer Herkunft. In seinem Manifest sprach er von einer "Invasion" lateinamerikanischer Migranten.

Michael Werz, Politikwissenschaftler © NDR
Sieht einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag in El Paso und Trumps Tweets: Politikwissenschaftler Michael Werz.

Für den in den USA lebenden, deutschen Politikwissenschaftler Michael Werz besteht hier ein klarer Zusammenhang: "Das war ein junger Mann, der, motiviert durch Donald Trump, ein Manifest schreibt. Und darin ja nicht nur auf Trump Bezug nimmt, sondern zum Teil wörtlich Formulierungen aus Tweets von Donald Trump übernimmt."

Angriffe als Markenzeichen

Cathryn Clüver-Ashbrook, Politologin © NDR
Verfolgt die Spaltung der Gesellschaft mit Sorge: die Politologin Cathryn Clüver-Ashbrook.

Die ständigen Auseinandersetzungen des Präsidenten mit seinen Kritikern in den liberalen Medien haben seine erste Amtszeit geprägt. Trumps Angriffe sind längst zum Markenzeichen geworden: CNN und Co. sind demnach immer "Fake News", Propagandisten eines angeblich linksextremen Establishments. Wiederholt wird dieses Mantra von seinen Unterstützern bei Fox News, aber auch von extremeren Sendern wie One America News, in den Talkradio-Sendungen von Rush Limbaugh oder auf Online-Plattformen wie Infowars des Verschwörungsideologen Alex Jones. Die Politologin Cathryn Clüver-Ashbrook von der Harvard Kennedy School beobachtet diese Entwicklung mit Sorge: "Das hinterlässt Spuren in der amerikanischen Gesellschaft. Ganze Wohnviertel, Nachbarn werden unfähig, miteinander zu sprechen."

Spaltung erklärtes Ziel

Dabei ist die Spaltung der Gesellschaft kein unerwünschter Nebeneffekt, sondern erklärtes Ziel des Trump-Lagers. Denn dieses vertritt mit seiner weißen Identitätspolitik ein denkwürdiges Verständnis von Demokratie. Sebastian Gorka, enger Berater Trumps und Vordenker seiner Politik, formuliert das so: "In der Politik geht es nicht darum, Einigkeit herzustellen. Es geht darum, den Wettkampf der Ideen zu gewinnen. Das ist Demokratie: Ein Autorennen! Und wir müssen sehen, wer das schnellste Auto hat."

Am Montag, den 26.10. zeigt das Erste um 22:50 Uhr den Dokumentarfilm “Im Wahn - Trump und die Amerikanische Katastrophe” der Autoren Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby, auf deren Recherchen und Bildern dieser Beitrag beruht.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.10.2020 | 23:20 Uhr