Stand: 14.06.2018 14:01 Uhr

Neuer Netzauftrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio

von Daniel Bouhs
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Der WDR, das ZDF und andere Sender haben schon in der Vergangenheit angefangen, Videos und Audios im Internet stärker hervorzuheben.

ARD, ZDF und Deutschlandradio bekommen neue Spielregeln für ihre Onlineangebote. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag auf ihrer Konferenz in Berlin beschlossen. Der neue sogenannte Telemedienauftrag für die öffentlich-rechtlichen Sender sieht unter anderem vor, dass sie ihre Portale und Apps "im Schwerpunkt mittels Bewegtbild oder Ton" gestalten müssen. Texte sollen ausdrücklich "nicht im Vordergrund stehen". Die Angebote müssen also auf den ersten Blick quasi wie Mediatheken anmuten.

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Lange Texte weiterhin möglich

Mit diesem Plan für die Änderung des Rundfunkstaatsvertrags, der tagesschau.de vorliegt, folgen die Länder einem Kompromissvorschlag, den zuvor Intendanten und Vertreter der Verlegerverbände untereinander ausgehandelt hatten, um den langjährigen Streit um "presseähnliche" Inhalte auf öffentlich-rechtlichen Portalen beizulegen. Wie von Verlagen und Sendern vereinbart, werden die öffentlich-rechtlichen Sender aber auch weiterhin ausführliche Texte veröffentlichen können - etwa die Manuskripte ihrer Beiträge aus Radio und TV, aber auch Aktualisierungen und Hintergründe zu den Themen, die in den klassischen Sendungen Thema sind. Audio und Video sollen dabei nur "nach Möglichkeit" eingebunden werden. Damit bleibt aktuelle Berichterstattung auch in Textform möglich.

Europäische Lizenzware darf in die öffentlich-rechtlichen Mediatheken

Die Ministerpräsidenten erlauben den Sendern gleichzeitig mehr in den Mediatheken. So sollen die Sender künftig auch sogenannte Lizenzware als Abruf bereitstellen, also Serien, Filme und Dokumentationen, die sie nicht selbst produziert oder in Auftrag gegeben, sondern nachträglich von anderen Sendern oder Studios eingekauft haben. Die Sender müssen sich dabei allerdings auf europäische Produktionen beschränken. Serien und Filme aus den USA bleiben damit ausdrücklich ein Tabu für öffentlich-rechtliche Mediatheken.

Videos und Audios bekommen längere Verweildauern

Zudem wollen die Länder die Sender beauftragen, "zeit- und kulturgeschichtlicher Archive mit informierenden, bildenden und kulturellen Inhalten". Diese Inhalte könnten dann dauerhaft im Netz bleiben. Bei anderen Audios und Videos sollen die Sender künftig selbst entscheiden können, wie lange sie im Netz bleiben - in Abstimmung mit ihren Gremien. Dabei müssen sie allerdings weiter berücksichtigen, dass sie insbesondere den Privatsendern keine allzu starke Konkurrenz machen. Die sogenannte "7-Tage-Regelung", die bisher galt, soll aus dem Rundfundfunkstaatsvertrag verschwinden. Den Plänen müssen nun noch die Parlamente der Länder zustimmen.

 

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ZAPP | 13.06.2018 | 23:20 Uhr