Stand: 10.09.2018 14:00 Uhr

Neue Recherche-Kooperation aus rbb/"T-Online"

von Daniel Bouhs
Bild vergrößern
Neue Kooperation: rbb und "T-Online".

Neben NDR/WDR/SZ tut sich eine weitere strategische Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien für die investigative Berichterstattung auf: Das Onlineportal "T-Online" recherchiert und publiziert nun gemeinsam mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Das haben die Beteiligten ZAPP auf Anfrage bestätigt, nachdem "T-Online" und das vom rbb produzierte ARD-Politikmagazin "Kontraste" gemeinsam über den Rechtsextremismusverdacht bei einem Ausbilder des Bundesnachrichtendienstes berichtet hatten.

Beide Seiten bestätigen Kooperation

"Das war unser erster gemeinsamer Aufschlag. Wir werden weitermachen und ausgewählte Geschichten zusammen recherchieren und veröffentlichen", sagte "T-Online"-Chefredakteur Florian Harms gegenüber ZAPP. Er sei zwar auch für andere Recherche-Kooperationen offen, aber: "Die Kooperation mit dem rbb nimmt dabei eine besondere Stellung ein."

Matthias Deiß, der seit Januar "Kontraste" leitet, bestätigte ebenfalls: "Wir haben vereinbart, dass wir das jetzt regelmäßig machen. Das ist eine grundsätzliche Kooperation." Er werde aber auch weiter mit anderen Medien recherchieren wie zuletzt mit "Spiegel", "Stern" und "Berliner-Morgenpost".

Kritik an Recherche-Kooperationen

Strategische Kooperationen von öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sind umstritten. Vor allem die etablierte Zusammenarbeit von NDR und WDR mit der "Süddeutschen Zeitung" wird seit Jahren von Journalisten anderer Medien kritisiert. "Das ist eine ganz klare Form von Media-Leistung, von Markenwerbung für die 'Süddeutsche Zeitung'", sagte etwa "Bild"-Chefredakteur Julian Reicheltdazu. "Ohne diesen Verbund gäbe es das so in diesem Umfang niemals."

Weitere Informationen

Brinkbäumer: "Glaube nicht an dauerhafte Befriedung"

13.06.2018 23:20 Uhr

ZAPP-Sommerinterview mit dem "Spiegel"-Chefredakteur über den neuen Kampf für bezahlten Journalismus im Netz und die Konkurrenz mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. mehr

Erst im Juni dieses Jahres sagte auch der scheidende "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer im Interview mit ZAPP: "Wenn Gebührengelder auf irgendwelchen Umwegen in Projekte fließen, die bei der "Süddeutschen" landen, dann sprechen wir von Quersubventionierung eines Zeitungsverlages." NDR, WDR und SZ betonten jedoch wiederholt, jeder Partner trage die Kosten selbst, die für die Berichterstattung im eigenen Medium anfielen.

"Es gibt viele Recherche-Kooperationen"

"T-Online"-Chefredakteur Harms will seine neue Zusammenarbeit mit dem rbb allerdings nicht direkt mit der Kooperation aus NDR, WDR und SZ verglichen sehen. Auf die Frage, inwiefern die neue Konstellation ein Gegengesicht zu der Achse Hamburg-Köln-München sei, sagte er: "Es gibt viele Recherche-Kooperationen in Deutschland. Nun kommt eine hinzu." Tatsächlich arbeiten auch NDR und WDR immer wieder mit anderen Privatmedien zusammen.

Weitere Informationen

Kritisierte Kooperation - NDR, WDR und SZ

15.11.2017 23:20 Uhr

Große Recherchen - große Aufmerksamkeit: Seit vier Jahren arbeiten NDR, WDR, SZ in einer Recherche-Kooperation. In der Tagesschau wird sie oft zitiert - eine Vorzugsbehandlung? mehr

Verlage vs. ARD & Co.: Ende des Dauerstreits?

13.06.2018 23:20 Uhr

Die Verlage wollen seit langem den Textanteil von ARD, ZDF und Deutschlandradio im Netz einschränken. Nun scheint das Ziel erreicht, angeblich gab es eine Einigung mit den Intendanten. mehr

Der neue Telemedienauftrag: Nur Gewinner?

13.06.2018 23:20 Uhr

Verlage, öffentlich-rechliche Sender, der Journalismus insgesamt - es gibt nur Gewinner, so der Eindruck auf der Pressekonferenz zum neuen Telemedienautrag. Stimmt aber nicht ganz. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.11.2017 | 23:20 Uhr