Stand: 30.01.2019 12:32 Uhr

Nach Niederlage vor Gericht: SHZ kündigt Flensburger Lokalchef

von Timo Robben
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Hatte vor dem Arbeitsgericht Flensburg erfolgreich gegen seine Versetzung geklagt und wurde nun trotzdem gekündigt: Carlo Jolly.

Der Streit zwischen dem "Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag" (SHZ) und Carlo Jolly hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Der Verlag kündigte dem langjährigen Leiter der Flensburger Lokalredaktion "aus verhaltensbedingten Gründen", so Jolly gegenüber dem DJV. Scheinbar macht der SHZ Jolly für die öffentliche Aufmerksamkeit verantwortlich, die mit seiner inzwischen vom Arbeitsgericht Flensburg als rechtswidrig eingestuften Zwangsversetzung - ZAPP hatte berichtet - einherging.

Mitte Januar erst war der SHZ vor Gericht unterlegen: Der Arbeitsvertrag Jollys sehe als Dienstsitz Flensburg vor, so die Begründung. Dementsprechend könne der Journalist nicht gegen seinen Willen versetzt werden.

"Übel mitgespielt"

"Es ist unglaublich, wie hier die Dinge auf den Kopf gestellt werden", kritisiert der Vorsitzende des DJV Schleswig-Holstein, Arnold Petersen Jollys Entlassung. "Dass der Fall bundesweit für Aufsehen sorgte, hat sich der SHZ selbst zuzuschreiben. Es war der Verlag, der Anfang September kurz und knapp ohne jede Begründung die Versetzung von Carlo Jolly und zwei weiteren langjährigen Lokalredakteuren publik machte. Das musste zu Spekulationen führen."

Man sei überzeugt, dass auch die Kündigung vor Gericht keinen Bestand haben werde, so Petersen weiter. "Nicht das Medienhaus hatte einen Nachteil, sondern Carlo Jolly wurde übel mitgespielt."

Flensburger Tageblatt © NDR

"Flensburger Tageblatt" versetzt Mitarbeiter

ZAPP -

Das "Flensburger Tageblatt" versetzt drei Redakteure - gegen deren Willen und sehr plötzlich. Journalisten, Leser und auch die Pressesprecher der Stadt sind irritiert.

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Irritiert von dem Vorgehen des Verlags

Der Fall hatte schon vor der Verhandlung große Wellen geschlagen. Unter anderem die Flensburger Bürgermeisterin Simone Lange zeigte sich irritiert von dem Vorgehen des Verlags. Nicht nur Jolly selbst, sondern auch zwei seiner Kollegen sind gegen ihren Willen versetzt worden - raus aus der Stadtredaktion nach Schleswig und Niebüll. Auch die beiden anderen Journalisten hatten gegen die Versetzung geklagt - hier stehen die Urteile noch aus.

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