Stand: 09.01.2019 14:30 Uhr

Reporter als "Mistkäfer": Investigativteam in Südafrika

von Sophia Münder & Stephanie Teistler
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Bessere Zeiten: Jacob Zuma mit seiner Frau.

Das Büro von amaBhungane in Südafrikas Metropole Johannesburg ist unscheinbar. Kein Schild weist darauf hin. Ein paar Schreibtische, eine Teeküche. Das ist alles. Doch von hier aus haben elf investigative Journalisten dazu beigetragen, den größten Korruptionsskandal Südafrikas zu enthüllen - und den Präsidenten zu entmachten. Im Februar 2018 ist Jacob Zuma zurückgetreten. Lange schon wurden ihm Korruption, Vergewaltigung und Geldwäsche vorgeworfen. Aber Zuma galt als "Teflon-Präsident", an dem nichts haften bleibt. In neun Jahren Amtszeit hat er acht Misstrauensvoten überstanden.

Doch im Mai 2017 erschütterten die sogenannten Guptaleaks das Land. "200.000 E-Mails und Dokumente, direkt aus dem Imperium der Gupta-Familie in Südafrika", sagt Susan Comrie. Als reichste Familie Südafrikas sind die aus Indien stammenden Guptas Großspender der Regierungspartei ANC. Zu ihrem Imperium gehören Software-Unternehmen, Anteile an Uran-, Gold- und Kohleminen. Besonders eng sind die Beziehungen der Familie zu Jacob Zuma: 2013 durften etwa die Guptas auf einem südafrikanischen Luftwaffenstützpunkt Hochzeitsgäste aus Indien einfliegen lassen.

Sie nennen sich "die Mistkäfer": Investigativreporter in Südafrika. © NDR

"Mistkäfer": Investigativteam in Südafrika

ZAPP -

Dass Südafrikas Präsident Jacob Zuma 2018 zurücktreten musste, ist das Verdienst von "amaBhungane" - die Mistkäfer. Ein Investigativ-Team, das erfolgreich im Dreck wühlt.

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Guptaleaks erschüttern das Land

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Susan Comrie im Büro von amaBhungane.

Susan Comrie ist im kleinen Büro von amaBhungane eine der ersten, die in das Rechercheteam rund um die Leaks geholt wird. Das erste Treffen ist rein konspirativ, auf dem Dach eines Einkaufszentrums. Die Recherche ist streng geheim, die Quelle muss geschützt werden. Sie hätten sehr auf ihre digitale Sicherheit achten müssen, sagt Comrie. "Wir konnten auch nicht einfach so darüber sprechen."

Die Daten beweisen, wie weit die Tentakel der Guptas tatsächlich reichten: Staatschef Zuma hat ihnen staatliche Großaufträge zugeschustert. Als Gegenleistung halfen diese beispielsweise einer von Zumas Ehefrauen einen Millionenkredit auf ihre Luxusvilla abzuzahlen. Im Anwesen der Guptas sollen sogar Ministerposten besetzt und lukrative Staatsaufträge vergeben worden seien. Insgesamt arbeiten sich drei Redaktionen monatelang durch die Daten.

Im Dreck wühlen wie Mistkäfer

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Sieht sich Hasskampagnen ausgesetzt: Tabelo Timse.

amaBhungane heißt übersetzt "Die Mistkäfer". Ihr Motto: Im Dreck wühlen und die Demokratie düngen. Finanziert werden sie über Spenden - unter anderem von Multimilliardär George Soros. Auch an den Recherchen zu den "Paradise Papers" waren "die Mistkäfer" beteiligt. Die Guptaleaks sind ihr bisher größter Erfolg. Allerdings haben sie das Zuma-Lager auf den Plan gerufen: Es wirft amaBhungane Kampagnenjournalismus und Fake News vor. Und auch von den Guptas in Auftrag gegebene Bots hetzen gegen die Recherche auf Twitter - von Indien aus gesteuert. "Als wir die Guptaleaks veröffentlicht haben, ging die Online-Kampagne gegen uns erst richtig los", erzählt amaBhungane Journalistin Tabelo Timse. Eine ihrer Veranstaltungen zu den Leaks wird vom Zuma-Lager gestürmt.

Inzwischen ist es wieder ruhiger um amaBhungane geworden. Mit dem neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa gibt es wieder Hoffnung im Land. Aber die Guptas und Zuma seien nur ein Teil dieses Netzwerks der Vetternwirtschaft, sagt Comrie. "Es gibt so viel Korruption - und nicht nur innerhalb der ANC-Regierung. Auch zwischen der Regierung und der Privatwirtschaft. Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wie weit die Korruption tatsächlich reicht und wie groß die Auswirkungen der Guptaleaks sind." Der entmachtete aber immer noch einflussreiche Zuma soll bereits sein Comeback planen - und die Journalisten von amaBhungane werden weiter im Mist wühlen.

Die Recherchereise nach Südafrika wurde ermöglicht von "journalists.network".

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 09.01.2019 | 23:20 Uhr