Stand: 22.01.2020 17:26 Uhr

"Megxit": Und schuld ist die Frau

von Gudrun Kirfel und Martin Motzkau
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Für den Boulevard ist klar, wer die böse Frau im Königshause ist und den "Brexit Royale" verursacht hat: Meghan.

Er begleitet das britische Königshaus in diesen Tag medial wie ein treuer Corgi: der #Megxit. Wer durch die Boulevardmedien blättert, kommt am "Brexit Royal" kaum vorbei, der Rückzug von Harry und Meghan aus dem britischen Königshaus ist überall präsent. Das Haus Windsor ist das Zentrum eines gewaltigen medialen Sturms. Der "Focus" zitiert in seiner jüngsten Ausgabe die Agentur "Critical Mention", die ausgerechnet hat, dass der royale Rückzug von Harry und Meghan in den vergangenen 60 Tagen weltweit mehr als 300 Milliarden Klicks generiert haben soll.

Der Boulevard und das Narrativ der bösen Frau

ZAPP -

Harry und Meghan steigen bei den Royals aus, der "Brexit Royal" schockt England - und freut die Boulevardpresse, die weltweit ausführlich berichtet. Die Schuldfrage ist da geklärt.

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"Bild"-Experte: "Ich halte sie für eine gefährliche Person"

Für den "Palast-Insider" der "Bild"-Zeitung, Alexander von Schönburg, ist die Sache klar. Von Schönburg gehört selbst zum Hochadel der Schönburg-Glauchaus, seine Frau ist Prinzessin von Hessen. Sein Urteil über Meghan: "Ich halte Meghan für eine gefährliche Person." Meghan sei "egozentrisch auf ihren Star-Status" pochend. Auch für den britischen "Hof-Historiker" Hugo Vickers ist im "Focus"-Interview die Sache klar: Prinz Harry ist ein hormonverzauberter Mann, der von seiner Frau ins Unglück gezogen wird. "Wenn er neben Meghan steht, scheint er sie sehr zu bewundern", so Hugo Vickers, "er versucht dann so aufzutreten, wie sie das von ihm will. Er ist von ihr gefesselt."

El Ouassil: "Frau hat Schuld? Ein sexistisches Leitmotiv"

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Der Begriff #Megxit ist für "Übermedien"-Kolumnistin Samira El Ouassil ein Beleg für die Schuldzuweisung der Medien.

Für Samira El Ouassil, Kolumnistin bei "Übermedien", erscheint diese Form der Dramaturgie komplett abgenutzt: "Die Frau hat Schuld? Ich halte das für ein sehr sexistisches Leitmotiv", so Samira El Ouassil im Gespräch mit ZAPP. Die Boulevardpresse habe sich allein auf Meghan eingefahren als treibende Kraft, als große Manipulatorin, die die Fäden zieht hinter Prinz Harry. Kurzum: Meghan ist schuld.

"Megxit" statt Haxit oder Harrividerci

Alleine den Begriff "Megxit" sieht sie als Beleg dafür. "Hier ist automatisch die Frau die Namensgeberin für eine der größten royalen Krisen der letzten Jahre", so El Ouassil. "Sie alleine wird schon ausgemacht als die Schuldige, als die führende Kraft hinter den Ausstieg der beiden." Es sei nicht der Haxit oder Harrivederci, sondern einfach nur "Megxit".

Blatt: Berichte "weder frauenfeindlich noch sexistisch"

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Stefan Blatt von der "Bunten" verteidigt die Berichterstattung über den "Brexit Royal" - darüber müsse man objektiv schreiben dürfen.

Auch die "Bunte" macht mit den Skandalen und Liebschaften rund um den Buckingham Palace seit Jahrzehnten Auflage. Aus Sicht von Adelsexperte Stefan Blatt geht es dabei aber nicht um die Schuldfrage. "Die Schuld kann man ihr nicht zuschreiben, aber sie ist auf jeden Fall der Auslöser der ganzen Geschichte", so Blatt zu ZAPP. Meghan als eine selbstbewusste Frau, die eine Riesenkarriere hatte, sei gescheitert an einer konservativen Königsfamilie. "Hätte Harry sie nicht geheiratet, wäre das alles nicht passiert."

Vorwürfe von frauenfeindlicher und rassistischer Berichterstattung weist Blatt klar zurück. "Es ist eine Liebesgeschichte, die gerade eine Krise durchlebt - und das muss man objektiv beschreiben dürfen. Das ist weder frauenfeindlich noch sexistisch." Zwar gebe es in der Presse in der ganzen Angelegenheit "grenzwertige Berichterstattung", in Deutschland sei die Berichterstattung aber "journalistisch und nicht sehr wertend."

Team Queen versus Team Meghan

El Ouassil vermutet zudem ein ökonomisches Interesse der Boulevardmedien an der Geschichte: "Wenn man ihr alleine die Schuld geben kann und Prinz Harry zum wahllosen Opfer ihrer Manipulation macht, hat das natürlich viel mehr boulevardeskes Potential und verkauft sich mutmaßlich auch besser." Das Potential in der Geschichte gesteht auch Stefan Blatt ein. "Dieses Thema funktioniert sehr gut, weil es ein Diskussionsthema ist und weil jeder eine Meinung dazu hat." Es gäbe zwei Lager. "Die ältere Generation steht mehr zur Queen und die jüngere steht eher zu Meghan", sagt Blatt. Auch in Deutschland werde das Thema generationsübergreifend diskutiert.

Prognose: "Megxit" bleibt Dauerthema wie der Brexit

Meghan Markle auf Ego-Trip, die ihren Mann nach Kanada verschleppt - dieser Dramaturgie folgen im Moment viele Boulevardmedien auch in Deutschland. Die Story gibt einfach zu viel her, um sie liegenzulassen. Die Royals als Soap-Stars. Und das Tolle für die Medien am "Megxit" ist: Er wird uns - wie sein großer Bruder Brexit - noch lange verfolgen.

Weitere Informationen
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DGZ: Megxit - und früher war mehr Winter

In Australien brennt der Busch, über Iran wird ein Flugzeug abgeschossen - doch DIE Meldung, die alle elektrisiert: Prinz Harry und Meghan wollen raus aus dem Königshaus. Und: Schnee. Video (04:37 min)

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 22.01.2020 | 23:15 Uhr