Stand: 30.01.2019 15:08 Uhr

Klimawandel: 16-Jährige gibt der Bewegung ein Gesicht

von Sebastian Friedrich und Sabine Schaper

Eine 16-Jährige, die sich im Namen des Guten mit den Großen und Mächtigen der Welt anlegt: Die Geschichte der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg hat alles, was es für eine erfolgreiche Story braucht. Und so blickt das Mädchen mit den zwei geflochtenen Zöpfen seit Wochen ernst und streng von zahlreichen Titelblättern, weltweit zeigen Sender ihre Reden bei Konferenzen in Katowice und in Davos und berichten über die Bewegung, die Greta Thunberg bei Tausenden ihr nacheifernden Schülerinnen und Schülern angestoßen hat. 

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg © NDR

Klimawandel: 16-Jährige gibt der Bewegung ein Gesicht

ZAPP -

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist zum Gesicht des Kampfes gegen den Klimawandel geworden. Doch oft geht es mehr um sie als um das für sie so wichtige Thema.

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Keine übliche Klimaaktivistin

"Ikonen wie Greta Thunberg transportieren politische Anliegen an eine größere Öffentlichkeit und schaffen dadurch, was vorher nicht möglich war: Dass Leute sich vielleicht angezogen fühlen von diesen Anliegen, dass sie sich damit auseinandersetzen, dass sie emotional darauf reagieren", sagt der Mediensoziologe Sebastian Sevignani von der Universität Jena.

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"Ikonen wie Greta Thunberg transportieren politische Anliegen an eine größere Öffentlichkeit", meint Sebastian Sevignani, Mediensoziologe der Universität Jena.

Dass die 16-jährige Greta Thunberg so gut funktioniere, liege unter anderem daran, dass sie als Figur von dem üblichen Bild des Klimaaktivisten abweiche, so Sevignani. Außerdem habe sie durch ihr junges Alter in Klimafragen eine besondere Autorität: "Wir sehen zwar heute schon sehr eindringlich die Auswirkungen, aber das wird natürlich für die nächsten Generationen noch problematischer werden und wenn ein Kind diese Dinge so formulieren kann, hat es eine besondere Bedeutung."

Häme und Beleidigungen

Doch diese Personalisierung eines politischen Anliegens offenbart auch Schattenseiten. So stürzen sich meist aus dem rechten Spektrum stammende Kritiker zu großen Teilen auf die Person Greta Thunberg und weniger auf ihre Positionen und Inhalte. Der Medienanwalt und Publizist Joachim Steinhöfel beispielsweise bezeichnet sie als altklug und verhaltensgestört, besessen von der Idee, die Welt retten zu müssen. Hämisch wird sie als "Baby-Jeanne-D’Arc"bezeichnet, auch das Wort vom "Kindesmissbrauch" macht die Runde, da man, so ein Blogger, das "offenbar psychisch kranke Kind" nicht ausreichend vor sich selbst schütze.

Überbringer der schlechten Nachricht

Greta Thunberg hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Menschen mit Asperger haben oft Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation, andererseits bilden sie oft spezielle Begabungen und Interessen aus, in denen sie sich sehr gut auskennen. Greta Thunberg selbst geht sehr offen damit um, spricht  unter anderem in der norwegisch-schwedischen Talkshow "Skavlan" über das Asperger-Syndrom. Sie wirkt auch hier - ebenso, wie beim Gespräch über die Bedrohungen durch den Klimawandel  - reifer und reflektierter als manch Volljähriger.

"Wenn ein Anliegen stark mit einer Person, einer Geschichte verknüpft wird, kann man, wenn man diesem Anliegen nicht wohlgesonnen ist, diesem Anliegen schaden, indem man die Person delegitimiert oder durch den Kakao zieht", sagt Sevignani. Selbiges ist in den vergangenen Wochen beim Umgang mit Greta Thunberg zu beobachten. Der Klimawandel und seine Folgen ist als Thema aus den Medien bereits wieder weitgehend verdrängt.

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ZAPP | 30.01.2019 | 23:20 Uhr