Stand: 12.08.2020 14:00 Uhr

Jonathan Galindo Challenge: Gefahr oder Hoax?

von Lisa Eißfeldt, Gudrun Kirfel, Marvin Milatz
Screenshot eines Profils, das den Namen Jonathan Galindo verwendet. © Screenshot Instagram
Soll Angst machen: Screenshot eines Profils, das den Namen Jonathan Galindo verwendet.

Seit Anfang Juli häufen sich in sozialen Netzwerken und in Medien Meldungen über eine neue Grusel-Challenge ("Herausforderung") mit dem Namen "Jonathan Galindo". Profile mit diesem Namen sind zu Tausenden bei Facebook, Instagram und TikTok aufgetaucht.

Das Profilbild zeigt eine grinsende Fratze, die entfernt an die Disney-Figur Goofy erinnert, daher auch der Name "Grusel-Goofy". Zahlreiche Medien, darunter "stern.de", "Focus online" und auch der NDR, haben in den vergangenen Wochen darüber berichtet und gewarnt, Kinder und Jugendliche würden über diese Profile angesprochen und unter Druck gesetzt, eine Reihe von Aufgaben zu absolvieren. Die Aufgaben könnten "im schlimmsten Fall mit dem Tod der Kinder enden", so zitiert stern.de den bekannten "Cyberkriminologen" Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger.

Doch Recherchen von ZAPP zeigen, dass es keinen Anlass für diese furchterregenden Warnungen gibt: Bislang fehlen Erkenntnisse darüber, ob tatsächlich Listen mit Aufgaben verschickt wurden und Kinder diese auch absolvierten. Bundesweit sind keine bestätigten Fälle von Verletzungen oder Unfällen aufgrund einer solchen Challenge bekannt. Meldungen über Selbstmorde bezeichnet Enrico Ball von der Polizei Unterfranken als "Hoax", also Falschmeldungen.

VIDEO: Jonathan Galindo Challenge: Gefahr oder Hoax? (10 Min)

Panikmache ist kontraproduktiv

Auch Martin Bregenzer von der EU Medienkompetenz-Initiative "klicksafe" hält die Warnungen für "überzogen": "Bislang haben weder wir noch die anderen Netzberatungsstellen auch nur einen einzigen Anruf von Kindern oder Jugendlichen erhalten, die sich wegen einer Challenge gemeldet hätten." Solche Challenges würden in den Medien immer wieder auftauchen - bevorzugt im Sommerloch. Die Welle der Berichterstattung löse bei Kindern jedoch sehr reale Ängste aus, so Bregenzers Einschätzung. Echte Aufklärung sei wichtiger als Panikmache.

Nach Recherchen von NDR Data kursieren Fotos und Videos des "Grusel-Goofys", die die Grundlage der Jonathan Galindo Challenge bilden, schon seit 2012 im Internet. Sie stammen von einem US-amerikanischen Maskenbildner, der die Bilder auf der Porno-Plattform xtube veröffentlicht hatte. Erst Ende Mai 2020 wurden die Bilder von Usern auf TikTok geteilt, seitdem geht das Thema weltweit viral. Auf YouTube erzielen Videos zu "Jonathan Galindo" teils mehrere Millionen Aufrufe in nur wenigen Tagen.

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Warnungen ungeprüft übernommen

Dass viele Medien hierzulande die Geschichte aufgriffen, geht auf den "Cyberkriminologen" Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger zurück, der an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg lehrt. Er hatte über seine Social-Media-Kanäle vor der Grusel-Challenge gewarnt, wurde daraufhin in zahlreichen Presseberichten zitiert.

Im Interview mit ZAPP räumt er jedoch ein, er habe keine eigenen Recherchen zur "Jonathan Galindo Challenge" angestellt, sondern "im privaten Gespräch mit einem Kollegen" davon erfahren. Er habe daraufhin lediglich "ein schnelles Posting" für seine Follower abgesetzt. Viele Medien hätten das dann offenbar ohne weitere Prüfung übernommen. Sie haben damit gewissermaßen die Panik erst erzeugt, vor der sie warnen.

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ZAPP | 12.08.2020 | 23:20 Uhr

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