Stand: 05.09.2018 22:08 Uhr

Im Visier: Journalisten in Chemnitz

von André Kroll

Seit dem gewaltsamen Tod eines Deutschen durch Asylbewerber und den darauf folgenden Ausschreitungen ist Chemnitz in den Fokus der medialen Berichterstattung gerückt. Auf die Demonstrationen rechter Gruppierungen und besorgter Bürger folgten Gegendemos der Zivilgesellschaft für ein friedliches Zusammenleben, die im Konzert #wirsindmehr mit 65.000 Menschen ihren Höhepunkt fand. Mittendrin: Journalisten, die berichten wollen. Doch die sind inzwischen bei Demos oft selbst zur Zielscheibe geworden, die Berichterstattung wird von Teilen der Bevölkerung angezweifelt.

Henrik Merker

Im Visier: Journalisten in Chemnitz

ZAPP -

Demo-Reporter haben keinen leichten Job: Sie müssen inzwischen damit rechnen, bepöbelt und angegriffen zu werden. Rund um die Chemnitz-Berichterstattung ist zudem eine Debatte entbrannt.

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Kampf um die Deutungshoheit

Über die Deutungshoheit der Ereignisse wird gekämpft, mit Fakten und Fakes. Gab es "Hetzjagden"? Die Debatte wird inzwischen sogar auf Regierungsebene ausgetragen und ist Wasser auf die Mühlen der "Lügenpresse"-Rufer:

Viele Chemnitzer und Sachsen sehen sich durch die Berichterstattung falsch dargestellt, es würden nur die Rechtsradikalen gezeigt. Besorgte Bürger sehen sich beim Ausdruck ihrer Sorgen gleich in die rechte Ecke gestellt. Liberale, weltoffene Bürger sehen sich ebenfalls nicht repräsentiert. Rola Saleh, Sozialarbeiterin Chemnitz, stimmt dem zu: "Chemnitz ist nicht so wie in den Medien dargestellt." Doch wie ist Chemnitz, wie Sachsen? Fakt ist: Es gibt in Sachsen ein größeres Problem mit fremdenfeindlichen Gedankengut. Und auch die Ausschreitungen bei den Demos sind belegt - auch gegen Journalisten.

Reporter bei Demos inzwischen oft ein Feindbild

Die Demo-Reporter haben keine leichte Aufgabe, müssen mit Beleidigungen, Häme und auch Angriffen rechnen. "Wir denken drüber nach, unsere erkennbaren Symbole wegzumachen, unseren 'Spiegel Online'-Puschel abzumachen. Weil wir sonst eben die Zielscheibe sind", so Erik Häußler. Lokale Medien haben es da ein bisschen leichter: "Wir als regionale Tageszeitung haben hier schon noch die Akzeptanz. Wenn man kurz einfliegt, bekommt man nicht die Empathie für eine Region - die haben wir, das ist unser Heimvorteil. Und mit dem gelingt es uns schon etwas besser, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Es gibt aber immer eine Gruppe, mit der uns das nicht gelingt. Da kannst du machen was du willst", so der Chefredkateur der "Freien Presse", Torsten Kleditzsch.

Demonstrationen sind eine Herausforderung für Journalisten, gerade in der heutigen Zeit. Wichtig ist, objektiv zu berichten, aber trotzdem Haltung zu zeigen. Sagen, was ist, ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Keine leichte Aufgabe, wie die Debatte rund um Chemnitz zeigt.

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ZAPP | 05.09.2018 | 23:20 Uhr