Stand: 26.10.2018 16:29 Uhr

Podiumsdiskussion mit der AfD: Im Schafskostüm

von Caroline Schmidt

Die AfD Dresden hat die Chefredakteure von ARD-aktuell und ZDF zur Podiumsdiskussion eingeladen. Und man merkt schon in der Eingangshalle: Es ist für diese Partei ein großer Abend, dessen Wirkung genau geplant wurde - oder wie Joachim Keiler, der Pressesprecher, uns vor Beginn der Veranstaltung verrät: An diesem Abend solle den Öffentlich-Rechtlichen klar werden, dass die AfD "eine bürgerliche Partei" sei, mit der sie genauso umgehen müssten wie mit allen anderen Parteien.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey (li.) und Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell bei einer AfD-Veranstaltung in Dresden. © NDR

ARD und ZDF zu Gast bei der AfD

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Kai Gniffke und Peter Frey, die Chefredakteure von ARD-aktuell und ZDF, waren in Dresden zur Podiumsdiskussion mit der AfD. Wie lief der Tag aus Sicht der AfD?

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Keinen Riss in der bürgerlichen Fassade aufkommen lassen

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Die AfD Dresden hat zur Podiumsdiskussion mit ARD und ZDF geladen. Am Ende versicherten sich alle Diskutanten gegenseitig, wie bereichernd der Abend war.

Damit es zu keinem Riss in der bürgerlichen Fassade kommt, wurde sparsam eingeladen und sorgfältig akkreditiert - 300 Leute sind gekommen. Die gesamte Situation ist so höflich und offiziell, dass Momente irritieren wie der, als ein Ordner Zuschauer mit Getränken in der Hand auffordert, die Flaschen bitte sofort wieder aus dem Saal hinaus zu tragen, denn das sei "gegen die Sicherheitsbestimmungen"; draußen gebe es extra Pappbecher. Auch die eigentliche Diskussion beginnt mit einer strengen Ermahnung des Dresdner AfD-Chefs Reinhard Günzel: Bitte Argumente rational vortragen, "keine emotionalen Statements". Man wolle einen friedlichen Abend.

Nicolaus Fest, Sprecher AfD © NDR

Fest: "AfD immer noch der Meinung, dass Öffentlich-Rechtliche voreingenommen sind"

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Die Positionen seien an diesem Abend klar geworden, so Nicolaus Fest, AfD-Sprecher und ehem. stellvertretenden Chefredakteur der "Bild am Sonntag". Der Eindruck des Framings durch die ÖR bliebe.

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Links auf dem Podium sitzen die Chefredakteure von ARD-aktuell und ZDF, Kai Gniffke und Peter Frey. In der Mitte die Moderatoren Andreas Lombard, Chefredakteur des rechten Monatsmagazins "Cato", und der rechtskonservative Blogger Klaus Kelle. Rechts die Diskutanten der AfD: der frühere "Focus"-Redakteur Michael Klonovksy, der heute persönlicher Referent des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland ist, und der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der "Bild am Sonntag", Nicolaus Fest.

Mit Vorwürfen eröffnet

Klonovsky und Fest eröffnen die Debatte mit Vorwürfen, höflich im Ton aber klar in der Sache: Wo seien die Filme über die Toten von Chemnitz gewesen? Wieso immer nur diese Berichte über Hetzjagden, die es laut Verfassungsschutzpräsident doch gar nicht gegeben habe? Weshalb habe es während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes nur so wenige positive Berichte über Trump gegeben? Warum wurde erst so spät über die Ausschreitungen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015 berichtet? So geht es gefühlte fünf Minuten. Das Publikum klatscht in den Kunstpausen immer wieder laut, um den Argumenten zusätzlich Gewicht zu verleihen. Dann schweigen alle. Die Gegenseite ist am Zug.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey reagiert mit einem Gegenangriff. In Zeiten, in denen man lesen müsse, dass sich AfD-Mitglieder wünschten, "nach der Revolution" die Journalisten "aus den Redaktionsstuben" zu zerren, wolle er anfangs einmal ganz klar sagen, dass "in einem freien Land eine freie Presse notwendig ist - wenn wir uns darauf verständigen können, können wir gerne weiter reden". Nur wenige klatschen in diesem Moment. ARD-aktuell Chefredakteur Gniffke übernimmt die Verteidigung. Natürlich müsse die Berichterstattung immer ausgewogen sein, deshalb habe es keine rein positiven Berichte über Trump gegeben, natürlich dürften in Nachrichtenberichten nur Fakten präsentiert werden, dürfe nie Meinung vorkommen  - "die Meinung, die sollen Sie sich ja selbst bilden".

Peter Frey, Chefredakteur ZDF © NDR

Frey: "Vor allem ein Gefühl gespürt"

ZAPP -

"Ich habe versucht, dagegen zu setzten, wie wir Journalismus verstehen": Was Peter Frey, Chefredakteur des ZDF zur Podiumsdiskussion, zu der die AfD Dresden geladen hatte, sagt.

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"Wahnsinn, in was für einer Blase die leben"

Es ist unklar, ob die Chefredakteure die Zuhörer mit solchen Zusicherungen erreichen. Die meisten Sätze werden mit ungläubigem Murmeln und verhaltenen Buh-Rufen quittiert. "Wahnsinn, in was für einer Blase die leben", sagt ein AfD-Mitglied nach der Veranstaltung. Und ein anderer schimpft im Aufstehen, der Abend habe doch "null gebracht". Eines jedenfalls wurde durch die Debatte klar: Welche gegensätzlichen Welten hier aufeinander prallen.

"Cato"-Chefredakteur Lombard etwa fragt, warum es in ARD-Redaktionen Mitarbeiter gebe, die aus seiner Sicht ganz klar "Antifa-nah" seien. Wenn die ARD ausgewogen berichten wolle, bräuchte sie doch im Gegenzug auch Mitarbeiter, die konservativ dächten. Gniffke und Frey versuchen zu erklären, dass politische Orientierungen in ihrer Redaktion keine Rolle spielten, man arbeite nach strengen journalistischen Kriterien und sei überdies gegen "Gesinnungsschnüffelei". Reaktion im Publikum: Kopfschütteln. Als dann Gniffke kurz später in einem anderen Zusammenhang halb im Scherz sagt, in seiner Social Media Redaktion arbeiteten viele Feministinnen, klappen älteren AfD-Mitgliedern in der letzten Reihe die Kinnladen herunter. Dann nicken sie, als wollten sie sagen: Sehen Sie, Sie achten ja doch auf die richtige politische Orientierung.

Reinhard Günzel von der AfD Dresden © NDR

Günzel: "Verhältnis zwischen Öffentlich-Rechtlichen und AfD nach wie vor Thema"

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Reinhard Günzel von der AfD Dresden hatte ARD und ZDF zur Podiumsdiskussion nach Dresden geladen. Es seien zwar viele Fragen offen geblieben, aber insgesamt sehe er es positiv.

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"Tonnen Kreide gefressen"

Aber man wollte einen friedlichen Abend verbringen. Man wollte höflich sein. Wenn das Publikum zu laut wurde, riefen die Moderatoren sofort zur Mäßigung auf. Am Ende versicherten sich alle Diskutanten gegenseitig, wie bereichernd der Abend war. Nur Klonovsky, Gaulands Referent, schickte seiner Dankesrede einen Satz voraus, der einen Blick hinter die Fassade ermöglichte: Er habe heute früh "Tonnen Kreide gefressen". Selten hat jemand so deutlich gesagt: Falls ihr es bislang noch nicht gemerkt habt - ich trage heute Abend übrigens ein Schafskostüm.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 17.10.2018 | 23:20 Uhr

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