Stand: 14.08.2019 15:11 Uhr

Im Fadenkreuz: Morddrohungen gegen Journalisten

von Timo Robben

Berichten über die rechte Szene - in Deutschland wird das immer gefährlicher. Für viele Journalisten, die über Rechtsextremisten informieren, sind Drohungen inzwischen an der Tagesordnung. Jüngstes Beispiel ist Georg Restle, Leiter des Politikmagazins "Monitor": Nach seinem Tagesthemen-Kommentar zur Identitären Bewegung erhielt er Morddrohungen, der WDR stellte Strafanzeige.

Tweet, der Journalisten bedroht © NDR Foto: Screenshot

Im Fadenkreuz: Morddrohungen gegen Journalisten

ZAPP -

Morddrohungen gegen Journalisten sind schon lange kein Einzelfall mehr. Besonders diejenigen, die über die rechte Szene berichten, sind immer wieder Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt.

4,68 bei 19 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Offener bedroht

Auch Arndt Ginzel wird bedroht. Der Journalist arbeitet in Leipzig und berichtet seit Jahren bundesweit über die rechte Szene. Das Gewaltpotenzial der Demonstrierenden sei gestiegen, so Ginzel, und die Journalisten seien immer wieder Zielscheibe der Aggression. "Es ist aus meiner Sicht in den letzten Jahren enthemmter geworden, oftmals auch aus Ermangelung anderer Gegner, greifen sich jetzt Rechte häufiger Journalisten raus. Wir werden offener bedroht, teilweise mit Namen angesprochen."

Bild vergrößern
Journalisten, die wie Arndt Ginzel über die rechte Szene berichten, werden immer wieder zur Zielscheibe.

Doch nicht nur auf Demonstrationen erlebt Ginzel Gewalt. Im letzten Jahr wurde sogar seine Familie bedroht, über soziale Netzwerke. Zwar hätten die Drohungen keinen Einfluss auf seine Arbeit. Spurlos gingen sie aber nicht an ihm vorbei. "Es ist natürlich so, dass man sich oftmals sorgt und sich fragt, wird das auch mal Konsequenzen haben? Aber man verdrängt den Gedanken", so Ginzel.

Journalisten als Feindbild

Bild vergrößern
Erhält Morddrohungen: "Zeit"-Autor Christian Fuchs.

Längst geht der Hass nicht mehr nur vom harten Kern der Rechtsextremisten aus - Journalisten scheinen vielen Menschen inzwischen ein geeignetes Feindbild zu sein. Auch der Journalist Christian Fuchs wird von Rechts bedroht. Der "Zeit"-Autor hat gerade ein Buch über rechte Strukturen veröffentlicht. "Es gab 2017 mehrere Vorfälle, die gegen mich gerichtet waren, Angriffe auch gegen meine Familie. Daraufhin hat sich die Polizei auch von sich aus bei mir gemeldet, der Staatsschutz hat mich zu einem Gespräch gebeten, dann wurden die Dinge aufgenommen und ermittelt, ich habe keine Information, wie es weitergegangen ist, aber aus Sicht der Sicherheitsbehörden war die Bedrohung wohl so massiv, dass die das Gefühl hatten, mich schützen zu müssen."

Auch jetzt, nach Veröffentlichung seines Buches "Das Netzwerk der Neuen Rechten", bekommt der Journalist wieder Morddrohungen. Er versucht, das nicht zu nah an sich ran zu lassen. "Weil ich ja auch weiß, das geht gar nicht an mich als Privatperson, sondern das geht an mich als Rolle. Als Projektion: Der böse, böse Journalist. Der hier von der Systempresse kommt, von der Lügenpresse. Wir werden nur noch als Teil eines Systems gesehen und gar nicht mehr als Individuum, als Menschen, für die auch keine Rechte mehr gelten - wir sind unwürdig in deren Augen und deswegen können wir auch tot sein."

Kritische Berichterstattung mundtot machen

Bild vergrößern
Fordert mehr Rückendeckung für Journalisten: Cornelia Berger von der "Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union".

Cornelia Berger von der "Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union" (DJU) sieht dahinter eine Strategie. Es sei kein Zufall, dass sich die Rechten den Journalismus als Feindbild auserkoren hätten. "Journalismus ist ganz wesentlich für eine demokratische und aufgeklärte Gesellschaft und es ist erklärtes strategisches Ziel der Rechten, kritische Berichterstattung mundtot zu machen und auszuschalten", so Berger.

Doch noch gibt es Journalisten, die über Rechts berichten. Trotz der massiven Einschüchterungsversuche. Trotzdem ist es für Berger höchste Zeit, dass Journalisten mehr Rückendeckung bekommen. "Ich glaube, es bedarf noch viel mehr Unterstützung, vor allem durch die demokratischen Kräfte in diesem Land, durch die Leserinnen und Leser, durch das Publikum, die klar sagen: Wir brauchen diesen Journalismus für die Demokratie und wir kämpfen dafür, dass die Journalisten und Journalistinnen ihrer Aufgabe im Sinne der Öffentlichkeit weiter nachgehen. Es darf nichts mit dem Journalismus geschehen, weil die Demokratie davon ganz wesentlich abhängig ist."

Weitere Informationen

Neonazi-Treffen: Ministerium rechtfertigt Vorgehen gegen Journalisten

Das Thüringer Innenministerium rechtfertigt das Verhalten der Polizei gegenüber Journalisten in Fretterode. Diese hatte angedroht, deren Privatadressen an gewaltbereite Neonazis auszuhändigen. mehr

Wenn Medien Hass in Kommentarspalten wüten lassen

Von Beleidigungen bis Volksverhetzung reicht der Ton in den Kommentarspalten deutscher Medien auf Facebook. Forderungen, aktiv dagegen vorzugehen, werden lauter. Werden sie umgesetzt? mehr

"Braune RAF": Wie berichten über rechten Terror?

Die Berichterstattung über den Mord an den Politiker Walter Lübcke ist ein journalistischer Drahtseilakt. Wo hört nüchterne Analyse auf, wo fängt Panikmache an? mehr

Slowakei: Investigativer Journalist ermordet

Der slowakische Journalist Jan Kuciak wurde letzte Woche gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin ermordet. Seine letzten Recherchen hatten offenbar mit der Mafia zu tun. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 14.08.2019 | 23:20 Uhr