Stand: 27.11.2019 14:00 Uhr

Goldene Mistkarre: Protest gegen "Mist" in den Medien

von Nicola von Hollander
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"Wir bitten zu Tisch" - Bauern fordern mehr politisches und gesellschaftliches Gehör, machen dafür mit vielen Protestaktionen derzeit auf sich aufmerksam.

Die Bauern fühlen sich politisch ungehört und medial falsch dargestellt. Dagegen protestieren sie - mit Treckern und Protestveranstaltungen in Berlin. Und vor Redaktionsgebäuden und sogar dem Privathaus eines Journalisten mit Mistkarren. Da vieles Mist sei in der Berichterstattung, so die Aussage der Bauern im Braunschweiger Land, gibt's "goldene Mistkarren" für ausgesuchte Medien.

 

Eine mit goldener Farbe angesprühte Schubkarre wird mit Mist befüllt - und einem Journalisten der "Braunschweiger Zeitung" aus Protest gegen die Berichterstattung vors Haus gestellt. © NDR

Protest: Karre voller Mist für Journalisten

ZAPP -

Die Bauern fühlen sich politisch ungehört und medial falsch dargestellt. Mit Treckern protestieren sie in Berlin für ihr Anliegen - und mit Karren voller Mist gegen Journalisten.

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Am Dienstag wurde in Berlin eine Karre mit Pferdemist vor der Redaktionstür der "Tageszeitung" abgestellt. Am 10. November besuchten Landwirte einen Redakteur der "Braunschweiger Zeitung" vor dessen Privathaus und schoben ihm ihren Satirepreis auf den Vorplatz. Was die Bauern der Gruppe "3vor12" aufregte, war ein Kommentar des Journalisten, in dem er zwar Verständnis für die Lage der Landwirtschaft aufbrachte, aber auch schrieb: "Die Bauern sind nicht allein schuld an den Umweltmiseren, aber unbeteiligt eben auch nicht."

Bauern: Nicht über uns, sondern mit uns reden

Es gebe sehr positive Berichte über die Landwirtschaft, sagt Landwirt Andreas Niehus im Interview mit ZAPP. "Es gibt aber auch viele kritische. Da haben wir auch kein Problem mit, weil wir uns als Landwirtschaft auch selbst hinterfragen müssen. Und das tun die meisten auch - abgesehen von schwarzen Schafen, die sanktioniert werden müssen. Uns ist es wichtig, dass man nicht über uns redet, sondern mit uns redet." Im Rahmen der Aktion am Privathaus des Redakteurs der "Braunschweiger Zeitung" kam es nicht zum Gespräch. Der Redakteur musste zur Arbeit.

Zwei Tage danach veröffentlichte der Chefredakteur des Blattes, Armin Maus, einen Artikel in eigener Sache: "Wie 20 Landwirte durch Grenzverletzung ihren Kredit verspielen" Darin verurteilt er den Bauernbesuch in der Privatsphäre seines Mitarbeiters. Zu ZAPP sagt er: "Bei allem Verständnis für die Landwirte, die sicher Grund dafür haben, die sich bemerkbar machen wollen, die sicherlich einen Wunsch danach haben, gehört zu werden - und dafür steht unsere Redaktion offen. Es ist nur die Frage, muss das am Sonntagmorgen, unangemeldet vor dem Privathaus eines Kollegen sein." Eine berechtigte Frage. Am Privathaus wird die kreative Idee der Landwirte zu dem, was die Bauern damit eigentlich ausdrücken wollen: Mist.

Protest vor Privathaus sollte keine Drohkulisse aufbauen

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"Ein Aufbegehren gegenüber schlechter Recherche, gegenüber schlechter unqualifizierter journalistischer Arbeit uns gegenüber", dafür sei der Satirepreis "goldene Mistkarre" gedacht, so ein Landwirt.

Die Bauern und "Braunschweiger Zeitung" liegen seit dem im Clinch. Aber die Landwirte der Gruppe "3vor12" hoffen immer noch auf ein Gespräch. Auch, um zur Aktion "goldene Mistkarre" noch eines klarzustellen: "Von unserer Seite her sollte das auf gar keinen Fall böse oder bedrohlich wirken. Unser größtes Anliegen war diese 'goldene Mistkarre' in einem satirischen Bereich rüberzubringen. Klar, sicherlich mit ein bisschen Sarkasmus dabei und ein bisschen provozieren, aber wir wollten keine Drohkulisse." Tatsächlich macht der Journalist in einem selbst gedrehten Video der Landwirte keinen eingeschüchterten Eindruck. Zum Glück.

Absetzung einer BR-Journalistin gefordert

Die Redakteure der "taz" haben auch eine "goldene Mistkarre" bekommen - und mit den Bauern diskutiert. Ob das die Kollegen der "Lübecker Nachrichten" auch machen werden? Dort wollen die Bauern heute protestieren und mit dem Chefredakteur über die Berichterstattung sprechen. Auch beim NDR sind Landwirte vorgefahren, um ihren Unmut Luft zu machen - ZAPP hat mit ihnen gesprochen.

In Bayern geht der Protest allerdings noch einen Schritt weiter: Dort wird die Absetzung einer Journalistin des Bayerischen Rundfunks gefordert, weil die Landwirte mit der Berichterstattung nicht einverstanden sind.

 

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 27.11.2019 | 23:20 Uhr