Stand: 06.11.2019 14:00 Uhr

Gesucht: Nachwuchs für Lokalredaktionen

von Caroline Schmidt

Die Branche hat noch nicht einmal den Strukturwandel bewältigt, da taucht schon das nächste Problem auf: Der Nachwuchs bleibt weg. Die Journalistenschulen in den Großstädten bekommen nur noch halb so viele Bewerbungsmappen wie früher, und noch schlimmer soll es jenseits der Metropolen und auf dem Land sein. Wir wollten herausfinden, was das bedeutet, und haben die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven besucht.

Freischwinger-Schaukeln aus Bürostühlen in den Redaktionsräumen der Nordsee-Zeitung. © NDR

Gesucht: Nachwuchs für Lokalredaktionen

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Früher war Journalismus ein Traumberuf, doch an den Journalistenschulen sinken die Bewerberzahlen. Vor allem Lokalredaktionen leiden unter Nachwuchsmangel.

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Medienhäuser müssen um Bewerber ringen

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Die Branche redet sich systematisch schlecht, sagt Christoph Linne.

Chefredakteur Christoph Linne hat im vergangenen Oktober eine Stellenanzeige geschaltet, auf die sich zum ersten Mal in der Geschichte der Zeitung keiner beworben hat. Das habe auch ein wenig an der Anzeige gelegen, die etwas grau und triste geraten sei - aber Linne macht dahinter auch ein größeres Problem aus. "Ich glaube, dass die Branche es geschafft hat, sich systematisch schlecht zu reden", sagt er. "Die Attraktion, Journalist zu werden, ist einfach heruntergegangen."

All das Gerede von düsterer Zukunft, prekären Arbeitsbedingungen und Medienkrise hat offenbar die jungen Menschen verschreckt. Und so müssen sich Zeitungsmacher zum ersten Mal richtig um den Nachwuchs bemühen, besonders auf dem Land. Bei der Nordsee-Zeitung gibt es heute Gratiskaffee, freie Getränke, frisches Obst und einmal die Woche eine gemeinsame "Lunchtime". Für besonders Begabte bieten sie obendrein Zusatzkurse an der Hamburg Media School an.

"Dann mache ich halt was anderes"

Auch mit den Anforderungen sind sie hier heruntergegangen und stellen heute auch Quereinsteiger ein, die keine Erfahrung im Journalismus haben, wie die Volontäre Martin Rost und Luise Langen. Die beiden gehören zu den wenigen, die noch bei einer Regionalzeitung arbeiten wollen. Sie konnten sich den Arbeitgeber aussuchen - früher unvorstellbar.

Sie haben sich für die Nordsee-Zeitung entschieden, da die Ausbildung hier "crossmedial" sei. Sie wollten schließlich lernen, "was die Zukunft ist". Sowohl Langen als auch Rost rechnen damit, dass die alte Printbranche in naher Zukunft untergeht - und finden das nicht einmal schlimm: "Dann mache ich halt was anderes", sagt Rost, "die Möglichkeit gibt es ja immer."

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 06.11.2019 | 23:15 Uhr