Stand: 09.04.2019 18:00 Uhr

Fotoreportagen: Viele Fans - wenig Abnehmer

von Timo Robben

Dichter Wald, hier und da blitzt die Sonne durch. Überall steht Polizei. So sehen die Bilder von Daniel Chatard aus. Der  Fotograf war über anderthalb Jahre immer wieder im Hambacher Forst um die Reportage "Niemandsland" zu fotografieren. Zeit, die er benötigt hat, bis ganz besondere Bilder der Demonstranten entstehen konnten. Erst das Vertrauen zu dem jungen Fotografen führte dazu, dass sie sich vor seine Kamera stellten. Die Bilder aus dem Hambacher Forst brachten Chatard schließlich Fotopreise ein und das Magazin National Geographic druckte sie ab. Das war nicht von vornherein klar - denn er hat die Arbeit selbst finanziert. Noch muss Chatard, der Dokumentarfotografie in Hannover studiert, seinen Lebensunterhalt nicht mit seinen Fotos bestreiten.

Der Fotojournalist Daniel Chatard steht neben einer Kamera. © NDR

Fotoreportagen: Viele Fans - wenig Abnehmer

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Immer weniger Magazine können es sich leisten, große Fotoreportagen zu drucken und sie dazu noch fair bezahlen. Fotojournalisten müssen neue Wege zur Finanzierung finden.

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Vier Wochen bezahlte Arbeit

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Fürher waren die Arbeitsbedingungen besser, weiß Lutz Fischmann von "Freelens e.V."

Lutz Fischmann vom Interessenverband "Freelens e.V." kennt das noch ganz anders: "Früher war es so, man ging mit einer Idee zu einem Magazin, man hat ein Expose geschrieben oder schon mal was anfotografiert. Und dann sagte der zuständige Bildredakteur: "Toll, finde ich gut. Mach mal!" Und dann sagte man: "Ja, was zahlst du mir denn?", dann sagte der: "Vier Wochen." "Und dann ist man halt losgefahren und hat die Geschichte gemacht. Bestenfalls mit einem Schreiber." Der Stern, National Geographic, Geo, Tempo, Quick - alle druckten aufwendige Fotoreportagen, hatten sogar extra fest angestellte Fotografen, die sie losschickten. Und die mit Fotos wiederkamen, die im Kopf bleiben ...

Das Interesse ist ungebrochen

Inzwischen kämpft die Branche mit dem allgemeinen Auflagenschwund. Im Vergleich zu damals gibt es heute weniger Magazine, die große Fotoreportagen drucken und sie dazu noch fair bezahlen. Dabei, so Lutz Fischmann, treffen gute Fotos und Geschichten immer noch auf ein großes Interesse. "Die Nachfrage ist zweifelsohne da. Wir bemerken das an Festivals an Ausstellungen, an Büchern. Die Leute wollen diese Geschichten sehen. Sie kriegen sie nur leider nicht gezeigt. Ich glaube schon, dass es mittelfristig Luxuszeitschriften geben wird, Luxus bedeutet dass die dann zehn Euro kosten, anstatt 3,70 Euro, die nicht mehr so werbeabhängig sind. Das ist ja auch ein Problem der Verlage."

Ausstellungen statt Magazine

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Einfühlsame Bilder aus dem Hambacher Forst, für die es Zeit braucht.

Auch Frank Schinski zeigt seine Bilder fast nur noch in Ausstellungen. Für seine aktuelle Arbeit, eine Fotoreportage über Bewerbungsgespräche überall in Europa, hat er mit Magazinen verhandelt, die dann jedoch abgelehnt haben. Jetzt finanziert er das Projekt über eine Kulturstiftung. Er ermutigt auch junge Fotografen ihren Weg zu gehen. "Macht 'ne gute Fotoarbeit und die findet ihren Weg. Und ich weiß gar nicht, ob das jetzt die zwei Seiten, fünf Seiten Dokumentation in irgendeinem Magazin ist, die einen jetzt noch puscht. Ich glaube, eine gute Arbeit die wird sichtbar werden. Und daran glaube ich einfach."

Zwar ist der schwierige Markt auch unter den Studierenden immer wieder Thema. Aber auch Daniel Chatard lässt sich davon nicht beeindrucken. "Dann muss man sich natürlich gute Konzepte überlegen, wie man Leute, die vielleicht gar nicht so sehr an Fotografie so ein tieferes Interesse haben, sich dann vielleicht doch sowas anschauen und sich dann vielleicht darüber Gedanken machen."

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ZAPP | 10.04.2019 | 23:20 Uhr