Stand: 28.03.2018 12:45 Uhr

Facebook: Warum machen die Medien mit?

von Sabine Schaper und Katharina Schiele

Diskussionen auf der Facebook-Seite, Verbreitung von Artikel-Links bei Twitter oder von audiovisuellen Inhalten bei Youtube, Instagram und Snapchat: Quasi alle deutschen Medien nutzen soziale Medien für ihre Zwecke. Seien es die enormen Reichweiten, die Kommunikationsstrukturen oder die speziellen Zielgruppen, die sich dort jeweils adressieren lassen - kaum eine Redaktion will darauf verzichten, die Vorteile der jeweiligen Plattformen für sich auszureizen.

Schatten von zwei Personen vor Facebook-Logo © dpa

Facebook: Warum machen die Medien mit?

ZAPP -

Seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica löschen viele ihren Facebook-Account. Wie halten es die deutschen Medien mit ihrer Präsenz? Denn fast alle nutzen soziale Medien.

4,6 bei 10 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Gleichzeitig ist in denselben Medien kritische Berichterstattung über Facebook zu finden, derzeit anlässlich des aktuellen Datenskandals. Auch diese wird über Facebook geteilt und soll Likes und Shares einbringen. Ein Widerspruch? Immerhin tragen die Redaktionen so zu Facebooks Relevanz bei, indem sie ihre Inhalte dort zur Verfügung stellen, teilweise sogar extra für die Plattform produzieren.

"Ein Stück weit sind alle abhängig von Facebook"

Bild vergrößern
Dass namhafte, große Medien mal versuchen würden, auf Facebook zu verzichten, fände Medienforscher Sascha Hölig konsequent.

Dr. Sascha Hölig, Medienforscher am Hamburger Hans-Bredow-Institut, hält das für widersprüchlich: "Das ist insoweit widersprüchlich, weil niemand von den Nachrichtenmedien Facebook richtig mag. Aber alle sind ein Stück weit abhängig von dieser Plattform, weil es natürlich enorm viel Traffic auf die Seiten der Anbieter bringt."

Kein Widerspruch zu Neutralität und Objektivität

Die Gefahr der Abhängigkeit von Facebook sieht Patrick Weinhold nicht. Er leitet das Social-Media-Team von Tagesschau. Zehn Redakteure, Grafiker und Cutter kümmern sich hier pro Tag um die Präsenz der Tagesschau in den sozialen Netzwerken. "Ich glaube man kann sehr wohl eine Technologie, eine Form, wie sich Menschen informieren und wo sie unterwegs sind in ihrer Privatsphäre, nutzen, um Inhalte dort anzubieten. Wenn wir unsere Berichterstattungspflicht und Neutralität und Objektivität als Grundlage unserer Berichte nehmen, sehe ich da keinen Widerspruch."

Das Thema ist heiß diskutiert. Nicht nur Weinhold muss derzeit oft beantworten, warum die Tagesschau Facebook noch nutzt. Auch ZAPP-Zuschauer stellen diese Fragen.

Account löschen?

Bild vergrößern
Should I stay or should I go - nach dem Datenskandal löschen viele Nutzer ihren Facebook-Account.

Den eigenen Account zu löschen ist derzeit ein Statement, für viele Firmen sogar ein werbewirksames Symbol. Wer jetzt sein Image pflegen und polieren will, geht. Und die anderen, beispielsweise Medienhäuser? Dass namhafte, große Medien mal versuchen würden, auf diesen Kanal zu verzichten, fände Hölig konsequent.

Bisher hat lediglich die kleine Medienseite "Altpapier" lautstartk angekündigt, Facebook zu verlassen. Allerdings hat "Altpapier" auch nur verschwindend wenige Follower - und die Redaktion von 360G, zu der das MDR-Angebot gehört, betreibt weiterhin eine Facebook-Seite.

Tagesschau bleibt

Tagesschau wird bleiben. "Wir müssen uns der Lebenswirklichkeit, der Realität von Menschen stellen", sagt Weinhold. Und wenn dies eine bestimmte Kommunikationsstruktur sei, sollte man sich es sich als Medium leisten, dort präsent zu sein.

Beendet ist die Debatte um die Abhängigkeit der Medien von Facebook damit aber noch lange nicht. Viele leiden jetzt etwa schon unter einer Umstellung des Algorithmus - ihre Reichweite sinkt dramatisch. Und spätestens, wenn Plattformen kostenpflichtig würden, müssten sich Medien gut überlegen, was ihnen der Pakt mit den Netzwerken wirklich wert ist.

Weitere Informationen

Alltag: Dritte kommen an Facebooks Daten

21.03.2018 23:20 Uhr

Facebook in Bedrängnis: Laut Recherchen von "New York Times" und "Guardian" erwarb und speicherte die Politikberatung Cambridge Analytica rund 50 Millionen Nutzerprofile - illegal. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 28.03.2018 | 23:20 Uhr