Stand: 14.06.2018 18:02 Uhr

"Es ist nicht das Ende von Text im Netz"

von Daniel Bouhs
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Ulrich Wilhelm (56, Intendant des BR und ARD Vositzender) freut sich über den Kompromiss mit den Verlegern. Auch Texte sind weiterhin möglich.

Das ist eine bislang einmalige Form der Medienpolitik: Erst setzen sich die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender mit Vertretern der Verlage zusammen und dann nickt die Politik im Wesentlichen ab, welche Spielregeln die Medienmacher zuvor untereinander ausverhandelt haben. "Am Ende ist es so, dass diejenigen, die für die unterschiedlichen Medien verantwortlich sind, zueinander finden müssen", sagt die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), im Interview mit ZAPP zu diesem besonderen Vorgang. Von einem Klüngel möchte sie dabei aber nicht sprechen: "Der Prozess war ja durchaus transparent - auch wenn es sehr viele informelle Gespräche dazu gegeben hat."

 

Ulrich Wilhelm (Intendant des BR und ARD Vorsitzender) freut sich über die Einigung mit den Verlegern. © NDR Fotograf: Screenshot

"Es ist nicht das Ende von Text im Netz"

ZAPP -

Zwar sollen die öffentlich-rechtlichen Sender sich auf Videos und Audios konzentrieren, Texte sind aber nicht verboten, so der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm über die neuen Netzvorgaben.

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Was bedeutet der Telemedienauftrag für die Tagesschau?

Der neue Telemedienauftrag für die öffentlich-rechtlichen Sender, dem noch die Landtage zustimmen müssen, sieht bei Texten eine spürbare Zurückhaltung für ARD, ZDF und Deutschlandradio vor. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollen ihre Portale und Apps "im Schwerpunkt mittels Bewegtbild oder Ton" gestalten. Texte sollen "nicht im Vordergrund stehen". Die große Frage ist nun, wie die ARD ihre Angebote verändern muss. Doch so richtig wissen das offensichtlich auch die Beteiligten nicht, jedenfalls machen sie von ZAPP gefragt etwa konkret nach dem Angebot der "Tagesschau" keine eindeutigen Aussagen.

Döpfner: Auch andere ARD-Angebote werden sich "verändern müssen"

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Mathias Döpfner (BDZV-Päsident) begrüßt den neuen Telemedienauftrag, der die Netzaktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet regelt.

"Es geht nicht darum, Zeilen zu zählen, sondern es geht darum, dass es sich auf den ersten Blick um unterscheidbare Angebote [zu denen der Verlage, Anm. ZAPP] handelt", sagt der Präsident des Zeitungsverlegerverbandes BDZV, Mathias Döpfner. Jeder solle "mit seinem eigentlichen Pfund wuchern" - Fernsehsender also mit dem bewegten Bild. Nach dem ZDF habe dies der WDR bereits umgesetzt. "Und natürlich werden sich auch andere Angebote in der ARD verändern müssen", mahnt Döpfner. Er wolle aber keine "Bürokraten-Regelung", sondern dass sich die Menschen "optimal" informieren könnten. "Und natürlich spielt da geschriebenes Wort auch für Fernsehsender online eine Rolle - aber eben nicht dominant."

Texte auch weiterhin möglich, Schiedsstelle soll bei Streit schlichten

Auch der Vorsitzende der ARD, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, will zunächst keine konkreten Veränderungen ankündigen. "Es bleibt uns nichts anderes übrig als dass jeder Intendant mit seinen Redaktionen dieses Thema noch mal genauer betrachtet", sagt Wilhelm. Die geplanten neuen Regeln machten den Sendern zwar viele Vorgaben, sie erhielten aber auch viele Möglichkeiten: "Es ist nicht das Ende von Text im Netz." Sollten Verlage am Ende doch noch Probleme mit Texten der öffentlich-rechtlichen Sender haben, dann könnten sie das künftig in einer neuen Schlichtungsstelle vortragen. Diese Schlichtungsstelle habe aber auch nur "empfehlenden Charakter", erklärt der ARD-Vorsitzende. "Sie kann nicht in den Gang der Dinge in den Anstalten eingreifen. Aber es ist einmal mehr die Möglichkeit, einen gerichtlichen Streit abzuwenden."

Dreyer rechnet mit Streitfällen, die geklärt werden müssen

Die Vorsitzende der Rundfunkkommission, Dreyer, geht davon aus, dass die geplante Schlichtungsstelle "sicher den einen oder andere Fall" auf den Tisch bekommen wird. "Dafür ist sie aber auch da", sagt sie. In der Schlichtung werde man "ein Gefühl dafür bekommen, wo es noch hakt und was man tun muss, um das neue Bewusstsein auch an jeder Stelle umzusetzen." Die Medienpolitikerin hofft, dass es "dann auch eine Routine gibt, wo jeder weiß, das ist das Maß der Dinge und dort sind eben auch die Grenzen".

Schlichtungsstelle soll die Umsetzung der Vereinbarung garantieren

Für BDZV-Präsident Döpfner hat die Schlichtungsstelle wiederum "eine ganz wichtige psychologische und faktische Rolle, weil sie überwacht, dass dieser Geist eingehalten wird, den wir vereinbart haben". Auf die Frage, wann er wohl das erste Mal ein Projekt von ARD, ZDF oder Deutschlandradio der Schlichtungsstelle vorlegen wird, sagt er gegenüber ZAPP: "Wir müssen Geduld haben. Bestimmte Dinge brauchen Zeit. Aber wir dürfen auch nicht zu viel Geduld haben. Wenn man diesen guten Willen hat, dann kann man Dinge auch relativ schnell und beherzt ändern."

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ZAPP | 13.06.2018 | 23:20 Uhr