ZAPP: Clash - Wissenschaft und Medien

Das Medienmagazin

Mittwoch, 17. Februar 2021, 23:20 bis 23:50 Uhr
Donnerstag, 18. Februar 2021, 01:20 bis 01:50 Uhr

Wissenschaft und Journalismus eint Vieles. In beiden Welten geht es darum, der Wirklichkeit auf die Schliche zu kommen, Ursache und Wirkung aufzudecken. Und spätestens seit vor über einem Jahr Covid-19 die Nachrichtenbühne betreten hat, rücken Wissenschaft und Journalismus sehr nah zu einander, treffen sich in Talkshows, in Podcasts, und Zeitungsschlagzeilen.

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Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe © NDR
10 Min

Missverständlich - wie Medien über Wissenschaft berichten

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beraten und liefern Fakten. Warum hakt es im Umgang mit den Medien immer wieder? 10 Min

Mehr Nähe bedeutet allerdings nicht immer mehr und bessere Information.

Wissenschaft auf fremdem Terrain

Lockerungen, Lockdown, NoCovid? Es ist nicht die Bundeskanzlerin, auf die die Medien in der Bundespressekonferenz Freitagmorgens warten. Es ist Lothar Wieler, der Präsident vom Robert-Koch-Institut (RKI), der die neuen Corona-Zahlen verkündet und sich den Fragen der Journalistinnen und Journalisten stellt.

Und die provozieren, drängen ihn in die Ecke, nageln ihn fest - wie sie es aus der Hauptstadt-Politikberichterstattung gewohnt sind. "Wir müssen schon immer danach gucken als Journalisten: Wo ist denn hier vielleicht eine Schwachstelle? Das passt den Wissenschaftlern nicht immer, aber das ist unsere Aufgabe", erklärt Hans Jessen, ehem. ARD Hauptstadtstudio. Politikerinnen und Politiker erleben das dauernd. Doch seit einem Jahr sitzen hier auch Wissenschaftler. Und die antworten nach "bestem Wissen und Gewissen. Manchmal versucht man einen zu provozieren in der Gegend. Aber das gehört ja zum Journalismus dazu", sagt Lothar Wieler vom RKI.

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Lothar Wieler RKI © NDR
5 Min

Politisch - Wissenschaft auf fremdem Terrain

Wissenschaft und Journalismus haben etwas Wesentliches gemeinsam: herauszufinden, was ist. Doch die Herangehensweise unterscheidet sie. 5 Min

Da treffen zwei also Welten aufeinander, die sich erst aneinander gewöhnen müssen. "Das ist mit der Zeit so entstanden, dass Politikjournalismus auch die Meinung von Wissenschaftlern so als typische politische Konfrontation gesehen haben, wie wir das aus dem Parlament-Journalismus sonst kennen", sagt Rebecca Beerheide vom "Deutschen Ärzteblatt".

Die Journalistinnen und Journalisten haben auf jeden Fall viel in diesem Jahr gelernt. Nicht nur über die Welt der Wissenschaft und ein neues Virus, sondern auch über sich selbst. 

Wie eindeutig kann Wissenschaft sein?

Dieses Auf und Ab kennt auch der Klimawandel, beziehungsweise die Berichterstattung über selbigen: heute Topthema, war er doch lange ein Nischenthema. Und das obwohl einige Nachrichtenmedien schon früh mit bemerkenswerter Klarheit die menschengemachten Veränderungen zum Thema machten. Ganz direkt berichtete die Tagesschau bereits 1979: "Wie sich klimatische Veränderungen auf unseren Planeten auswirken werden - mit diesen Fragen befasst sich die Weltklimakonferenz in Genf". Und: "Der wachsende Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft führt zu einer unerwünschten Erwärmung der Atmosphäre. Die Folgen erläutert Professor Flohn aus Bonn, der hier einen vielbeachteten Vortrag über das Klima der Zukunft hielt."

Warum hat es danach noch Jahrzehnte gedauert, bis die Klimakrise mehr Beachtung fand? Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung hat dafür eine Erklärung: "Es haben einfach fossile Energiefirmen gezielt versucht, die Öffentlichkeit zu dem Klima zu verwirren und Unsicherheit zu streuen." Und das, obwohl Ölkonzerne wie Exxon offenbar schon früh Erkenntnisse über den Klimawandel hatten. Ausgerechnet von ihnen beauftragte Studien zeigten schon ab 1957 die Folgen von Treibhausgasen für das Klima. Die Ölfirmen nutzten die Erkenntnisse auch für ihre Planungen: höhere Stelzen für Bohrinseln schon in den 1960er-Jahren, stabilere Befestigung der Trans-Alaska-Pipeline in den 1970er-Jahren. Öffentlich allerdings leugnen sie noch Jahrzehnte später den negativen Einfluss ihrer Branche auf das Klima. Und sorgten so dafür, dass das Thema lange klein gehalten wurde.

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Schmelzende Eiszapfen © NDR
5 Min

Wahr oder Falsch - medial erwünschte Eindeutigkeit

Zweifel sähen, verunsichern: Beim Klimawandel versuchen Lobbyisten schon seit Jahrzehnten, das Thema nach ihren Interessen zu steuern. 5 Min

Hochs und Tiefs - Wetterlagen im Wissenschaftsjournalismus

Ranga Yogeshwar hat den Aufstieg der Wissenschaftsberichterstattung geprägt, die abhängig ist von Themenkonjunkturen, von Krisen. Tschernobyl war so ein Moment. "Gerade bei dieser Reaktorkatastrophe waren es so, dass ich als Teilchenphysiker, der an einem Forschungsreaktor gearbeitet hatte, natürlich Know-how hatte. Und Inhalt war da wichtig", erzählt er.

Um zu wissen und zu verstehen, worüber berichtet wird, hat sich nach Tschernobyl die Wissenschaftspressekonferenz gegründet. 250 Journalistinnen und Journalisten organisieren sich heute hier. Und große Titel wie "Zeit", "Spiegel", "Stern" haben schon lange Wissenschaftsressorts mit großen Angeboten, ebenso überregionale Zeitungen wie die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dazu kommen Reihen in öffentlich-rechtlichen Sendern: Der WDR hat "Quarks", das ZDF "Lesch’s Kosmos", und 3sat berichtet in "Nano" unter der Woche sogar täglich.

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Ranga Yogeshwar | Bild: NDR/Wolfgang Borrs © NDR/Wolfgang Borrs Foto: Wolfgang Borrs
7 Min

Hochs und Tiefs - Wetterlagen im Wissenschaftsjournalismus

Um den Wissenschaftsjournalismus ist es nicht gut bestellt, zu lange wurde in dem Resort gespart. Dabei ist gerade in Krisen Expertise gefragt. 7 Min

Das klingt gut. Doch so rosig sieht es gar nicht aus. In den Regionalzeitungen ist der Wissenschaftsjournalismus heute fast verschwunden. Und nicht nur da. "In ähnlicher Weise sieht man das auch z.B. bei den Öffentlich-Rechtlichen, wo es inzwischen ganz viele Sendeanstalten gibt, die keine dezidierte Wissenschaftsredaktion mehr haben", sagt Ranga Yogeshwar. "Oft wird auch der Begriff Wissenschaft dann diffus. Das nennt man dann Wissen. Diese Abteilungen lösen sich auf in größeren Abteilungen. Insofern laufen wir momentan eher in eine Zeit, bei der die Ressourcen allgemein für den Journalismus und speziell auch für den Wissenschaftsjournalismus immer enger werden."

 

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Ranga Yogeshwar © NDR
11 Min

Corona - Hat der Journalismus versagt?

Mediale Präsenz und verständliche Worte überdecken mitunter die tatsächliche Expertise, sagt Ranga Yogeshwar. Er muss es wissen, als Wissenschaftsjournalist. 11 Min

Bildmontage: Das Logo facebook im Fadenkreuz © iStock, Fotolia.com Foto: Petrovich9

Facebook und Medien: Die Maske fällt

In Australien zeigt sich, was das Engagement der Tech-Konzerne in den Journalismus wirklich wert ist. Ein Kommentar. mehr

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