Jemand hält sein Smartphone mit der App Clubhouse in die Kamera. © picture alliance/dpa | Christoph Dernbach Foto: picture alliance/dpa | Christoph Dernbach

Clubhouse: Was steckt hinter dem Hype?

Sendedatum: 22.01.2021 07:40 Uhr

Seit wenigen Tagen ist ein Name in aller Munde: Clubhouse. Dahinter steckt ein noch junges soziales Netzwerk aus den USA, mit der Idee: Bekannte und weniger bekannte Menschen treffen sich digital zum Plaudern. Gespickt mit ein paar Zutaten wie Prominenz und Exklusivität hat die App Clubhouse in Deutschland einen wahren Hype entfacht. Ist der nachhaltig? Und wie könnte er die Mediennutzung verändern?

von Kathrin Schmid, NDR Info

Man kann es sich vorstellen wie ein Mix aus Live-Podcast und öffentlicher Telefonkonferenz. Letzteres klingt simpel und in Zeiten von Homeoffice haben viele Berufstätige eigentlich genug davon. Aber Clubhouse hat seinen besonderen Reiz, beschreibt Kommunikationswissenschaftler Riccardo Wagner: "Ich kann mich sehr spontan unterhalten oder kann zuhören oder einfach nur dabei sein. Praktisch, wenn ich auf dem Gang, bei der Arbeit oder in der Hochschule stehe. Ich glaube diese Spontanität und dieses etwas Persönliche, dieses nicht ganz so Businessartige, ist das, was im Moment zumindest noch die Attraktivität ausmacht. Und was ich tatsächlich auch an mir selbst gemerkt habe: Es ist so schön, mal wieder Leute im Gespräch zu haben. Abseits von arrangierten Telefonkonferenzen."

Twitter für die Ohren

Der Professor von der Macromedia Hochschule in Stuttgart ist wie die meisten deutschen Nutzerinnen und Nutzer erst seit ein paar Tagen dabei und klickt sich durch die virtuellen Diskussionsräume, die jedes Clubmitglied auch selbst anlegen kann. "Also, ich habe deutlich mehr Zeit auf der App verbracht, als ich eigentlich vorhatte. Und das ging vielen anderen, soweit ich das gehört habe, auch so - die zum Teil mehrere Stunden dabei waren…"

Denn die App verstummt nie. Irgendwo wird immer geredet - theoretisch zu jedem erdenklichen Thema. Zurzeit konzentriert es sich stark auf die Bereiche Politik, Kommunikation, Wirtschaft, Start-Ups, Ernährung und Lifestyle. Eine Art Twitter für die Ohren. Damit ist Clubhouse aber nicht nur ein gut getimtes Angebot für eine Gesellschaft, die sich nach spontanem, manchmal anregendem, manchmal auch belanglosem Smalltalk sehnt.

Künstliche Verknappung

Um einen Hype auszulösen, haben sich die Macher aus dem US-Bundestaat Utah auch eines simplen Rezepts bedient: Man nehme erstens "künstliche Verknappung" - denn Zutritt gibt es bisher technisch nur via iPhone und auf persönliche Einladung. Und zweites „exklusive Gäste“. Funktioniert auch diesmal, merkt Kommunikationswissenschaftler Wagner: „Ich war auch dabei, als wir alle auf Thomas Gottschalk gewartet haben, der eine dreiviertel Stunde lang sein Handy- Mikrofon nicht in den Griff bekommen hat. Da haben wir ein Stück weit Social Media-Geschichte mitgeschrieben - als 5000 Leute da gemeinsam gewartet haben.“

Jemand hält sein Smartphone mit der App Clubhouse in die Kamera. © picture alliance/dpa | Christoph Dernbach Foto: picture alliance/dpa | Christoph Dernbach

AUDIO: Clubhouse - was steckt hinter dem Hype um die App (3 Min)

Hunderte bis Tausende waren auch bei Gesprächen mit Ex-Außenminister Sigmar Gabriel und dem früheren BILD-Chefredakteur Kai Diekmann dabei. Ebenso bei beinahe nächtlichen Diskussionen mit den Politikern Kevin Kühnert und Philipp Amthor. Aber, so wird es auch auf der Plattform selbst diskutiert - die anfängliche Clubhouse-Begeisterung dürfte auch bald Grenzen finden. Allen voran in der Zeit der Nutzerinnen und Nutzer.

Mal wieder problematisch: der Datenschutz

Dazu kommt die Kritik am kaum vorhandenen Datenschutz. Die User werden bei der Einrichtung der App aufgefordert, Clubhouse alle Einträge aus dem Adressbuch zur Verfügung zu stellen. Die dahinterstehende Firma Alpha Exploration Co. verweist unter anderem auf die neue Datenschutzverordnung in Kalifornien.

Die Spielregeln in Europa werden jedoch ignoriert. Es wird kein fester Ansprechpartner für Datenschutzfragen genannt. Außerdem bleibt nebulös, welcher Anteil der Gespräche genau aufgezeichnet und wie lange gespeichert wird. Unklar ist auch, wie Nutzerinnen und Nutzer wieder an die eigenen Daten kommen.

Und am Ende die alles entscheidende Frage: wie entwickelt sich die Diskussionskultur? Schon nach wenigen Tagen gab es einen heftigen Streit um den Umgang mit einer Influencerin aus dem rechten Spektrum. Im Prinzip die gewöhnlichen Probleme der Social Media Plattformen. Ist Clubhouse also doch schon etabliert?

"Also, ich glaube, dass diese Plattform aktuell sehr gut ein paar Bedürfnisse bedient - die intuitive Bedienung, die persönliche Atmosphäre. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob sich das als einzelne App, als einzelnes Geschäftsmodell tatsächlich durchsetzt. Ich kann mir das sehr spannend vorstellen, als Feature in anderen Plattformen - sei es LinkedIn, sei es Twitter. Aber ob es als Einzelplattform allein ausreicht, um dann auch refinazierbar zu sein, da bin ich eher skeptisch."

In jedem Fall dürften einige Signale vom Hype um Clubhouse ausgehen: Die Social-Media-Riesen - allen voran Facebook - haben bisher zu wenig auf Audio-Inhalte gesetzt. Einige Social-Media-Experten haben das bereits als Trend für 2021 beschrieben: Audio-Inhalte auf den Plattformen besser sichtbar, auffindbar und bewertbar machen. Und es zeigt sich: Die Nachfrage nach Hörerlebnissen, generell Podcasts, dürfte auch 2021 weiter hoch sein oder gar steigen. Viele Nutzerinnen und Nutzer wünschen sich darin aber offenbar mehr Interaktivität.

Dieser Beitrag lief auf NDR Info u.a. am 22.01.2021 um 7:40 Uhr.

Dieses Thema im Programm:

Infoprogramm | 22.01.2021 | 07:40 Uhr

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