Stand: 12.08.2020 14:00 Uhr

Chronik: Vom Fetisch-Video zur "Jonathan Galindo Challenge"

von Marvin Milatz
Screenshot eines Profils, das den Namen Jonathan Galindo verwendet. © Screenshot Instagram
Soll Angst machen: Screenshot eines Profils, das den Namen Jonathan Galindo verwendet.

Ein Mann hat einen Fetisch: Er steht auf Furries, halb Mensch, halb Tier. Im Internet findet er Gleichgesinnte. Doch andere Menschen entdecken das Material und verbreiten es über weitere soziale Netzwerke, bis es im Sommer dieses Jahres ein Millionenpublikum erreicht. Die Datenjournalisten von NDR Data haben Beiträge auf TikTok, YouTube, Facebook und Instagram analysiert, um die Entstehung der Challenge zu rekonstruieren.

2011 - 2014:

Ein amerikanischer Maskenbildner erfindet den Goofy "für sein eigenes Vergnügen und um den Charakter zu testen". Das bestätigt der Mann, der unter den Aliasen Dusky Sam, Samycatnipnik und Samuel Canini im Internet unterwegs ist, gegenüber ZAPP. Der Maskenbildner veröffentlichte das Material damals auf der Porno-Plattform xtube. Er steht dazu, schreibt gegenüber ZAPP "außergewöhnliche Vorlieben" zu haben.

2016 - 2017:

Ein - mit großer Wahrscheinlichkeit bolivianischer - Facebook-Nutzer entdeckt das Material und kopiert es in sein Profil. Das Profil ist mittlerweile offline, war aber bis zum 25. Juni 2020 abrufbar und erreichte bis dahin fast 140.000 Nutzer und -Nutzerinnen. Über dieses Profil kamen Goofy-Bilder und der Name Jonathan Galindo erstmals zusammen.

Januar 2017:

Schon damals entdecken südamerikanische Youtuber den Galindo-Facebook-Account und berichten über "Das verstörende Facebook-Profil (ES LÄSST DICH NICHT SCHLAFEN)":

Ein anderes Video aus der gleichen Zeit erzielt über drei Millionen Klicks:

Auch taucht hier erstmals ein Bezug zu einem gruseligen Goofy auf "Goofy Creepy".

25. Mai 2020:

Bis Ende Mai 2020 bleibt es ruhig um das Goofy-Material des Maskenbildners. - Zwar taucht es immer mal wieder in unterschiedlichsten sozialen Netzwerken auf. Richtig Fahrt nimmt das Thema aber erst Ende Mai auf, als Jugendliche das Material auf TikTok teilenn. Eine der ersten ist die bolivianische TikTokerin @lucianamunoz7857. Ihr Video hat 8.000 Likes, 700 Kommentare - sie erreicht damit bis zu 200.000 Follower.

Juni - Juli 2020:

Neben weiteren TikTok-Nutzern und -Nutzerinnen erscheinen auch auf anderen Plattformen immer mehr Videos. Nach und nach finden sich auch Videos aus Asien, Osteuropa und vielen weiteren Teilen der Welt. Auf YouTube erzielen Videos zu "Jonathan Galindo" teils mehrere Millionen Aufrufe in nur wenigen Wochen.

Anfang Juli 2020:

Es finden sich erstmals Hinweise darauf, dass es sich bei Jonathan Galindo tatsächlich um eine "Challenge" handeln soll, die Jugendliche in den Suizid treiben soll.

Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass Nutzerinnen für die Aufgaben dieses Wettbewerbs jene der "Blue Whale Challenge" übernommen haben - einem sehr ähnlichen Social-Media-Phänomen, das vor wenigen Jahren im Netz viral ging.

Ende Juli 2020:

Bis Ende Juli haben Videos zu "Jonathan Galindo" allein auf YouTube 110 Millionen Abrufe erzeugt. Auf Instagram finden sich mehrere Dutzend Trittbrettfahrer-Profile auf TikTok sogar mehrere Hundert. Ein konkreter Hinweis darauf, dass tatsächlich Jugendliche zu Schaden kamen, findet sich bisher nicht.

 

Weitere Informationen
Screenshot des "Grusel-Goofys", der die Grundlage der "Jonathan Galindo Challenge" bildet. © Screenshot Instagram

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Dieses Thema im Programm:

12.08.2020 | 23:20 Uhr

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