Stand: 05.06.2019 13:14 Uhr

Berichterstattung über Dieter Wedel: Informantin gegen "Zeit"

von Caroline Schmidt

Es war eine der wichtigsten Geschichten des vergangenen Jahres. In dem Artikel "Im Zwielicht" berichteten die "Zeit"-Reporterinnen Annabel Wahba und Jana Simon in einer ausführlichen Recherche über Anschuldigungen gegen den Regisseur Dieter Wedel - und befeuerten damit die MeToo-Debatte in Deutschland. Die "Zeit" hatte mit vielen Schauspielerinnen gesprochen, die Wedel sexuelle Übergriffe, Belästigung und Nötigung vorwarfen. Das Eigentümliche an der Geschichte: Alle Vorwürfe schienen verjährt zu sein. Ein Fehler, wie sich herausstellte, als die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen aufnahm.

Aufnahme aus der Wochenzeitung "Zeit" © NDR

Berichterstattung Dieter Wedel: Informantin gegen "Zeit"

ZAPP -

Mit ihren Enthüllungen über Dieter Wedel brachte die "Zeit" #MeToo endgültig nach Deutschland. Doch wegen fehlender Unterstützung geht eine Informantin nun gegen die Zeitung vor.

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"Aussage gegen Aussage"

Nun erhebt genau die Schauspielerin schwere Vorwürfe gegen die Medien, die nun als Zeugin gegen Wedel im Münchner Verfahren aussagen muss. In einem offenen Brief schreibt Jany Tempel, dass keiner über das Verfahren berichte, der MeToo-Trend offenbar "durch" sei und "schon wieder egal zu sein" scheine, "was mir und den anderen geschehen ist". Ihr Rechtsanwalt Alexander Stevens attackiert die "Zeit" sogar direkt: Seine Mandantin habe niemals zum "Subjekt eines Strafverfahrens" werden wollen. Außerdem habe die "Zeit" zugesagt, ihr einen Opferanwalt zu finanzieren, der sie durch dieses Verfahren begleitet. Die "Zeit" bestreitet das. Im Interview mit ZAPP sagt ihr Anwalt, Jörg Nabert, dass die Verjährung nie "eine Bedingung für die Berichterstattung" gewesen sei. Auch habe die "Zeit" "nie" die Finanzierung eines Strafanwaltes zugesagt.

Interviews
20:30

Stevens: "Wendet man sich als Opfer an die Medien, sollte man sich auf die verlassen können"

Rechtsanwalt Alexander Stevens vertritt Jany Tempel gegen die "Zeit". Seine Mandantin habe niemals zum "Subjekt eines Strafverfahrens" werden wollen. Die "Zeit" sieht er in einer "moralischen Verantwortung". Video (20:30 min)

26:29

Nabert: "Wir gehen inzwischen davon aus, dass das Verfahren gegen Wedel eingestellt wird"

Jörg Nabert, Anwalt der "Zeit", sieht Dieter Wedel als möglichen Gewinner der Streitigkeiten: "Je unglaubwürdiger eine Zeugin wird, umso schwerer wird es für die Staatsanwaltschaft, Dieter Wedel verurteilen zu lassen." Video (26:29 min)

Am 31. Mai trafen sich die beiden Anwälte Gericht. Der Richter machte schnell deutlich, dass hier keine schriftliche Verabredung vorliege - und so aus seiner Sicht Stevens keinen Anspruch darauf habe, dass die "Zeit" seine Honorarforderung in Höhe von rund 30.000 Euro begleiche. Ihm sei selbst klar gewesen, dass seine Klage "auf tönernen Füßen " stehe, sagte Stevens zu ZAPP nach der Verhandlung. Er sehe die "Zeit" aber in einer "moralischen Verantwortung". Um die einzuklagen, will er einen weiteren Versuch wagen. Seine Mandantin und eine weitere Zeugin hätten ihm gegenüber ausgesagt, dass die "Zeit" in einem Gespräch am 14. Februar eine Finanzierung des Strafanwaltes mündlich zugesagt habe. Er will deshalb alle Teilnehmer dieses Gesprächs vor Gericht laden lassen, dann stehe immerhin "Aussage gegen Aussage". Der Richter könne sich dann überlegen, ob er der "Zeit" glaube oder den Frauen, die immerhin "Hauptbelastungszeuginnenn in dem Enthüllungsbericht Wedels sind".

Streitigkeiten könnten Dieter Wedel helfen

Der ganze Vorgang dürfte letztlich vor allem einem helfen, erklärt "Zeit"-Anwalt Nabert: Dieter Wedel. Der Regisseur hatte die Vorwürfe gegen ihn ohnehin immer dementiert. "Wenn sich jetzt in diesem Zivilverfahren jetzt herausstellen sollte, dass Jany Tempel unglaubwürdig ist, weil immer behauptet wird, sie hätte irgendeine Zusage bekommen, die sich aber gar nicht beweisen lässt und die es auch tatsächlich nie gab, dann wird Jany Tempel unglaubwürdig. Und je unglaubwürdiger eine Zeugin wird, umso schwerer wird es für die Staatsanwaltschaft, Dieter Wedel verurteilen zu lassen."

 

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.06.2019 | 23:20 Uhr