Stand: 21.04.2015 09:53 Uhr  | Archiv

"Manche Bilder brennen sich ins Gedächtnis"

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Markus Rosch berichtet als Korrespondent der ARD seit 2011 aus Israel und Palästina.

Markus Rosch besuchte Israel und Palästina 2001 zum ersten Mal und ist seitdem fasziniert von dieser Region. Seit 2011 ist er Korrespondent im ARD Studio in Tel Aviv. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen die autonomen Gebiete Gaza und das Westjordanland. Im Interview erzählt er, vor welchen Herausforderungen er oft steht, was ihn fasziniert und auch davon, was schockierend ist.
Auf Twitter können Sie Markus Rosch folgen unter: @MarkusRosch.

Herr Rosch, was hat Sie bis jetzt in Ihrer Korrespondenten-Wahlheimat am meisten beeindruckt?

Markus Rosch: Erstaunlich ist es immer wieder, wie gelassen die meisten Menschen hier in Krisen und Extremsituationen reagieren. Auf beiden Seiten. Viele sind es gewohnt, sich sehr schnell anzupassen. Und dann zu improvisieren. Es wird geschimpft, aber kaum gejammert.

Was hat Sie am meisten schockiert?

Rosch: Viele Bilder aus dem 50-tägigen Gaza-Krieg 2014 werde ich wohl nie vergessen. Wie Kinder in den Trümmern nach Überlebenden gesucht haben. Wie Kinder im Krankenhaus auf ihre Eltern gewartet haben. Obwohl sie wussten, dass diese tot sind. Das sind Eindrücke, die sich für immer ins Gedächtnis gebrannt haben. Bilder, von denen ich auch manchmal träume.

Video
06:47

ARD Studio Tel Aviv

Seit 45 Jahren gibt es ein ARD Studio in Tel Aviv. Das Korresppondenten-Team berichtet hauptsächlich aus Israel und den palästinensischen Gebieten - insbesondere aus Gaza und dem Westjordanland. Video (06:47 min)

Welche Geschichte wollen Sie unbedingt in Ihrer Zeit als Korrespondent erzählen?

Rosch: Der Israel-Trail. Vom Norden in den Süden. Oder umgekehrt.

Was ist die größte Herausforderung für die Zusammenarbeit mit den Redaktionen in Deutschland?

Rosch: Die Vielschichtigkeit und Komplexität der Dinge in diesem kleinen Berichtsgebiet zu erklären, verständlich zu machen. Ich persönlich versuche das immer. Aber nicht immer geht es. Vor allem nicht, wenn jede Stunde eine Story gestemmt werden muss. Mein Grundsatz ist aber: Ein Reporter sollte immer bei seiner Geschichte dabei sein. Nur so kann er die Geschichte spüren. Die Dinge einordnen.

Was haben Sie bei jeder Drehreise dabei?

Rosch: Beim Drehen sind zwei Dinge für mich wichtig, neben dem Equipment: Sonnencreme, weil man hier in wenigen Minuten schon einen üblen Sonnenbrand bekomme kann. Und extra Handyakkus. Die Batterien in den Geräten sind unglaublich schwach.

Was war bisher die größte Panne, die Ihnen widerfahren ist?

Rosch: US-Außenminister Kerry als Vize-Präsident bezeichnet zu haben. Die Tagesschau hat das aber dankenswerterweise korrigiert. Als ich Thomas de Maizière in einer Liveschalte Lothar de Maizière genannt habe, hat das leider nicht geklappt.

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Allzu exotische Gerichte muss Markus Rosch - im Gegensatz zu seinen Kollegen in Asien - in seinem Berichtsgebiet nicht essen. Aber der Dresscode hat es zuweilen in sich. Sehr stylisch, der Turban!

Mussten Sie aus Höflichkeit bei einer Drehreise schon mal Merkwürdiges essen oder trinken?

Rosch: Wenn man weiß wie verschmutzt das Wasser in Gaza ist, war die spontane Einladung von Hamas-Kämpfern an der Grenze zu Ägypten im Dezember 2014 sicher eine Herausforderung. Es gab Humus und Reisfleisch. Und neben uns saßen die schwer bewaffneten Kämpfer.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz in Tel Aviv?

Rosch: Abgesehen vom Strand: Der Cafékiosk bei mir um die Ecke am Rothschild Boulevard, Ecke Balfour Street.

Wie sieht für Sie ein perfekter Sonntag aus?

Rosch: Der Sonntag ist hier ein normaler Arbeitstag!

Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Heimat?

Rosch: Im Sommer Regen. An manchen dunklen Wintertagen: Schweinebraten.

 

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