Stand: 15.09.2015 11:00 Uhr  | Archiv

"Der Iran ist so vielschichtig"

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Natalie Amiri moderiert den Weltspiegel und ist seit Juni 2015 ARD-Berichterstatterin für den Iran.

Natalie Amiri moderiert seit März 2014 den ARD-Weltspiegel vom BR und moderiert auch den Euroblick, eine Sendung des BR. Sie hat Orientalistik mit dem Schwerpunkt Iranistik studiert und arbeitete anschließend zwei Jahre in der Pressestelle der deutschen Botschaft in Teheran. Amiri spricht sechs Sprachen, darunter auch Farsi und Arabisch. Seit 1. Juni 2015 ist sie für die ARD zuständig als Berichterstatterin für den Iran.
Auf Twitter können Sie Natalie Amiri folgen unter: @NatalieAmiri.

Was hat Sie bis jetzt in Ihrem Berichtsgebiet am meisten beeindruckt?

Natalie Amiri: Die Vielschichtigkeit des Landes. Die gewünschte Außenwirkung des Systems, das gleichzeitig wahre Leben der Zivilgesellschaft und die Reaktionen auf das Land von außen. Diese Kombination lässt einen nicht aufhören zu arbeiten. Es gibt noch so viel Aufklärungsbedarf. Wer, was, wieso und warum: @Iran. Und die vielen unglaublich mutigen und kreativen Menschen, die sich nicht beirren lassen, ihren Weg zu gehen. 

Was hat Sie am meisten schockiert?

Amiri: Als 2009 die Menschen für mehr Demokratie auf die Straße gingen und schließlich auch um ihr Leben kämpften und der Fokus der Welt ab dem Zeitpunkt der Nachricht vom Tode Michael Jacksons davon nichts mehr wissen wollte. 

Welche Geschichte wollen Sie unbedingt in Ihrer Zeit als Berichterstatterin erzählen?

Amiri: Ich habe ein Buch, in dem ich in Stichpunkten Geschichten notiere. Seit Anfang Juni, seit ich das Büro in Teheran übernommen habe. Jetzt, nach ein paar Wochen sind darin über 30 Seiten gefüllt. Dieses Land explodiert vor Geschichten, die erzählt werden müssen. Allein schon eine Taxifahrt, siehe der neue Film von Jafar Panahi (Anmerk. d. Red: "Taxi Teheran" gewann den Goldenen Bären auf der Berlinale 2015), liefert einem fünf Geschichten. Eine Lieblingsgeschichte? Die Wahrheit. 

Was ist die größte Herausforderung für die Zusammenarbeit mit den Redaktionen in Deutschland?

Amiri: Die Zeit. Die technischen Voraussetzungen in Teheran sind sehr kompliziert und anstrengend. Oft wird die Geschwindigkeit des Internets reduziert und damit unser Übertragungsweg für Beiträge blockiert. Deshalb muss der Beitrag schnell abgenommen werden, lange Pausen dazwischen können wir uns nicht leisten. Es ist alles getaktet (wie das eben in Teheran möglich ist) , so dass der Beitrag noch rechtzeitig in die Sendung kommt. 

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Am liebsten hätte Natalie Amiri eine eingebaute Kamera in ihren Augen. Bis die Technik so weit ist, muss sie mit dem herkömmlichen Equipment ihre Interviews führen.

Was haben Sie bei jeder Drehreise dabei?

Amiri: Meine Kamera. Am liebsten hätte ich eine in den Augen eingebaut. Dann müsste ich nur meine Augen schließen und das Bild wäre gespeichert. Auf der Festplatte, in meinem Kopf ist es dies ja. 

Was war bisher die größte Panne, die Ihnen widerfahren ist?

Amiri: Gerade eben. Nach sieben Jahren Berichterstattung. Ich wollte das Wort Stagflation in einer Schalte erklären. Fand dann aber weder das Wort Inflation noch Stagnation. Blackout. Zum Glück hat sich meine Producerin nicht an meine Anweisung gehalten, die ich ihr eine Minute zuvor gegeben hatte und zwar zu schweigen, egal was komme. Sie flüsterte mir leise zu: Stagnation ... Inflation...

Mussten Sie aus Höflichkeit bei einer Drehreise schon mal Merkwürdiges essen oder trinken?

Amiri: Schon öfters. Alles, was mit altem Hammelfleisch zu tun hat, hatte ich sicher schon mal im Mund.

Was sind Ihre Lieblingsplätze in Teheran?

Amiri: Die Straße, wenn es gerade geregnet hat. Dann vermischt sich der Dreck von den Straßen Teherans mit dem frischen Regenwassergeruch. Es fühlt sich an, als wäre für eine kurze Zeit alles rein gewaschen.

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