Hirnstimulation: Behandlung mit Strom und Magnetfeldern

Stand: 06.04.2021 10:45 Uhr

Durch die Hirnstimulation mit Strom werden Schlaganfallpatienten, die an Bewegungs- oder Sprachstörungen leiden, behandelt. Die Magnetstimulation wird bei der Therapie von Depressionen eingesetzt.

Das menschliche Gehirn besteht aus vielen Milliarden Nervenzellen, die miteinander vernetzt sind. Die Übertragung von Informationen innerhalb dieses Netzes erfolgt über elektrische Impulse. Dieses Prinzip macht sich die transkranielle Hirnstimulation zunutze. Dabei wird ein schwacher elektrischer Strom durch die Kopfhaut und den Schädelknochen hindurch auf die Nervenzellen der äußeren Hirnrinde abgegeben.

Durch die Stimulation verändert sich die elektrische Ladung in der Hülle (Membran) der Nervenzellen. Das verstärkt oder dämpft die Erregbarkeit der Gehirnzellen.

Bestehende Nervenverbindungen stärken

Forschungen haben gezeigt, dass das Gehirn bis ins hohe Alter in der Lage ist, sich zu verändern, anzupassen und Funktionen geschädigter Areale in anderen Bereichen zu übernehmen. Zwar lassen sich fehlende oder zerstörte Nerven und Nervenverbindungen nicht ersetzten, dafür sollen bestehende Verbindungen gestärkt werden. Daher wird die Wirksamkeit dieser Stimulation in der Therapie von Schlaganfällen, Multipler Sklerose, Parkinson sowie Epilepsie und Schmerzen untersucht. 

Gerade im Bereich der Therapie von Muskellähmungen - infolge von Schlaganfällen - versprechen sich die Wissenschaftler in der Kombination mit der herkömmlichen Physiotherapie gute Erfolge. Viele der Schlaganfallpatienten leiden an bleibenden Bewegungsstörungen oder Lähmungen. Im Vordergrund stehen hier oft Störungen der Handfunktion, die den Alltag nicht selten erheblich beeinflussen. Die motorischen Fähigkeiten müssen erst wieder erlernt werden. Mithilfe der transkraniellen Stimulation soll dieser Lernprozess positiv beeinflusst werden können.

Sprechtraining unter Strom

Ist das Sprachzentrum durch einen Schlaganfall oder einen Unfall so geschädigt, dass die klassische Logopädie keinen Vorteil mehr bringt, könnte eine transkranielle Hirnstimulation ein intensives Sprechtraining unterstützen. Dafür wird Gleichstrom durch Sprachareale geleitet, um eine Voraktivierung der Sprachnetze zu erreichen. So soll das Training besser funktionieren, Worte sollen besser und nachhaltiger gelernt werden können. Drei Wochen lang müssen die Patienten dafür mehrere Stunden vor dem Computer Worte finden, die sie anschließend in Alltagssituationen anwenden. Der Gleichstrom, der zwischen Anode und Kathode fließt, führt dazu, dass in den Sprachnetzwerken mehr aktivierende Botenstoffe ausgeschüttet werden. So kann sich das Gehirn über eine Zeit von etwa einer Stunde Neues besser merken.

Die Behandlung ist schmerzfrei. Außer einem leichten Kribbeln auf der Kopfhaut spürt der Patient nichts von der Gleichstromstimulation. Auch gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Zurzeit wird die Wirksamkeit der Behandlung in Studien untersucht.

Transkranielle Magnetstimulation bei Depression

Bei der Magnetstimulation wirken keine elektrischen Impulse auf die Gehirne der Patienten ein, sondern Magnetfelder. Dieses Verfahren kann zum Beispiel bei der Behandlung von Menschen mit Depressionen eingesetzt werden. Bei der transkraniellen Magnetstimulation wird ein starkes Magnetfeld punktgenau auf einen bestimmten Nervenknoten ausgerichtet. Das regt den Stromfluss der Nervenzellen in dieser Region an.

Das Gehirn ist in Netzwerke aufgeteilt. Bestimmte Bereiche werden für bewusste Entscheidungen genutzt, andere sind für Gefühle zuständig oder fürs Nachdenken. Das Netzwerk, das unsere Aufmerksamkeit leitet, ist bei Menschen mit Depression häufig überaktiv, andere Bereiche dagegen scheinen blockiert. Ziel der Stimulation ist, die Netzwerke wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die transkranielle Magnetstimulation funktioniert bei Depression so gut, dass die Krankenkassen die Behandlung im stationären Bereich mittlerweile bezahlen. Bisher gibt es die teuren Geräte und das entsprechend geschulte Personal aber nur in wenigen Kliniken.

 

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