Sendedatum: 03.05.2015 19:30 Uhr  | Archiv

Zeitreise: Wie sich selbst Elmshorn befreite

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Das weiße Laken am Kirchturm diente als Zeichen der Kapitulation der Elmshorner.

Die beiden Männer, die am Abend des 3. Mai 1945 den Elmshorner Kirchturm besteigen, gehen ein hohes Risiko ein. Wenn sie bei ihrer Aktion von SS-Truppen erwischt werden, wäre das ihr sicherer Tod. Trotzdem gehen sie das Wagnis ein. Sie wollen ihre Heimatstadt retten, indem sie den anrückenden englischen Panzern mit weißen Flaggen signalisieren, dass sich Elmshorn kampflos ergibt. Dafür haben sich die Männer von ihren Frauen weiße Bettlaken ausgeliehen, erinnert sich später Erich Arp in einem Interview mit dem Schleswig-Holstein Magazin. Der Kaufmann ist einer der beiden Männer.

"Volk soll untergehen und nicht besiegt werden"

Es ist noch Krieg - viele deutsche Städte liegen in Trümmern. Auch in Elmshorn fallen Bomben alliierter Flugzeuge. Doch die Nazis wollen nicht kapitulieren. Menschen, die sich ergeben, werden erschossen. Blinder Gehorsam ist noch immer gefragt. Am Ende werden sogar Kinder, Frauen und alte Männer bewaffnet. Lieber soll das deutsche Volk untergehen, als besiegt werden - hatte Hitler verkündet. Sein Wille wird von vielen Deutschen blind befolgt.

Bürgermeister entmachtet durch Ordnungsdienst

Diesen Wahnsinn wollen Arp und ehemalige Mitglieder der SPD und KPD nicht mitmachen. Nachdem die "weißen Flaggen" über der Stadt gehisst wurden, werden der NS-Bürgermeister und der Polizeichef von Elmshorn entmachtet. SPD und KPD organisieren einen Ordnungsdienst. Mit Prinz Heinrich Mütze und roter Armbinde patrouillieren sie auf Fahrrädern durch die Stadt. Sie organisieren eine eigene Verwaltung, bestimmen einen neuen Bürgermeister und einen neuen Polizeichef. Für NS-Funktionäre errichten sie ein eigenes Schutzlager, das sie durch ehemalige Insassen von Konzentrationslagern bewachen lassen.

Nur Elmshorn leistet Widerstand ...

Die Duldung des antifaschistischen Ordnungsdienstes nimmt ein Ende, als bewaffnete Männer nach Pinneberg fahren und auch dort, versuchen Nazi-Funktionäre für "ihr Schutzhaftlager einzukassieren". Daraufhin wird der Ordnungsdienst von den Engländern als "Amtsanmaßung" verboten. Wir erzählen in unserer Zeitreise die Geschichte der einzigen Stadt in Norddeutschland, in der sich die Bürger selbst von der Nazi-Herrschaft befreit haben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.05.2015 | 19:30 Uhr