Stand: 27.03.2020 14:30 Uhr

Zeitreise: Die Geschichte des weißen Goldes

von Maik Vukan

"Wenn es unser Salz nicht gegeben hätte, dann wären in Lübeck doch längst die Lichter ausgegangen", sagt Hilke Lamschus vom Deutschen Salzmuseum in Lüneburg gerne etwas provokant. Und tatsächlich: Im Mittelalter war es wirklich das "weiße Gold" aus der Lüneburger Saline, das Lübeck als damaliger Königin der Hanse viel Reichtum beschert hat.

Zeitreise: So kam das "weiße Gold" nach Lübeck

Schleswig-Holstein Magazin -

Das Salz aus der Lüneburger Saline wurde im Mittelalter im Ostsee-Raum dringend gebraucht. Damit war das "weiße Gold" der Grundstock für den Reichtum der Hansestadt. Wie kam es nach Lübeck?

5 bei 16 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Start des Salzhandels

Als die Lüneburger entdeckten, dass unter ihnen ein riesiger Salzstock in der Erde schlummert, begannen sie damit Handel zu betreiben. Nicht durch Abbau des Salzes in einem Bergwerk, sondern durch Abkochen. Sie förderten die Sole, stark salzhaltiges Wasser aus dem Salzstock, und kochten es in sogenannten Siedehütten ab. 54 gab es davon im Mittelalter. Der Wasserdampf stieg in den Himmel, das reine Salz blieb in den Siedepfannen über dem Feuer zurück. Der Betrieb lief rund um die Uhr, denn Salz war kostbar im 14. Jahrhundert. Ein Fass davon hatte den Gegenwert von einem ganzen Haus zu dieser Zeit.

Salz wichtig für Fischproduktion

Fast 80 Prozent des Salzes ging damals in den Ostseebereich. Dort hatte man wenig eigenes Salz, aber einen großen Bedarf. Die Heringsschwärme, die in der Ostsee abgefischt wurden, mussten schließlich eingelegt und so halt- und handelbar gemacht werden. Der Landweg von Lüneburg nach Lübeck war mühsam für die Pferdefuhrwerke. So suchte man nach einer besseren Alternative, die noch größere Mengen schneller in Richtung Ostsee schaffen konnte.

Transport über neu gebaute Kanäle

Der Weg per Schiff von Lüneburg über den Fluss Ilmenau zur Elbe war kein Problem, doch für die Verbindung von dort nach Lübeck musste erst eine Lösung gefunden werden. 1398 wurde die Palmschleuse in Lauenburg eröffnet - und damit der Stecknitz-Kanal, die neue Wasserstraße zwischen Elbe und Lübeck. Man hatte dafür einfach einen Kanal gegraben, der die beiden Flüsse Stecknitz und Delvenau miteinander verband. Spezielle Salzprahme, Boote ohne Kiel, die in dem nur 80 Zentimeter tiefen Kanal gut vorankamen, übernahmen fortan in Lauenburg die Fracht der Lüneburger und machten sich damit auf den Weg nach Norden. 17 Schleusen galt es bis nach Lübeck zu passieren. Die Prahme wurden getreidelt, also an langen Seilen von Land aus gezogen.

Stecknitzfahrer erinnern an alte Salzstraße

Zu Spitzenzeiten im 16. Jahrhundert machten rund 1.000 Transporte jährlich an den Lübecker Salzspeichern direkt neben dem Holstentor fest, um die kostbare Fracht zu entladen. Noch heute erinnert das alte Amtshaus ganz in der Nähe an die jahrhundertealte Tradition der Stecknitzfahrer. Vom einstigen Stecknitz-Kanal selbst ist nur noch wenig Ursprüngliches erhalten. Er wurde 1900 durch den Elbe-Lübeck-Kanal ersetzt. Nur von zwei alten Schleusen sind noch Reste zu sehen: die Palmschleuse in Lauenburg und die Dückerschleuse in Witzeeze. Außerdem bietet die Prahmkameradschaft Berkenthin jeden Sommer Fahrten auf dem Nachbau eines mittelalterlichen Salzprahms an. Zur Erinnerung an die Zeit der früheren "nassen Salzstraße" von Lüneburg nach Lübeck.

Weitere Informationen

Zeitreise-Archiv

Hier finden Sie alle Zeitreisen des Schleswig-Holstein Magazins. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.03.2020 | 19:30 Uhr

8 Bilder

Wie die Lübecker Hanse vom Salzstock profitierte

Im Mittelalter war es das "weiße Gold" aus der Lüneburger Saline, das Lübeck als damaliger Königin der Hanse viel Reichtum beschert hat. Doch der Weg von Lüneburg nach Lübeck war mühsam. Bildergalerie