Warum schließt Caterpillar seine Werke im Norden?

Stand: 12.10.2021 16:25 Uhr

Die Entscheidung kam überraschend: Vergangenes Jahr noch hatte sich Caterpillar für den Erhalt des Standorts Kiel ausgesprochen. Doch nun steht fest: Caterpillar will alle norddeutschen Standorte - Kiel, Rostock und Henstedt-Ulzburg - bis Ende 2022 schließen.

Wieso Caterpillar so entschieden hat, ist weder für die rund 900 Mitarbeitenden noch für die Landesregierungen nachvollziehbar. Denn in der Vergangenheit hatte der US-Konzern in Norddeutschland unter anderem in die Entwicklung nachhaltiger und umweltfreundlicher Schiffsmotoren investiert. Und Caterpillar gilt als Traditionsunternehmen, ist in Norddeutschland lange verwurzelt - die Standorte sind eng vernetzt.

Stephanie Schmoliner © NDR Foto: Screenshot
Stephanie Schmoliner von IG Metall.

"Logisch kann man das eigentlich nicht erklären", meint Stephanie Schmoliner von IG Metall. "Im Schiffbau werden jetzt tatsächlich wieder zunehmend Motoren gebraucht. Und da wir eigentlich ein hohes Interesse sowohl in Deutschland als auch in Europa als auch weltweit daran haben, emissionsärmere, emissionsfreie Motoren zu bauen, müsste eigentlich jetzt ein Interesse sein, das Know-how der Leute, die das hier können, auch tatsächlich zu übernehmen."

Schließung völlig unerwartet

Benjamin Bleyer arbeitet seit 13 Jahren als Ingenieur bei Caterpillar, hat zur Entwicklung der nachhaltigen Schiffsmotoren maßgeblich beigetragen. Die Nachricht der geplanten Schließung kam auch für ihn völlig unerwartet. "Das tut einfach nur weh, weil man ja wirklich mit Herzblut dabei ist und man ist um die halbe Welt gereist, von Japan bis sonst wohin, um bei diesen ersten Prototypen auch mitzuhelfen, dass sie gut ans Laufen kommen. Und jetzt ist es so, dass das alles problemlos läuft und seine Serienreife erlangt hat."

Benjamin Bleyer © NDR Foto: Screenshot
Benjamin Bleyer, Ingenieur bei Caterpillar.

Betroffen von der Schließung sind Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein: In Kiel gibt es aktuell über 700 Beschäftigte, in Henstedt-Ulzburg 60 und in Rostock sind es 130 Mitarbeitende.

Auch Zulieferbetriebe betroffen

Thilo Rohlfs, Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein, macht sich Sorgen: "Es sind ja nicht nur Hunderte von Arbeitsplätzen unmittelbar bei Caterpillar. Da hängen auch Zulieferbetriebe dran, bei denen wiederum Arbeitsplätze betroffen sind." Genau deshalb wolle man nun alles unternehmen, um den Standort in Kiel zu erhalten.

Thilo Rohlfs © NDR Foto: Screenshot
Thilo Rohlfs, Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein.

Ein Interview mit Panorama 3 lehnt Caterpillar ab. Auf die Frage nach den Gründen für die geplante Schließung teilt der Konzern schriftlich mit, dass man im Bereich der Schiffsmotoren keine Wachstumsmöglichkeiten mehr erkennen könne. Und das, obwohl so viel in die Entwicklung nachhaltiger und umweltfreundlicher Schiffsmotoren investiert wurde.

Will der Konzern zukünftig also woanders Schiffsmotoren herstellen - an einem kostengünstigeren Standort? Caterpillar macht lediglich darauf aufmerksam, dass auch der Standort in China schließen werde. Doch ob es woanders weitergehen wird, erfahren wir nicht.

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Der Schiffsmotoren-Hersteller Caterpillar in Rostock-Warnemünde. © picture-alliance Foto: Jens Büttner

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