Stand: 06.06.2015 15:17 Uhr  | Archiv

Viel Lob für WhatsApp-Geschichte

Über den Kurznachrichtendienst WhatsApp konnten Sie die Fluchtgeschichte "Wir sehen uns in Deutschland!" aus Ramis* Perspektive erleben. Wer sich mit seiner Telefonnummer anmeldete erhielt drei Wochen lang Nachrichten mit Fotos und Videos, die Rami auf seiner Flucht aufgenommen hat.

Sie haben Ramis Flucht verpasst?
Dann lesen sie hier das
"Protokoll einer Flucht".

Ein Chatverlauf, in dem Nachrichten von Ramis Flucht zu lesen sind. © NDR Foto: NDR
So sah das WhatsApp-Angebot auf dem Smartphone aus.

Insgesamt 1.900 Nutzer haben sich für das Angebot angemeldet. "Erstmals wird nicht über Flüchtlinge berichtet, sondern von Flüchtlingen", schrieb ein Nutzer zu Beginn des Projekts. Bis zu drei Nachrichten wurden pro Tag versendet, die Ramis Geschichte und seine Flucht quer durch Europa in allen Details nacherzählte.

Viele Leser haben die Chatfunktion genutzt, um Rami Fragen zu seiner Flucht zu stellen. Viele Nutzer wollten zum Beispiel wissen, wie die Umstände in der Türkei und Griechenland sind und warum viele Flüchtlinge von dort weiterziehen. Auch die Tatsache, dass Beamte der deutschen Bundespolizei an griechischen Flughäfen kontrollieren, verwunderte viele Leser.

Imke, Bernie und Said schrieben gemeinsam:

"Lieber Rami, danke, dass wir dich begleiten durften. Während der gesamten Zeit waren wir gespannt auf deine Nachrichten. In der Familie war es schon normal, von Rami zu hören. Wir haben viel über dich und deine Freunde gesprochen. Mein Pflegesohn Said aus Afghanistan hat darauf hin viel von seinem Weg nach Deutschland erzählt. Die Idee, die Geschichte über WhatsApp zu erzählen, war wirklich genial. So konnten auch Menschen teilhaben, die nicht so viel über das Thema Flucht wissen. Danke, dass du uns deinen Weg anvertraut hast! Wir wünschen dir viel Glück auf deinem Weg. Komme erstmal an und irgendwann wirst du deine Familie in Damaskus wiedersehen.
Alles Liebe, Bernie, Said und Imke."

Neue Erzählform

Entstanden ist die Idee, Ramis Flucht per WhatsApp zu erzählen, unter anderem weil die Reporter Nino Seidel und Alena Jabarine monatelang immer wieder per WhatsApp mit Rami kommuniziert haben. Manchmal war es tagelang die einzige Verbindung zu ihm, wenn er zum Beispiel zu Fuß auf einer gefährlichen Route war. Oft wussten sie nicht, wann und von wo er sich das nächste Mal meldet - und was in der Zwischenzeit passiert ist. Immer wieder hat Rami Fotos und Videos seiner Flucht geschickt - Bilder, die man so selten sieht und die die Möglichkeit boten, die Flüchtlingsproblematik aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Das persönliche Bild- und Foto-Material bildete dann auch die Grundlage für die auf drei Wochen verdichtete Erzählung: "Wir wollten dem User die Geschichte so erzählen, wie wir sie in der Redaktion auch größtenteils erfahren haben", sagt Felix Meschede, der das Fluchtprotokoll als Autor realisiert hat. "Die direkte Ansprache durch die erste Person ist die Perspektive, die den Nutzern auf WhatsApp vertraut ist", erklärt Meschede. Das positive Feedback auf drei Wochen Flucht aus Ramis Sicht hat alle gefreut - vor allem auch Rami selbst.

Hintergrund
Protokoll einer Flucht

Protokoll einer Flucht

Rami kommt aus Syrien. Als er Ende 2014 den Einberufungsbefehl erhält, fürchtet er den sicheren Tod und beschließt zu fliehen. Wir haben ihn bei seiner Flucht begleitet. mehr

* Name von der Redaktion geändert

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 09.06.2015 | 21:15 Uhr

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