Stand: 19.09.2017 18:00 Uhr  | Archiv

Senioren am Steuer: Zu alt zum Autofahren?

von Mareike Burgschat & Esra Özer

Der Führerschein kennt keine Altersgrenze. Das Alter allein macht noch lange keinen schlechten Fahrer. Doch irgendwann geht es bergab mit der Leistungsfähigkeit - und das kann gefährliche Folgen im Straßenverkehr haben. Über 64-Jährige, die in einen Unfall verwickelt waren, trugen nach Angaben des statistischen Bundesamtes in mehr als 67 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei den mindestens 75-Jährigen waren es sogar über 75 Prozent.

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Stress und Überforderung

Senioren fallen selten durch Raserei und dichtes Auffahren auf. Es knallt häufiger in Situationen wie Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder Einparken. In der Waitzstraße in Hamburg gingen schon 17 Mal Schaufenster zu Bruch, weil Autos in die Geschäfte knallten. Am Steuer saßen fast immer Fahrerinnen und Fahrer über 70. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Start für die Umbauarbeiten in der Hamburger Waitzstraße im Rahmen des Business District Improvement Programms. © NDR Foto: Reinhard Postelt
Wird nun "seniorensicher" umgebaut: die Hamburger Waitzstraße.

Nun wird die Einkaufsstraße quasi "seniorensicher" gemacht. "Es ist eine Maßnahme, die uns letztendlich das Polizeioberkommissariat aufgedrückt hat, aber die wir auch mit Dankbarkeit entgegengenommen haben", sagt Gunnar Gellersen, Sprecher der zuständigen Planungsgemeinschaft aus Anliegern, Polizei und Bezirksamt. Es gehe schließlich darum, dass zukünftig keine Menschenleben mehr gefährdet werden.

Die Anlieger konnten die Maßnahmen mitgestalten. Durch Bänke und Hocker aus Granit, durch extra verankerte Fahrradbügel, Mülleimer und verstärkte Laternenmasten soll eine Barriere zur Ladenzeile entstehen. Das entschärft sicher das Problem an diesem Ort. Mehr allerdings nicht. An anderen Orten bleibt das Risiko.

Fahrtauglichkeitstests

2013 wurde der Europäische Führerschein reformiert. Er ist nun nicht mehr auf Lebenszeit gültig. Die Führerscheine müssen alle 15 Jahre neu beantragt werden. Alte "Lappen", die vor 2013 ausgestellt wurden, müssen bis 2033 gegen einen neuen EU-Führerschein ausgetauscht werden. Die EU hat es ihren Mitgliedsstaaten allerdings freigestellt, regelmäßige Gesundheits- oder Fahrtauglichkeitstests als Auflage für den Führerschein zu machen.

Und so gibt es in einigen EU-Ländern, wie zum Beispiel in den Niederlanden und Portugal, regelmäßige Checks für Senioren, in anderen nicht. Diese Checks haben jedoch keinen positiven Effekt auf die Zahlen von Unfällen, an denen Senioren beteiligt waren. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine im Auftrag der "Unfallforschung der Versicherer" (UDV) durchgeführte Studie.

Appell an die Vernunft

Dennoch steht die Forderung nach verpflichtenden Untersuchungen für Senioren auch bei den Versicherern weiter im Raum. So plädiert der UDV-Leiter Siegfried Brockmann "für obligatorische Gesundheitschecks [...] und eine durch einen speziell geschulten Fahrlehrer begleitete Autofahrt für alle Senioren ab 75 Jahre." Senioren seien bei solchen Tests überrascht von ihren Defiziten im Straßenverkehr. Dabei plädiert Siegfried Brockmann für Vertraulichkeit. Die Ergebnisse sollten nicht an die Führerscheinstellen weitergeleitet werden.

Doch solche Untersuchungen sind nicht in Sicht. Ob nun mit oder ohne vertrauliche Untersuchung: Am Ende steht immer der Appell an die Vernunft des Einzelnen. Wenn es nicht mehr geht, dann besser den Führerschein abgeben.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 19.09.2017 | 21:15 Uhr