Stand: 22.09.2020 12:25 Uhr  | Archiv

Schausteller kämpfen ums Überleben

von Lucie Kluth, Brid Roesner

Schießbude, Entenangeln, Armbrust-Schießen - auf dem Hof von Jürgen Köster könnte glatt ein kleiner Jahrmarkt stattfinden. Aber die Geschäfte stehen hier unfreiwillig still: Der Schausteller kann seit Weihnachten 2019 nicht mehr arbeiten. Denn Volksfeste mit mehreren tausend Besuchern waren in Corona-Zeiten lange nicht durchführbar. Seit über fünfzig Jahren verdienen die Kösters aber damit ihren Lebensunterhalt und nun seit März: Zwangspause. Für den 72-jährigen eine schwere Zeit. Ihm fehlt die Arbeit und die Situation bringt ihn auch finanziell unter Druck.

VIDEO: Schausteller kämpfen ums Überleben (9 Min)

Überleben aus Reserven - und Erfindungsreichtum

Jürgen Köster © NDR Foto: Screenshot
Lebt momentan vor allem von seinen Reserven und von einem kleinen Nebengeschäft: Schausteller Jürgen Köster.

Über 50 Jahrmärkte allein in Schleswig Holstein sind ausgefallen, dazu der Hamburger Dom und kleinere Veranstaltungen. Die Soforthilfen des Bundes haben zwar die Kosten für z.B. fällige Versicherungen gedeckt, sind aber sind nicht für den Lebensunterhalt gedacht. Andere Hilfen seien kompliziert zu beantragen und meist zu gering, erklärt Jürgen Köster. Deshalb lebt er momentan vor allem von seinen Reserven und von einem kleinen Nebengeschäft: Jürgen Köster und seine Familie haben ihren Zuckerwagen vor ihr Haus gestellt. Gebrannte Mandeln, Lakritz, Zuckerstangen - das verkaufen sie jetzt an ihre Nachbarn. Von dem hier verdienten Geld können Sie ihre täglichen Einkäufe bezahlen. Die Kösters sind eine typische Schaustellerfamilie, alle arbeiten in dem Gewerbe und so leiden alle gleichzeitig unter der wirtschaftlichen Situation.

Volkfeste im Norden: In den norddeutschen Bundesländern haben Schaustellerverbände und Behörden häufig gemeinsam an alternativen Konzepten zu traditionellen Volksfesten gearbeitet und diverse Freizeitparks unter Einschränkungen und strengen Hygienekonzepten erlaubt, häufig mit deutlich geringeren Besucherzahlen als in normalen Jahren.

Bremen: Den klassischen Freimarkt wird es in diesem Jahr in Bremen nicht geben. Stattdessen haben sich Schausteller und Stadt auf einen vierwöchigen Freizeitpark im Oktober auf der Bremer Bürgerweide geeinigt. Alkohol wird es nicht geben, stattdessen ist ein Eintritt von 1 bis 2 Euro geplant, maximal 6.000 Besucher sollen gleichzeitig auf das Gelände dürfen. Dafür will der Bremer Senat die Schausteller finanziell unterstützen.