Stand: 11.12.2018 06:00 Uhr

Personalmangel: Intensivstationen am Limit

von Anne Ruprecht

Der Mangel an Pflegepersonal führt zu erheblichen Konsequenzen auf den Intensivstationen in norddeutschen Kliniken. Nach Recherchen von Panorama 3 können viele vorhandene Betten aufgrund fehlenden Personals nicht belegt werden. Vor allem in Niedersachsen und Bremen sind die Engpässe zum Teil erheblich. Teilweise kann bis zu einem Drittel der vorhandenen Intensivbetten nicht genutzt werden, da die notwendigen Intensivpflegekräfte fehlen. 

Leeres Bett auf einer Intensivstation © picture alliance / Ulrich Baumga Foto: picture alliance / Ulrich Baumga

Personalmangel: Intensivstationen am Limit

Panorama 3 -

Engpässe auf den Intensivstationen: Bis zu einem Drittel der Betten kann nicht genutzt werden, da Pflegekräfte fehlen. Besonders betroffen sind Niedersachsen und Bremen.

3,67 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Hohe Abmeldequoten bei Intensivkapazitäten

Panorama 3 hatte Einblick in ein internes Kommunikationssystem zwischen Rettungsleitstellen und Kliniken. Über das Onlinesystem "Ivena" melden sich Kliniken ab, wenn sie keine Patienten mehr aufnehmen können. Das soll den Rettungsleitstellen anzeigen, welche Klinik sie mit ihren Notfallpatienten anfahren können. Panorama 3 konnte auf die "Ivena"-Daten von 74 Kliniken mit Intensivstationen in Niedersachsen und Bremen im Zeitraum 9. November bis 3. Dezember 2018 zugreifen.

Die Auswertung von insgesamt über einer Million Daten ergab für die Stadt Bremen eine Abmeldequote von knapp 50 Prozent der Intensivkapazitäten. In der Region Hannover lag die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivstationen im Zeitraum bei etwas mehr als einem Viertel, im Bereich der internistischen Intensivstationen bei zusammengerechnet über 40 Prozent.

Weitere Informationen

Personalmangel in Kliniken gefährdet Patienten

Überlastung und Personalmangel - wieder liegen Panorama 3 Gefährdungsanzeigen von Mitarbeitern und Ärzten der Asklepios-Kliniken in Altona und Wandsbek vor, die aufhorchen lassen. mehr

Personalmangel als Ursache

Für einige einzelne Krankenhäuser sind die Zahlen noch drastischer. So hatte das Bremer Krankenhaus Links der Weser innerhalb des Auswertungszeitraums seine Intensivkapazitäten zu rund 98 Prozent abgemeldet, also fast die komplette Zeit. Auch das  Krankenhaus Nordstadt in Hannover musste im Bereich Chirurgischer und Internistischer Intensivstation zu rund 71 Prozent seine Kapazitäten abmelden. Beide Kliniken bestätigen gegenüber Panorama 3 den Personalmangel als eine Ursache. Eine weitere sei, dass beide Kliniken Patienten aus dem ländlichen Umland mitversorgen müssen, da die dortigen Kliniken erst recht nicht die Personalressourcen haben.

Die Abmeldedauer selbst variiert dabei stark. Das sind zum Teil kurzfristige Abmeldungen von ein bis zwei Stunden bis hin zu 74 Stunden am Stück. 

Gefährliche Kettenreaktion

Diese Engpässe in den Kliniken führen häufig zu einer Kettenreaktion. Beispielsweise waren in Bremen Ende November und im Stadtgebiet Hannover Anfang Dezember alle internistischen Intensivkapazitäten aller Kliniken gleichzeitig abgemeldet. Und das über viele Stunden. Je mehr Krankenhäuser ihre Intensivkapazitäten abmelden, umso mehr müssen andere Kliniken einspringen, die sich dann im Laufe der Zeit auch immer wieder abmelden müssen, weil sie am Limit sind.

Anfang des Jahres hatte die Deutsche Gesellschaft für internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) vor einer drohenden Unterversorgung durch Intensivpflegemangel und Bettensperrungen gewarnt.

Gefahr weiterer Bettensperrungen

Weiter verschärfen könnten das Problem ausgerechnet die neuen gesetzlichen Personaluntergrenzen ab Januar 2019. Sie sollen zwar für eine dringend nötige Entlastung der Intensivpfleger sorgen, nicht alle Kliniken können die Personalmindestquote jedoch erfüllen. Dies führe zu weiteren Bettensperrungen und Engpässen, vermutet die Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG).

Weitere Informationen

Pflege Report - Teil 1: Die Ohnmacht der Angehörigen

Als die Mutter von Esther Schweizer im Sommer Jahr 2016 in ein Hamburger Pflegeheim kommt, baut sie rapide ab. Kein Einzelfall, wie viele Angehörige hilflos erleben. mehr

Pflege Report - Teil 2: Die Hilflosigkeit der Pflegekräfte

Zu wenig Zeit, zu wenig Personal: Vielerorts herrscht dieser Zustand in der Pflege alter Menschen. Das zehrt an den Kräften und den Nerven - von Patienten und Pflegern. mehr

Pflege Report - Teil 3: Mängel bei der Heimkontrolle

Die vorgeschriebenen Prüfquoten von Pflegeheimen werden in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein bei Weitem nicht erreicht. Das zeigen Recherchen von Panorama 3. mehr

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 11.12.2018 | 21:15 Uhr