Stand: 09.01.2020 14:58 Uhr

Land Niedersachsen will Präventions-Projekt retten

von Jonas Schreijäg

Die Amadeu-Antonio-Stiftung kann ihre Seminare gegen Antisemitismus in Niedersachsen offenbar doch fortsetzen. Das Land Niedersachsen hat zugesagt, die Kosten für die Präventionsarbeit zu übernehmen. Ursprünglich sollte das Projekt "Ju:an - Jugendarbeit gegen Antisemitismus" in Hannover eingestellt werden, weil die Fördermittel vom Bund ausliefen.

Anti-Extremismus-Projekte müssen aufhören

Panorama 3 -

Über 100 Demokratieprojekte gegen Extremismus müssen schließen. Der Grund: Das Familienministerium darf nur innovative Modellprojekte finanzieren.

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Landesregierung will für Kosten aufkommen

Hintergrund war eine Umstrukturierung des Förderprogramms "Demokratie leben!" im Bundesfamilienministerium. Bundesweit werden dadurch über 100 Projekte gegen Extremismus nicht weiterfinanziert, darunter auch das Büro der Amadeu-Antonio-Stiftung in Hannover. Die Stiftung hatte in Niedersachsen seit 2015 Seminare für Sozialarbeiter und Lehrer angeboten, damit diese Antisemitismus bei Jugendlichen entgegentreten können.

Panorama 3 hatte im Dezember über das drohende Ende der Präventionsseminare berichtet. Jetzt will das Land Niedersachsen für die Kosten aufkommen, damit die Seminare fortgesetzt werden können. Das bestätigten die Staatskanzlei und das Niedersächsische Sozialministerium auf Anfrage von Panorama 3. Die Landesregierung habe sich sehr für die Weiterfinanzierung der Amadeu-Antonio-Stiftung in Hannover eingesetzt, schreibt Sozialministerin Carola Reimann (SPD), "da wir mit Sorge beobachten, dass antisemitische Klischees und Denkweisen auch unter Jugendlichen noch immer verbreitet sind und in letzter Zeit sogar zunehmen."

"Wichtige Arbeit im Kampf gegen Antisemitismus"

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Doris Schröder-Köpf hatte die drohende Schließung des Projekts im Dezember bei Panorama 3 scharf kritisiert.

Das Sozialministerium bewilligte das Projekt kurzfristig über die neue Förderrichtlinie "Teilhabe und Zusammenhalt", die seit 1. Januar 2020 gilt. Damit sei "kurzfristig und grundsätzlich sichergestellt, dass ju:an die wichtige Arbeit im Kampf gegen Antisemitismus unter Jugendliche auch im Jahr 2020 fortsetzen kann", schreibt das Sozialministerium. Die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf (SPD), begrüßte diesen Schritt. Sie hatte die drohende Schließung scharf kritisiert.

Zunächst gilt die Förderung für 2020. Ob danach eine dauerhafte Finanzierung ermöglicht wird, stehe noch nicht fest, heißt es aus dem Sozialministerium. Auch sei noch unklar, wie viel Geld genau die Amadeu-Antonio-Stiftung für das Projekt in Hannover bekommt.

Die Mitarbeiterinnen der Amadeu-Antonio-Stiftung in Hannover reagierten erleichtert. "Wir freuen uns, dass das Land Niedersachsen die Fortsetzung unserer antisemitismus- und rassismuskritischen Jugendarbeit weiter ermöglichen und fördern möchte", schreibt Golschan Ahmad Haschemi. Sie hoffe allerdings auf eine längerfristige Finanzierung, um nicht am Ende des Jahres wieder ohne Geld dazustehen. "Nur eine punktuelle Bearbeitung von Antisemitismus und Rassismus wird nicht langfristig halten", so Ahmad Haschemi.

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