Sendedatum: 20.05.2014 21:15 Uhr  | Archiv

Kandidat und Basis: Die AfD und ihre zwei Gesichter

von Pia Lenz & Anna Orth

Parteichef Bernd Lucke hüpft auf die Bühne einer Wahlkampfveranstaltung in der Innenstadt von Hannover. Etwas zaghaft winkt er in die jubelnde  Menge und beginnt zu sprechen: Von der Angst vor einem europäischen Überstaat, von der Angst vor sozialem Abstieg , von der Angst vor ungeregelter Zuwanderung. Er scheint den Nerv seiner Zuhörer zu treffen. Lucke hat mit der "Alternative für Deutschland" etwas ins Leben gerufen, was bei vielen Urängste anspricht und das nationale Gefühl zu mobilisieren scheint. Sieben Prozent - so viel Potential sprechen ihm die Wahlforscher für das kommende Wochenende zu.

Parteichef Bernd Lucke

Kandidat und Basis: Die AfD und ihre zwei Gesichter

Panorama 3 -

Zuwanderung, ungerechte Lastenverteilung in Europa: Damit beschert Lucke der AfD regen - und vor allem rechten - Zulauf. Doch davon will er nichts hören, sieht sich als Medienopfer.

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Wer ist Bernd Lucke?

Lucke, der Ökonom hat es geschafft, sich innerhalb eines Jahres in der deutschen Parteienlandschaft irgendwo rechts der CDU zu platzieren. Vor allem die bürgerlichen Parteien fürchten seitdem um ihre Stimmen. Wer ist Bernd Lucke? Was will er und was will seine Partei? Und welche Stimmen fängt die AfD mit ihrem Europawahlkampf wirklich ein?

Auf Plakaten wirbt die AfD mit Slogans gegen die Brüsseler Bürokratie, gegen den Euro, für klare Regeln bei der Zuwanderung. Auch auf den Wahlkampfveranstaltungen sind die Rolle Deutschlands in Europa und die Zuwanderung die wichtigsten Themen. Bei den Rednern, aber auch und vor allem bei den Zuhörern. Hört man sich bei ihnen um, dann ist viel die Rede von "deutschen Kulturgut", von "ungezügelter Zuwanderung"  oder davon, dass man "nicht für die ganze Welt sorgen" könne.

Opfer einer Kampagen?

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Parteichef Bernd Lucke sieht seine Partei als Opfer einer Kampagne.

Töne, die man von Lucke selbst nicht hört. Er sieht sich und seine AfD von den etablierten Parteien und von den Medien in die rechte Ecke gedrängt, fühlt sich zu Unrecht dem Vorwurf von rechtem Populismus ausgesetzt. Seine Partei sei Opfer einer Kampagne.

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AfD-Wahlslogans wie: "Wir sind nicht das Weltsozialamt" finden sich fast wortgleich bei der NPD.

Doch sind die ständigen Vorwürfe des Rechtpopulismus wirklich so abwegig? Wir finden AfD-Wahlslogans wie: "Wir sind nicht das Weltsozialamt" fast wortgleich bei der NPD. Lucke versteht die Aufregung nicht. Die NPD versuche sich reinzuwaschen, indem sie alte Slogans von der AfD kopiere. Aber wenn man sich ständig missverstanden fühlt - muss man sich dann nicht besonders klar abgrenzen von jenen, mit denen man nicht verglichen werden möchte?

Keine klare Abgrenzung von rechtspopulistischen Tönen

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Auf dem Rostocker Marktplatz verkündet der Spitzenkandidat aus Mecklenburg-Vorpommern "Wer heute Plakate zerstört, verbrennt morgen Bücher":

Auch als der Spitzenkandidat aus Mecklenburg-Vorpommern auf dem Rostocker Marktplatz warnt, "wer heute Plakate zerstört, verbrennt morgen Bücher", versäumt Lucke eine Abgrenzung. Der AfD-Kandidat bleibt auch auf Nachfrage bei seiner fragwürdigen These. Lucke zeigt Verständnis für seinen Parteikollegen. Der Kandidat sei gestresst, das müsse man verstehen, meint der Parteichef. Für Lucke könnte das ein Moment des Zweifelns sein. Zweifel darüber,  ob er die Partei überhaupt noch im Griff haben kann. Oder ob er manchmal an seine Grenzen gerät, weil Dinge ihm entgleiten. Doch Zweifel, die würden nicht gut passen in das Bild von Opfer und Täter.

Ob er verstehen könne, dass seine Partei, ihre Slogans und die Auftritte Ressentiments gegen Fremde und Zuwanderer schürten? Bernd Lucke sagt Nein.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 20.05.2014 | 21:15 Uhr