Stand: 18.04.2018 14:27 Uhr  | Archiv

Getrennte Familie aus Syrien endlich vereint

von Djamila Benkhelouf und Dörte Petsch

Endlich kann der 15-jährige Waled seine Mutter und seinen Vater wieder in den Arm nehmen: Die Zusammenführung der syrischen Flüchtlingsfamilie hat knapp zwei Jahre gedauert. Waled Saleh ist seit November 2015 anerkannter Flüchtling. Im März 2018 ist er nun endlich mit seiner Familie vereint.

Endlich wieder zusammen: die Familie Saleh.
Bearbeitung von Anträgen dauert Monate

Betreut wurde er seitdem von Familie Gottwald aus Bordesholm, genau wie drei weitere Geschwister. Seine Eltern sowie ein jüngerer Bruder hingen nämlich in Griechenland fest. Das Problem: Die Bearbeitung der Anträge auf Familiennachzug nach der Dublin-Verordnung dauern mitunter Monate.

Im Fall von Waleds Familie hatten seine Angehörigen seit April 2017 eigentlich die Zusage, dass die Familie nach Deutschland kommen darf, doch monatelang passierte nichts. Recherchen von Panorama 3 belegten damals: Es gibt unzählige Fälle, wo eigentlich ein Rechtsanspruch für eine Familienzusammenführung vorliegt, aber nichts passiert. In Griechenland herrscht zwar Chaos im Asylsystem, die Zuständigkeiten sind unklar.

Waled (r.) mit seinen Geschwistern © NDR Foto: Screenshot

Familiennachzug: Aufruhr unter Flüchtlingen

Panorama 3 -

Viele Syrer warten trotz genehmigter Nachholanträge weiterhin auf ihre Angehörigen. Wird die Familienzusammenführung seitens der Behörden gezielt verzögert?

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Wer trägt die Verantwortung?

Aber die griechischen Behörden sind nicht alleine verantwortlich, sagte Waleds Vormund, Günter Gottwald damals gegenüber Panorama 3: "Die Behörden hier, insbesondere das Bundesministerium für Migration, BAMF, ist ein schwarzes Loch. Ich erreiche niemanden per Telefon, diverse Einschreiben per Post werden nicht beantwortet und niemand kann mir sagen, wie es weitergeht." Auf Nachfrage von Panorama 3 teilte das zuständige Innenministerium im November vergangenen Jahres mit:

"Mehrfach hat die Bundesregierung darauf hingewiesen, dass Überstellungen angesichts des enormen Koordinierungsaufwandes und der teilweise begrenzten Unterbringungs- und Beförderungskapazitäten einen längeren organisatorischen Vorlauf und eine enge Abstimmung mit der griechischen Asylbehörde erfordern. (...) Für die schwankenden Überstellungszahlen sind teilweise objektive Umstände verantwortlich, auf die die Bundesregierung keinen Einfluss hat. So stehen bspw. in der Feriensaison weniger freie Flugplätze, die für Überstellungen genutzt werden könnten, zur Verfügung, da diese durch Touristen in Anspruch genommen werden. Auch die personellen Ressourcen in Griechenland sind in der Sommerzeit rückläufig und können neben anderen Faktoren zeitweise zu geringeren Überstellungszahlen führen." Bundesinnenministerium

Für viele getrennte Familien hieß das: Monatelanges Warten, mitunter bis zu zwei Jahren. Für Familie Saleh aus Syrien hat das Warten nun endlich ein Ende. Sie leben inzwischen in einer Wohnung zusammen in Bordesholm und sind glücklich, wieder  zusammen zu sein.

Kommentar
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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 21.11.2017 | 21:15 Uhr