Stand: 11.08.2020 16:38 Uhr

Corona-Listen: Was passiert mit unseren Daten im Restaurant?

von Philipp Hennig, Lea Struckmeier

Seit den Corona-Lockerungen gehören sie zu jedem Kneipen- und Restaurantbesuch: Listen oder kleine Zettel, in die jeder Gast seine Daten eintragen muss. Die Idee dahinter ist simpel, aber wichtig: Sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen, sollen die Gesundheitsämter mit ihrer Hilfe Infektionsketten nachvollziehen. Bisher wurden die Kontaktadressen aufgrund geringer Infektionszahlen kaum benötigt. Inwieweit sie allerdings eine Ausbreitung der Corona-Pandemie wirksam verhindern können, lässt sich also nur schwer nachvollziehen.

VIDEO: Corona-Listen: Was passiert mit unseren Daten im Restaurant? (7 Min)

Listen teilweise unbrauchbar

Gerwin Stöcken © NDR Foto: Screenshot
Der Kieler Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken (SPD) warnt vor den Folgen falscher Angaben durch Restaurant-Gäste.

Als sich im Juli Mitarbeiter eines Restaurants in Kiel mit Corona infizierten, greift das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt zum ersten Mal auf die gesammelten Gästedaten zu. Mit mäßigem Erfolg: Rund zehn bis 15 Prozent der Daten sind unbrauchbar. "Dieses Unbrauchbarsein bezieht sich darauf, dass manche Menschen offensichtlich falsche Namen eingegeben haben. Bis dahin, dass auch Mickey Mouse dort zu Gast war. Oder die Listen und Einträge sind so unleserlich, dass man damit nichts anfangen kann. Wenn man das nicht hat, kann sich möglicherweise ein Ausbruch immer weiter vollziehen, ohne dass es eine Chance gibt ihn zu stoppen", erklärt der Kieler Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken (SPD) gegenüber Panorama 3.

Datenschutz als Problem

Marit Hansen © NDR Foto: Screenshot
Die Datenschutzbeauftragte Marit Hansen warnt vor möglichem Missbrauch der in Restaurants abgegebenen Daten.

Warum einige Gäste ihre Daten falsch oder gar nicht angegeben haben, bleibt unklar. Möglicherweise ist es die Unsicherheit, was mit ihren Daten passiert. Denn seit der Einführung der Gästedaten-Erfassung sind bei der schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Marit Hansen Dutzende Beschwerden eingegangen. Im Einzelfall wurden Daten auch tatsächlich missbräuchlich verwendet. So zum Beispiel von einem Kellner, der einen weiblichen Gast im Nachhinein per WhatsApp angeschrieben hatte. Um diese Daten besser zu schützen und damit auch das Vertrauen der Gäste zu stärken, fordert Marit Hansen einen besseren Schutz: "Man könnte zum Beispiel bundesgesetzlich festlegen, dass ganz klar diese Daten nicht zu anderen Zwecken verwendet werden. Vielleicht sogar einen Beschlagnahmeschutz einführen, dass sie so ähnlich sind wie medizinische Daten. Wo das nicht so einfach geht."

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 11.08.2020 | 21:15 Uhr