Stand: 14.10.2019 10:21 Uhr

Handke: "Ich wäre gerne in Serbien, wenn die Bomben fallen"

von Christoph Bungartz und Ralf Quibeldey

Die Entscheidung, dass Peter Handke den Nobelpreis bekommen soll, sorgt für heftige Diskussionen. Dabei geht es weniger um seine Literatur, sondern um Handkes Parteinahme für die serbischen Nationalisten und seine Treue zu Miloševic in den Neunzigern.

Peter Handke © imago/Leemage

Nobelpreis für Serben-Freund Peter Handke

Kulturjournal

Im Jahre 1999 äußerte sich Peter Handke fragwürdig über das Schicksal der Serben. Nun wird seine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis heftig diskutiert.

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"Das hat noch kein Volk in Europa in diesem Jahrhundert durchgemacht"

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Peter Handke hat eher vor serbischen als vor westeuropäischen Kameras für das Regime von Slobodan Milošević ergriffen. Der "Kulturreport aus Hamburg", produziert vom NDR, zeigte 1999 Auszüge aus einem Handke-Interview aus dem serbischen Fernsehen. Darin bezeichnet der Schriftsteller die Nato als "kriminell" und vergleicht die "Tragödie" der Serben mit dem Schicksal der Juden. Ein Interview, das nach wie vor fassungslos macht: "Was die Serben seit fünf, mehr noch seit acht Jahren durchmachen, hat kein Volk in Europa in diesem Jahrhundert durchgemacht. Dafür gibt es keine Kategorien. Bei den Juden, da gibt es Kategorien, man kann darüber sprechen, aber bei den Serben das ist eine Tragödie ohne Grund."

Weiter sagt Handke dem serbischen Staatsfernsehen: "Ich wäre gern in Serbien, wenn die Bomben auf Serbien fallen. Das ist mein Ort. Wenn die Kriminellen der Nato sie bombardieren, komme ich nach Serbien." So pathetisch hat Handke sich sonst nirgends geäußert.

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