Kulturjournal

Montag, 20. September 2021, 22:45 bis 23:15 Uhr
Freitag, 24. September 2021, 01:50 bis 02:20 Uhr

Zocken ohne Ende: Wann ist es Computerspielsucht?

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Drei Jungs sitzen vor einem Computer. © NDR
15 Min

Zocken ohne Ende: Wann ist es Computerspielsucht?

700.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland nutzen Computerspiele riskant oder pathologisch. Wann wird aus Spaß Sucht? 15 Min

Zum Weltkindertag am 20. September wirft das Kulturjournal einen Blick auf den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen, der im ersten Lockdown noch deutlich zugenommen hat. Die Durchschnitts-Bildschirmzeit stieg von 5-6 Stunden täglich nochmal um 75%, Homeschooling nicht mitgerechnet. Nach einer Studie des Hamburger UKE nutzen 700.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland Computerspiele riskant oder pathologisch. Einer, der die Kontrolle übers Spielen komplett verloren hat, ist der 18 jährige Lucas. Er schmiss die Schule und traf sich nicht mehr mit Freunden, um Tag und Nacht zu zocken. Seit acht Wochen erholt er sich auf der Jugend-Sucht-Station im Hamburger UKE. Drei Monate bleiben Jugendliche wie Lucas in der Regel hier. Am Anfang steht ein kalter Entzug. Die Patienten finden durch Therapien, Sport und das Erlernen von Instrumenten langsam zurück ins Leben.

Eltern sind verunsichert, Experten sind uneinig. Hirnforscher Manfred Spitzer etwa sagt, dass Medienkonsum Kindern Schaden zufüge. Kommunikationsforscher Christoph Klimmt dagegen verteufelt Gaming nicht, sondern sieht sogar noch Vorteile für Kinder darin, weil sie bei Computerspielen mit Spaß kognitive Fähigkeiten verbessern würden. Erste Kitas setzen auf Medienkonsum so früh wie möglich, um die Kinder auf die digitale Welt vorzubereiten, und machen mit den Kleinen ein "Tablet-Diplom". Computerspiele und soziale Medien - ein Milliardengeschäft, das mit Suchtfaktoren spielt. Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Suchtbereichs am UKE, klagt, dass die Spiele-Industrie sich aus der Verantwortung ziehe. Felix Falk vom Verband der deutschen Games-Branche sieht auch den Staat und die Eltern in der Pflicht. Doch 50 Prozent der Eltern machen ihren Kindern gar keine zeitlichen Einschränkungen, 33 Prozent beaufsichtigen die Inhalte nicht.

Beispiellose Mordserie: Buch über den Krankenpfleger Niels Högel

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Das Buch "Der Todespfleger" von Karsten Krogmann und Marco Seng.
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Beispiellose Mordserie - Buch über Krankenpfleger Niels Högel

Das Buch "Der Todespfleger" von Karsten Krogmann und Marco Seng erzählt die Geschichte des Falls Niels Högel. 6 Min

Die bundesweite Kriminalgeschichte kennt keine andere Mordserie, der so viele Menschen zum Opfer gefallen sind: Der Krankenpfleger Niels Högel wird 2019 wegen 85fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Richter formulierte es so: "Das ist hier anders als in den USA, wo die Strafen addiert werden. Würden wir für jeden Fall die lebenslange Freiheitsstrafe mit der Mindestdauer von 15 Jahren berechnen, 85 mal 15 - Herr Högel, das wären 1.275 Jahre!". Jahrelang konnte er ungehindert Patienten Medikamente in tödlicher Dosis spritzen. Erst im Klinikum Oldenburg, dann in Delmenhorst. Alarmsignale wurden von Kollegen und Vorgesetzten ignoriert. Sie erlaubten es auch, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen jahrelang schleifen ließ. Das Buch "Der Todespfleger - Warum konnte Niels Högel zum größten Mörder der deutschen Nachkriegsgeschichte werden" (Verlag: Goldmann) der Journalisten Karsten Krogmann und Marco Seng erzählt detailliert die Geschichte des Falls. Das Kulturjournal hat die beiden Autoren in Oldenburg getroffen.

Porträt eines Dorfes: Angelika Klüssendorfs "Vierunddreißigster September" ist NDR Buch des Monats

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Ein Buch steht senkrecht auf einer asphaltierten Straße. Es hat einen weißen Einband, auf dessen rechten unteren Ecke ein Vogel mit zwischen den Federn versteckten Kopf zu sehen ist. Der Name der Autorin Angelika Klüssendorf ist rot am oberen Rand zu sehen, darunter steht der Titel: "Vierunddreißigster September".
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Porträt eines Dorfes: Das NDR Buch des Monats

Schriftstellerin Angelika Klüssendorf hat einen ungewöhnlichen Dorfroman geschrieben, aus der Perspektive der Toten. 6 Min

Es beginnt mit einem Mord: Eine Frau bringt ihren todkranken Ehemann um, nach vielen gemeinsamen Jahren. Doch während sie spurlos verschwindet, bleibt er als Toter im Dorf zurück, beobachtet die Lebenden und fängt an zu erzählen. Schriftstellerin Angelika Klüssendorf hat einen ungewöhnlichen Dorfroman geschrieben, aus der Perspektive der Toten. Ein Buch voller Lebensgeschichten, die beschäftigen und hängenbleiben. Und dann taucht auch noch Star-Regisseur Steven Spielberg auf. "Vierunddreißigster September" ist unser NDR Buch des Monats. Das Kulturjournal trifft die Schriftstellerin in ihrem Wohnort, einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern.

Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Moderation
Julia Westlake
Produktionsleiter/in
Katja Theile

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