Expeditionen ins Tierreich

Wilde Ostsee - Von Estland bis Finnland

Mittwoch, 04. November 2020, 21:00 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 05. November 2020, 06:35 bis 07:20 Uhr

Die Ostsee ist das jüngste Meer der Erde und erst nach der letzten Eiszeit entstanden. Es scheint so vertraut, bietet aber viele Überraschungen. Wind und Wellen formen bis heute die Ufer der Ostsee. Diese Folge führt in eine Welt aus Zehntausenden von Inseln zwischen Estland dem schwedischen Gotland und dem finnischen Schärenmeer.

Die Landschaft ist steinig

Auf Saaremaa der größten estnischen Insel schallen im Herbst nasale Laute über die Insel. Es sind die Paarungsrufe der Elche. Große Bullen ziehen zu den traditionellen Brunftplätzen im Süden der Insel. Hier ist die Landschaft steinig und durchsetzt von unzähligen Buchten, im Norden ragt das Panga Cliff empor, eine 20 Meter hohe Kalksteinwand, über 400 Millionen Jahre alt.

Robbenfischer in der Rigaer Bucht

Anfang März begleiten der Tierfilmer Christoph Hauschild und sein Team zwei Robbenforscher bei ihrer Arbeit. Ihr Ziel sind zwei kleine Inseln weit draußen in der Rigaer Bucht. Dorthin zieht es Kegelrobben. Noch nie durfte ein Filmteam auf die Inseln. Beeindruckende Bilder entstanden als die Drohne über die Insel fliegt. Erst aus der Luft zeigt sich, wie viele Tiere es sind. Der Strand ist übersät mit Jungrobben. Die größte Ansammlung in der Ostsee. Das fehlende Packeis führt dazu, dass die Mütter hierher kommen müssen. Die Erwärmung des Weltklimas hat die Ostsee bereits bis in die Rigaer Bucht sichtbar verändert. Für die gut isolierten Jungrobben sind die Winter zu heiß. Um nicht zu überhitzen gehen sie ins kühle Wasser. Die Unterwasserkamera fängt intime Momente ein und zeigt wie spielerisch die Jungen das kühle Wasser genießen.

Eine Arche in der Ostsee

Nur 200 km westlich liegt ein uraltes Korallenriff, Gotland. Die schwedische Insel ist wie eine Arche in der zentralen Ostsee. Viele Tiere und Pflanzen, die sonst nur in Südeuropa vorkommen, finden sich auf der zweitgrößten Insel der Ostsee. Hier brüten Steinadler auf Bäumen, im Frühling ist der Boden übersät von Orchideen. Auf Gotland wachsen 35 verschieden Arten.

Die größte Lummenkolonie

Visby die Hauptstadt von Gotland zählt mit ihren Kirchen und der mächtigen Ringmauer zum UNESCO Weltkulturerbe. Kalk bestimmt das Leben auf Gotland. Der Rohstoff wurde seit jeher zum Bauen genutzt. Ausgerechnet dort wo ein Nationalpark entstehen soll, wird weiterhin Kalk industriell abgebaut.

Auf der vor Gotland liegenden Insel Stora Karlsö existiert die größte Lummenkolonie der Ostsee. Im Juni springen die jungen Lummen zu Hunderten von den Felsen, auf denen sie geschlüpft sind, um mit ihren Vätern in die südliche Ostsee zu schwimmen.

Eine Welt aus 80.000 Inseln

300 Kilometer weiter nördlich liegt Finnlands Schärenmeer. Eine Welt aus 80.000 Inseln. Die jüngsten sind noch felsig und karg. Auf den älteren, bewaldeten Inseln jagt der größte Kauz Europas, der Bartkauz. In den weißen Nächten des nordischen Sommers ist genügend Licht, um am Nest der Eulen Filmaufnahmen aus dem Familienleben einzufangen.

Der Braunbär - das größte Raubtier Europas

In dem Labyrinth aus Felsen und Wasser lebt auch das größte Raubtier Europas, der Braunbär. Große Bären schwimmen von Insel zu Insel auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen. Es sind Momente wie diese, wenn im Abendlicht eine Bärin mit ihren drei Jungen Bärchen durch die schmalen Wasserstraßen schwimmt, um einem großen Bärenmännchen aus dem Weg zu gehen, die dem Team um Christoph Hausschild unvergessen bleiben und sicher auch die Zuschauer in ihren Bann ziehen werden. Magische Augenblicke aus dem Felsenmeer, das die letzte Eiszeit in der Ostsee einst geschaffen hat.

Redaktion
Ralf Quibeldey
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Regie
Christoph Hauschild
Autor/in
Christoph Hauschild